Deutscher Forstverein e.V.

Danckelmann-Medaille

Deutscher Forstverein verleiht Danckelmann-Medaille an den Göttinger Professor Dr. Bernhard Möhring

Im Rahmen der 70. Forstvereinstagung, der größten Fachtagung der Forstbranche, wurde aufgrund herausragender Leistungen in der forstlichen Forschung und Lehre sowie der Beratung von Waldbesitzenden und Forstpolitik, die Danckelmann-Medaille an Professor Dr. Bernhard Möhring verliehen.

 

Prof. Möhring, Jahrgang 1955, wuchs in einem forstlich geprägten Elternhaus auf. Beide Eltern waren akademisch ausgebildete und promovierte Forstleute, seine Mutter sogar die erste „Forstfrau“, die in Deutschland den forstlichen Doktortitel erwarb. Bernhard Möhring studierte in Göttingen und Freiburg, anschließend erfolgte das Referendariat. Für seine Dissertation am Institut für forstliche Betriebswirtschaftslehre erhielt er 1987 den Thurn- und Taxis Förderpreis.

 

Nach 8 Jahren Universität wandte er sich der forstlichen Praxis zu und leitete im Solling das staatliche Forstamt Winnefeld. 1997 kehrte er dann nach seiner Habilitation an die Universität in Göttingen zurück und übernahm dort das Institut für forstliche BWL. Dass er nicht nur ein guter Wissenschaftler war, sondern sein Fachgebiet auch gut an die Studierenden übermitteln konnte, beweist der „Goldene Kiefernzapfen“, welchen ihm die Studierenden als Preis für die beste Lehre an der Forstlichen Fakultät verliehen.

 

Einige seiner wichtigsten Arbeitsbereiche waren während seiner Tätigkeit an der Universität u.a. betriebswirtschaftliche Planungs- und Entscheidungsmethoden für den Waldbesitz, Management privater, kommunaler und staatlicher Forstbetriebe, Controlling und Besteuerung von Forstbetrieben, Risikobewertung und –vorsorge und ganz aktuell Konzepte zur Inwertsetzung von Ökosystemleistungen. Gerade das letzte Thema gewinnt zunehmend an Bedeutung und wird derzeit politisch diskutiert. Durch den Klimawandel und die daraus resultierenden katastrophalen Waldschäden der vergangenen Jahre werden Waldbesitzer die Arbeit im Walde nicht mehr allein durch die Holznutzung finanzieren können. Allein die Wiederbewaldung nach Trocken- und sich daraus entwickelnden Borkenkäferschäden wird in den nächsten Jahren immenser Investitionen bedürfen. Insofern gilt es, auch die anderen Leistungen des Waldes wie die Bereitstellung von sauberem Wasser, Reinhaltung der Luft, Bereitstellung von Einrichtungen für Erholung und Sport im Wald und vieles mehr, in Wert zu setzen.

 

Die Danckelmann-Medaille, die Prof. Möhring verliehen wurde, erinnert an den berühmten Forstmann Bernhard Danckelmann, der 1831-1901 lebte und nach verschiedenen Stationen in der preußischen Forstverwaltung 1866 Direktor der Höheren Forstlichen Lehranstalt in Eberswalde wurde. Er war der Großonkel von Professor Möhrings 102jähriger Mutter aus Göttingen. Prof. Dr. Möhring ist neben Prof. Dr. Hermann Spellmann der zweite Preisträger.

 

Hintergrundinformationen

 

Zustand des Waldes Aktuellen Erhebungen zur Folge sind ca. 10 % des Waldes in Deutschland in Folge von Stürmen, Dürren oder die massenhafte Vermehrung von Schadinsekten wie dem Borkenkäfer zerstört worden. Extreme Witterungsbedingungen, wie sie durch den Klimawandel zukünftig häufiger zu erwarten sind, erhöhen die Risiken im von Langlebigkeit gekennzeichneten Ökosystem Wald. Sie drohen Ausmaße anzunehmen, die die Anpassungsfähigkeit heimischer Baumarten überschreiten könnte und verlangen daher, in waldbaulichen Konzepten berücksichtigt zu werden. Dies bezieht auch nicht heimische Baumarten ein, die als Ergänzung unserer heimischen Vielfalt besser an das künftige Klima angepasst sind.

 

Ökosystemleistungen des Waldes Wälder sind die wichtigsten naturnahen Ökosysteme in Deutschland. Sie sind schützender Lebensraum zahlloser Arten, Erholungsort, Sportstätte, filtern Wasser und speichern es für die Trinkwasserversorgung. Ebenso stellen sie den nachwachsenden Rohstoff Holz bereit und schützen dadurch das Klima. Die Ansprüche der Bevölkerung an diese Ökosystemleistungen bezeichneten Waldfunktionen steigen. Hierzu Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten: „Die Forstbetriebe befinden sich in einem Transformationsprozess, um neben der Holznutzung andere von der Gesellschaft nachgefragte Ökosystemleistungen, wie Klima- und Wasserschutz oder Biodiversität, stärker bedarfs- und nachfragegerecht anbieten zu können und umzusetzen. Aus dem Holzverkauf können diese Wirkungen und Leistungen jedoch nicht länger finanziert werden. Die Einführung dafür seitens der Wissenschaft vorgeschlagener Finanzierungs- und Honorierungsinstrumente ist überfällig, lässt jedoch zu lange auf sich warten und bremst mögliche Entwicklungen bislang aus.“

 

Forstvereinstagung Zur bundesweit größten Forsttagung werden alle zwei Jahre über 1.000 Teilnehmende aus öffentlichen und privaten Forstverwaltungen, Wissenschaft, Forstpolitik, Holz- und Forstwirtschaft, Naturschutz und andere Waldinteressierte erwartet. Gemeinsam mit den Niedersächsischen Landesforsten fand die Tagung in diesem Jahr unter dem Motto „Im Land der Löwen – Zeit für Innovation“ statt. Die fünftägige Veranstaltung bietet neben 25 Seminaren und über 50 Exkursionen viele weitere Höhepunkte für den fachlichen Austausch.

 

Der Deutsche Forstverein e. V. möchte gemeinsam mit seinen 11 Länderforstvereinen durch forstpolitische Initiativen, Öffentlichkeitsarbeit und Fort- und Weiterbildungsangebote die Rahmenbedingungen für Wald und Forstwirtschaft in Deutschland verbessern. Mit der Erfahrung und dem Wissen seiner über 6.000 Mitglieder ist der DFV als gemeinnütziger und unabhängiger Verein seit 1899 der erste Ansprechpartner, wenn es um den Wald geht. Der Sitz der Geschäftsstelle ist in Göttingen.

 

Bilder von der Verleihung oder Herrn Prof. Möhring lassen wir Ihnen gerne auf Anfrage zukommen.

Prof. Dr. Hermann Spellmann mit Bernhard-Danckelmann-Medaille ausgezeichnet

Im Rahmen der 69.  Tagung des Deutschen Forstvereins in Dresden wurde am 10. Mai 2019 dem langjährigen Direktor der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt Herrn Prof. Dr. Hermann Spellmann die Bernhard-Danckelmann-Medaille des Deutschen Forstvereins durch DFV-Präsident Carsten Wilke verliehen. Wilke dankte dem Preisträger insbesondere für seine herausragenden Leistungen in der angewandten Ressortforschung und dem forstlichen Versuchswesen.

Geboren 1954 in Osnabrück, wuchs Hermann Spellmann im ländlichen Umfeld in Rulle auf. Aus „Liebe zur Natur“ studierte er Forstwissenschaften an der Universität Göttingen und wurde bereits mit knapp 23 Jahren Forstreferendar im damaligen Forstamt Sieber im Harz. Seine wissenschaftlichen Begabungen und Interessen konnte Spellmann als Assistent am Lehrstuhl für Forsteinrichtung und Ertragskunde an der Georg-August-Universität unter Prof. Dr. Horst Kramer entwickeln und vervollständigen. Dort promovierte er 1984 zum Thema „Zustandserfassung in Kiefernbeständen mit Hilfe des Luftbildes“. Nach acht Jahren in der Wissenschaft zog es Hermann Spellmann wieder näher an die forstliche Praxis, zunächst als Leiter des Sachgebietes „Ertragskundliches Versuchswesen“ und ab Oktober 1991 als Leiter der Abteilung Waldwachstum der Niedersächsischen Forstlichen Versuchsanstalt. Im Januar 2003
übernahm er deren Leitung und im Februar 2006 wurde er erster Leiter der neugegründeten Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) der Länder Hessen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in Göttingen (seit 2011 auch Schleswig-Holstein). 2004 wurde Hermann Spellmann zum Honorarprofessor bestellt.

Fachlich kompetent, begabt mit Visionen und Augenmaß, mitreißendem Schwung und  Überzeugungskraft, ist Hermann Spellmann eine herausragende Persönlichkeit der deutschen Forstwirtschaft und des internationalen, forstlichen Versuchswesens. Weiterhin wissenschaftlich zu arbeiten, aber auch den Kontakt zur Praxis zu wahren, sind ihm Herzensanliegen und gewährleisten eine praxisorientierte Forschung bzw. einen hohen Grad an Umsetzung von Forschungsergebnissen in der Praxis. Hermann Spellmann besitzt eine besondere analytische Begabung, zukünftige Entwicklungen und Herausforderungen in der Forstwirtschaft und in angrenzenden Fachbereichen frühzeitig zu
erkennen. Es ist ihm ein Anliegen, die Forschung der NW-FVA nicht nur als Auftragsforschung der Trägerländer zu begreifen, sondern die Forschung vorausschauend zu gestalten. Ihn treibt die Neugier auf Ergebnisse, auf neue Methoden, die Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten, die Zusammenarbeit mit jungen Nachwuchswissenschaftlern etc. Daneben wurde er in zahlreiche Beiräte und Fachgremien berufen, zuletzt als Mitglied und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates für Waldpolitik des BMEL. Außerdem ist er Vizepräsident des Deutschen Verbandes Forstlicher Versuchsanstalten.

Das forstliche Versuchswesen wurde in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, eng verzahnt mit der raschen Entwicklung der universitären Forstwissenschaften, aufgebaut und etabliert. Diese Entwicklung ist eng verbunden mit dem Namensgeber der Medaille: Landforstmeister Dr. Bernhard Engelbert Joseph  Danckelmann (1831-1901), einem deutschen Forstbeamten und Forstwissenschaftler. Danckelmann gründete die Preußische Forstliche Versuchsanstalt in Eberswalde und war ihr langjähriger Leiter. Außerdem war Danckelmann 1899 Gründungsvorsitzender des Deutschen Forstvereins. Auch eine der weltweit ältesten internationalen Forschungsnetzwerke, die International Union of Forest Research Organizations (IUFRO) geht auf die Initiative Danckelmanns zurück. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt und ihr Direktor Prof. Dr. Spellmann sehen sich in der u. a von Danckelmann begründeten Tradition des Versuchswesens, das als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis wichtige Aufgaben zur Pflege, Erhaltung und Bewirtschaftung langlebiger Wälder erfüllt.