Deutscher Forstverein e.V.

Wald in Sachsen

Wald in Sachsen

Unser Gastgeberland stellt sich vor

Waldgeschichte
Sachsens Wälder sind untrennbar mit den forstlichen Klassikern und der Entwicklung der geregelten Forstwirtschaft verbunden. Als Hans Carl von Carlowitz 1713 das Nachhaltigkeitsprinzip formulierte, hatte er das Ziel, den drohenden Holzmangel in einem der größten Montanreviere Europas abzuwenden. Er legte damit den Grund­stein für eine planmäßige nachhaltige Forstwirtschaft, welche im Laufe der Zeit, auch über die Holzproduktion hinaus, vielfältige weitere Anforderungen an das Ökosystem Wald sowie die inzwischen stetig steigenden Ansprüche der Gesellschaft berücksich­tigt.

Knapp 100 Jahre nach Carlowitz begann Heinrich Cotta, die forstliche Ausbildung in seiner Lehranstalt in Tharandt in neue Bahnen zu lenken. Durch die Gründung der Königlich-Sächsischen Forstakademie Tharandt entstand schließlich ein Ort der Leh­re und des wissenschaftlichen Austausches, dessen Ideen einer modernen Waldwirt­schaft sich in der forstlichen Welt verbreiteten und verankerten. Unweit der Landes­hauptstadt Dresden und vor den Toren des Tharandter Waldes wurden nunmehr Stu­dierende aus aller Welt in Forstvermessung und Taxation unterwiesen. Insbesondere die Entwicklung des Waldbaus und der Forsteinrichtung als ganzheitliche Disziplinen der Forstwissenschaft revolutionierten die Forstwirtschaft.

Die im 18. Jahrhundert vielerorts durch die starke Übernutzung sowie durch Wald­weide und Streunutzung degradierten Wälder wurden vor dem Hintergrund einer heute kaum vorstellbaren Holzknappheit insbesondere durch den Anbau von Fichte und Kiefer wieder aufgeforstet.

Während der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik wurden der Anbau von Nadelbaumreinbeständen und deren systematische Nutzung in Hiebszügen aufgrund der Autarkiebestrebungen und des Ressourcenmangels weiter vorangetrieben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts traten großflächige Waldschäden aufgrund star­ker Rauchgasimmissionen insbesondere in den sächsischen Mittelgebirgen auf. Zwi­schen 1962 und 1996 wurden dort über 120.000 Hektar Wald äußerst stark geschä­digt. Mit Interimsbestockungen von beispielsweise Murray-Kiefer, Blau- oder Stech­fichte wurde versucht, den Wald wiederaufzuforsten und auf diesen Flächen über­haupt diese Vegetationsform zu erhalten. Seit der politischen Wende wird intensiv der Waldumbau hin zu stabilen, arten- und strukturreichen, leistungsfähigen Misch­wäldern vorangetrieben. Basis für die effektive und erfolgreiche Umsetzung dieses herausragenden forstpolitischen Ziels sind waldverträgliche Schalenwilddichten.

Vielfältige Regionen
Sachsens landschaftliche Vielfalt wird geprägt durch drei Standortregionen Tiefland, Hügelland und Mittelgebirge. Dabei werden Meereshöhen von 72 Meter ü. NN im nördlichen Elbtal und bis zu 1.215 Meter ü. NN am Fichtelberg im mittleren Erzge­birge erreicht. In allen Regionen haben sich vielfältige und häufig einmalige Natur­räume herausgebildet. So liegt im Norden des Freistaates das Sächsisch-Niederlau­sitzer Heideland. Kennzeichnend für diesen Naturraum sind überwiegend nährstoff­arme Böden auf eiszeitlichen Lockersedimenten. Diese Region ist von zahlreichen Gewässern, Wald und Offenlandstrukturen geprägt. In südlicher Richtung anschlie­ßend erstreckt sich das fruchtbare sächsische Lössgefilde. Dieses Gebiet, in dem Wald häufig nur auf Sonderstandorten vorkommt oder aufgrund früherer jagdlicher Bedeutung verblieb, ist seit Jahrtausenden durch eine intensive landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Der südlichste Naturraum Sachsens, das sächsische Bergland und Mittelgebirge, ist aufgrund seiner Standortausstattung ein sehr heterogenes Gebiet. In dieser Region sind so verschiedenartige und waldreiche Mittelgebirge wie das Els­tergebirge im Vogtland in Südwestsachsen, das Erzgebirge, das Oberlausitzer Berg­land oder das Zittauer Gebirge zusammengefasst. Bekanntester Naturraum ist aller­dings das Elbsandsteingebirge, in dessen Zentrum der Nationalpark Sächsische Schweiz liegt.

Sachsen befindet sich in dem Übergangsbereich vom subozeanischen Klima zu einer stärkeren kontinentalen Ausprägung. Dabei verläuft innerhalb Sachsens ein starker Nord-Süd-Gradient. So liegen die durchschnittlichen Jahresmitteltemperaturen des nördlichen Tief- und zentralen Flachlands bei 10 °C, in den oberen Lagen des Erz­gebirges bei knapp 4 °C (Zeitraum 1991–2005). Die durchschnittlichen Jahresnieder­schläge betragen ca. 500–800 mm im Tiefland und bis zu 1.250 mm im Bergland.

Sachsens Wälder
Die Wälder Sachsens bedecken mit rund 520.000 Hektar 28,2 % der Landesfläche Sachsens. Dabei ist die Waldverteilung regional sehr differenziert. Der Süden mit den Mittelgebirgen sowie der Nordosten mit der Lausitzer Heidelandschaft sind sehr waldreich. Hier erreicht der Wald im Erzgebirgskreis einen Anteil von bis zu 47 %. Die landwirtschaftlich intensiv genutzten Lössgebiete Sachsens sind dementgegen unterdurchschnittlich bewaldet oder regional zum Teil äußerst waldarm. Den gerings­ten Waldanteil erreichen in dieser Region die Landkreise Leipzig und Meißen mit nur rd. 15 %.

Aufgrund der naturräumlichen Ausstattung dominieren in der potenziellen natürlichen Vegetation in Sachsen Laubwälder. Die natürlichen Waldgesellschaften werden im wärmeren Norden durch Eichen-, im niederschlagsreicheren Süden von Buchen­mischwäldern gebildet. In den Mittelgebirgen war der herzynische Bergmischwald mit Tanne, Buche und Fichte prägend. In den Kammlagen des Erzgebirges werden diese dann durch natürliche Fichtenwälder abgelöst.

Die heutige Baumartenzusammensetzung weicht deutlich von der potenziellen natür­lichen Vegetation ab. So liegt der Anteil der Nadelbaumarten nach den Ergebnissen der Bundeswaldinventur 3 bei 66 %. Dabei nimmt die Fichte mit 34 % den größten Flächenanteil ein, gefolgt von der Kiefer mit 28 %. Die häufigsten Laubbäu­me sind mit 15 % Pionierbaumarten, wie Birke, Pappel und Eberesche. Die Eiche er­reicht einen Flächenanteil von 9 %, die Buche von 4 %. Seit der Bundeswaldinven­tur 2 ist eine Zunahme der Laubbaumarten im Oberstand mit einer Erhöhung um 1,1 % im sächsischen Wald festzustellen. Insbesondere Eichen- und Buchenanteile nehmen aufgrund des Umbaus von Nadelbaumreinbeständen und der gezielten För­derung bei der Pflege mittelalter Bestände zu. Trotz der Förderung des Laubholzes hat die Fichtenfläche in Sachsen entgegen dem bundesweiten Trend aber leicht zu­genommen. Der Anstieg ist auf den Umbau von Interimsbestockungen in den ehema­ligen Rauchschadgebieten des Erzgebirges zurückzuführen.

Sachsens Natur
Die Wälder Sachsens haben eine herausragende Bedeutung für den Naturschutz. So sind flächenbezogen rund 69 % der sächsischen Naturschutzgebiete, 62 % der FFH-Gebiete, 53 % der Vogelschutzgebiete und 40 % der Landschaftsschutzgebiete Wald. Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist zu 93 % bewaldet. Die sächsischen Wälder bieten vielen bedrohten und seltenen Tierarten einen Lebensraum, unter anderem dem Eschen-Scheckenfalter, der Wildkatze und dem Eremiten. Allein 13.400 Hektar Wald sind mit gesetzlichem Schutzstatus einer ungestörten Waldent­wicklung überlassen.

Waldeigentum
Der Privatwald ist in Sachsen mit 45 % die vorherrschende Waldeigentumsform. Der überwiegende Teil der ca. 85.000 Waldbesitzer (rund 91 %) bewirtschaftet dabei Flä­chen mit einer Größe von weniger als fünf Hektar. Der Freistaat Sachsen ist mit 40 % der Waldfläche der größte Waldbesitzer. Der Anteil des Staatswaldes im Eigentum des Bundes liegt bei 5 %, 8 % des Waldes befinden sich in den Händen der Gemein­den, Zweckverbände sowie sonstiger öffentlicher Körperschaften, 2 % entfallen auf den Kirchenwald.

Die verschiedenen Waldeigentumsarten sind in Sachsen regional sehr unterschied­lich verteilt. Die größten zusammenhängenden Staatswaldflächen liegen im Erzgebirge, im Vogtland und in der Sächsischen Schweiz. Das südwestliche und insbesondere das nordöstliche Sachsen sind dagegen durch Privat-, Körperschafts- und Kirchenwald geprägt.

Holz
Der sächsische Wald weist nach den Daten der Bundeswaldinventur 3 historisch ho­he Holzvorräte auf. Insgesamt stockt in Sachsen ein Holzvorrat von 156,62 Mio. m³. Der durchschnittliche Holzvorrat pro Hektar Wald beträgt in Sachsen 312 m³. Dieser Wert liegt im Staatswald mit 338 m³/ha am höchsten, gefolgt von Privatwald mit 309 m³/ha und Körperschaftswald mit 296 m³/ha. Dabei werden Sachsens Wälder immer älter. Das durchschnittliche Baumalter beträgt 70 Jahre.

Sachsens Wälder weisen mit 51 m³/ha (Bundesdurchschnitt: 19 m³/ha) oder über 20 % des Vorrates einen der höchsten flächenbezogenen Vorratsanstiege aller Bun­desländer zwischen 2002 und 2012 auf. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich die wuchskräftigen Fichtenbestände. Entgegen der bundesweiten Entwicklung eines ab­nehmenden absoluten Fichtenvorrats hat sich in Sachsen der absolute Holzvorrat der Fichte um 21 % erhöht. Der durchschnittliche jährliche Gesamteinschlag beträgt in Sachsen 2,3 Millionen m³; das entspricht einer Nutzung von 4,4 m³/ha pro Jahr. Dem gegenüber steht ein laufender jährlicher Zuwachs von 11,2 m³/ha, welcher dem Bun­desdurchschnitt entspricht. Im fichtengeprägten Staatswald weist der laufende Zu­wachs mit 12,2 m³/ha den höchsten aller bundesdeutschen Landeswaldflächen auf.

Wirtschaftsfaktor Wald
Der Cluster Forst und Holz ist gerade im ländlichen Raum ein wichtiger Arbeitgeber mit fast 50.000 Beschäftigten und erwirtschaftet ca. 3 % des Bruttoinlandprodukts im Freistaat Sachsen. Auch der Wissenschaftsstandort Sachsen, mit der TU Dresden und angeschlossenen Fachinstituten sowie dem Helmholtz-Zentrum für Umweltfor­schung in Leipzig, entwickelt innovative Ideen bei der Holzverwendung und arbeitet an Lösungsansätzen für eine zukünftige Bioökonomie.

Schadereignisse 2017/2018
Sachsen wurde seit Oktober 2017 durch mehrere Sturmereignisse stark getroffen. Insbesondere die Sturmtiefs Herwart und Friederike haben Schadholzmengen in Höhe von 2,6 Millionen m³ hinterlassen – die schwersten Sturmschäden seit Jahr­zehnten. Die Vegetationsperiode 2018 war zusätzlich durch langanhaltende Trocken­heit und große Hitze gekennzeichnet. Im Sommer sanken die Niederschlagsmengen auf weniger als 30 % des langjährigen Mittelwerts. Neben massiven Schäden an Kul­turen hat die Dürre die Vitalität des sächsischen Waldes deutlich beeinträchtigt. Ein großes Brutraumangebot infolge der Stürme, hohe Temperaturen und eine vor allem durch Trockenstress verminderte Widerstandsfähigkeit der Bäume haben eine mas­senhafte Vermehrung rindenbrütender Schadinsekten und insbesondere des Buch­druckers begünstigt. Bis Ende September 2018 wurden mit einem Stehendbefall an Fichte von über 400.000 m³ höhere Werte registriert als die bisher höchsten Borken­käferschäden in Sachsen in den 1940er-Jahren. Neben dem Buchdruckerbefall stie­gen 2018 deutlich erkennbar auch die Populationen von Borkenkäferarten an Kiefer und Lärche an.

Waldstrategie 2050 für den Freistaat Sachsen
Die Ansprüche an den sächsischen Wald sind vielfältig wie niemals zuvor. Der Wald ist Ort der Erholung, Wirtschaftsfaktor und Lebensraum zugleich. Der Klimawandel stellt Waldbesitzer, Forstleute, Verbände und Forstbehörden vor große Herausforde­rungen. Ein gelungener Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen kann nur gemeinsam möglich sein. Die vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft veröffentlichte „Waldstrategie 2050 für den Freistaat Sachsen“ bietet dabei den notwendigen forstpolitischen Handlungsrahmen und zeigt auf, wie das Leistungsvermögen der sächsischen Wälder, die Ziele der jeweiligen Waldeigen­tümer und die unterschiedlichen gesellschaftlichen Ansprüche unter Wahrung des Nachhaltigkeitsprinzips in Einklang gebracht werden können.