Deutscher Forstverein e.V.

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FV NRW: Muss sich im Wald in NRW eigentlich etwas ändern?

Forstverein NRW diskutiert  Auswirkungen der Biodiversitätsstrategie und der Stilllegung von Waldflächen

Für die Diskussion der Auswirkungen der NRW-Biodiversitätsstrategie und der Stilllegung von Waldflächen auf andere wichtige Waldfunktionen hatte der Forstverein für Nordrhein-Westfalen am 17. September zu einer Fachtagung in Schwerte eingeladen. Das neue Landesnaturschutzgesetz wirft bereits seine Schatten voraus, die für die Forstwirtschaft und ihren Marktpartner Holzwirtschaft nicht unbedingt Gutes verheißen.

Der Forstverein hatte vier Referenten gewinnen können, um die unterschiedlichen Standpunkte zu diesem aktuellen Thema fachlich und sachlich zu erörtern.

Für Nordrhein-Westfalen steht der Schutz von Buchenwäldern vorn!

Erster Referent war Hubertus Kaiser, Leiter der Landesforstverwaltung Nordrhein- Westfalen. Nach seinen Worten sieht sich das Land im Wald besonders bei Erhalt und Förderung der natürlichen Vielfalt (Biodiversität) von Buchenwäldern in der Verantwortung. Die Rotbuche sei nur in Europa beheimatet und habe im Länderdreieck NRW-Niedersachsen- Hessen eines ihrer bedeutendsten Vorkommen. Dieses gilt es in der Ausdehnung und Vielfalt zu sichern.

 Dazu habe das Land u.a. großflächig alte Buchenwälder im landeseigenen Wald aus der Nutzung genommen und stillgelegt.  Die knapp 8 000 ha entsprechen 0,85 % der Waldfläche des Landes, aber gut 5 % der Buchenwälder in Nordrhein- Westfalen.

Zur Biodiversitätsstrategie NRW betonte Kaiser, dass die Aussagen und Anforderungen nur den Landeswald betreffen und für den Privat- und Kommunalwald keine Verpflichtung beinhalten. Im Zusammenhang mit dem neuen Landes-Naturschutzgesetz wies er daraufhin, dass die Douglasie nicht mehr als invasiv eingestuft wird, das Land also nicht der Auffassung des Bundesamtes für Naturschutz folge. Die breite fachliche Kritik der forstwissenschaftlichen Institute habe hier gewirkt!

Zur Frage der Zertifizierung betonte er, dass das Land keinem Zertifikat den Vorzug gebe. Warum in der Biodiversitätsstrategie die Zertifizierung nach FSC für möglichst viele Waldflächen ausdrücklich befürwortet wird, ließ er aber unbeantwortet.

Weniger Fichtenwälder bedeuten geringeres Einkommen aus dem Wald

Eine andere Bewertung der Forstwirtschaft mit Buche sah Eberhard Frhr. von Wrede, Waldbesitzer im Sauerland und Mitglied des Vorstandes des Waldbauernverbandes NRW. Anhand langjähriger Vergleiche zwischen Privatforstbetrieben, die überwiegend entweder mit der Fichte oder der Buche wirtschaften, konnte er zeigen, wie bedeutend die Fichte für den Betriebserfolg ist.

 Zwei Ursachen geben dafür den Ausschlag: der gegenüber Buche erheblich höhere Holzzuwachs der Fichte sowie die besseren Durchschnittserlöse für das Fichtenolz, da bei der Fichte weit mehr Stammholz anfällt. Beides ist der Allgemeinheit so nicht bewusst. Die Möglichkeit, Fichte zu nutzen, wird damit entscheidend für die Erträge in vielen  Forstbetrieben. Das gilt auch für Staats- und Gemeindewälder!

 Am Beispiel einer Senkung des Fichten-Anteils um 10 % zeigte er auf, dass dies langfristig zu  Einkommensverlusten führt, die prozentual weit höher ausfallen. Seine Ausführungen machten aber auch deutlich, dass das Modell Fichte 100 %  keine vernünftige Alternative darstelle, da es wichtige forstliche Kriterien wie Standort, Risiko, Marktrisiken Klimawandel u.a. vollkommen ausblende. Deshalb hat auch die Buche ihren Platz im Privatwald, - wie im Betrieb von Frhr. von Wrede – und das  nicht nur aus Liebhaberei.

Sinkt das  Rohstoffangebot, schwinden auch Arbeitsplätze

Wie ein von Nadel- hin zu Laubholz verändertes Rohstoffangebot von der Holzwirtschaft gesehen wird, dazu bezog Lars Schmidt Position. Er ist Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Säge- und Holzindustrie. Die Holzverwendung der inländischen Säge- und  Holzindustrie werde ganz überwiegend vom Nadelholz bestimmt. Hierauf seien Nachfrage und Verarbeitung ausgerichtet. Ein Ersatz des Rohstoffes Nadelholz durch Laubholz sei nur sehr begrenzt möglich. Dem Laubholz fehlen schlicht wichtige Eigenschaften, die eine Massenproduktion begünstigen.

 Ein spürbarer Rückgang des Nadelholzangebots würde daher den Bestand von Be- und Verarbeitungsbetrieben in Frage stellen, denn diese sind auf eine ausreichende regionale Versorgung angewiesen. Die Konsequenzen für das Arbeitsplatzangebot besonders im ländlichen Raum wären entsprechend. Vergleichbare Folgen seien auch zu erwarten, wenn durch ausgedehnte Stilllegungen von Wäldern das Rohstoffangebot insgesamt spürbar sinken würde, also auch Laubholz nicht ausreichend zur Verfügung stünde.

Nachdem neueste Erhebungen darauf hinweisen, dass auf 5 % der Waldflächen bereits keine Nutzung mehr stattfinde, fordert er für das weitere Vorgehen  eine Beschränkung auf das sachlich unbedingt erforderliche Maß. Die Beachtung der Ressourceneffizienz hält Schmidt spätestens jetzt für geboten. 

Die natürliche Vielfalt im Wald profitiert von der Nutzung

Liefert die Waldökologie triftige Gründe, die für die Einstellung der Nutzung in Wäldern sprechen? Prof. Dr. Christian Ammer, Ordinarius für Waldbau und Waldökologie an der Universität Göttingen, befasste sich dazu mit vier Begründungen, die von Seiten des Naturschutzes immer wieder hervorgehoben werden.

1. Die Stilllegung von Wäldern wirkt sich auf die CO2- Bilanz positiv aus.

Hierzu wies Ammer nach, dass die Nutzung des Waldes der Stilllegung in der Bilanz klar überlegen ist. Zwar speichern auch ungenutzte Wälder bis zu einem Grenzwert CO2, aber mit der Holznutzung ist die Einsparung fossilen CO2s verbunden, die sich fortlaufend addiere. Die  Überlegenheit trete also schon nach wenigen Jahren ein und wachse fortlaufend.

2.  Unbewirtschaftete Wälder sind gegen Klimaextreme widerstandsfähiger und erholen sich schneller.

Eingehende Untersuchungen zeigen, dass das nicht so ist. Der bewirtschaftete Wald ist weniger empfindlich und erholt sich schneller, denn waldbauliche Maßnahmen zielen darauf ab, die Bedingungen für Bäume und Wald zu fördern.

3.  In ungenutzten Wäldern entwickelt sich eine größere Biodiversität.

Bislang nicht veröffentlichte Ergebnisse einer groß angelegten Untersuchung im Hainich (Thüringen) zeigen für viele Bereiche die höchste Artenvielfalt in bewirtschafteten Wäldern. Dieses Resultat hat in seiner Eindeutigkeit auch Ammer überrascht. Die Erklärung ist auch hier in der günstigen Wirkung waldbaulicher Eingriffe zu suchen. Nur ausgesprochene Spezialisten sind auf Alt- und Totholz angewiesen. Es bleibe die Frage: Ob mit dem Schutz der Alt- und Totholzspezialisten die umfangreiche Stilllegungen begründet werden könnten und ob nicht der Schutz der sogenannten Hot Spots dafür ausreichen würde?

4. Nicht bewirtschaftete Wälder werden als Referenzflächen für die Erforschung der Waldentwicklung benötigt.

Das treffe zu, begründe aber weder 5 noch 10 % Flächenstilllegung, so der Redner.

Daraufhin wurde der Vertreter des Ministeriums von einem Tagungsteilnehmer gefragt, wie es das Land bei der Umsetzung der Biodiversitätsstrategie mit einer angemessenen Ressourceneffizienz halte. Die Antwort: bei der Ausscheidung von Buchenwäldern blieben die leistungsstärksten Bestände außen vor. Das erlaube den Schluss, dass NRW hier noch Schulaufgaben vor sich hat. Dazu äußerte ein Teilnehmer die Befürchtung, dass dieser Gesichtspunkt von der Politik anders gesehen werde. Er argwöhnte, dass auch hier das Gesetz die Sozialpflichtigkeit des Eigentums privater und kommunaler Waldbesitzer bis an die Grenzen strapazieren werde.

Fazit

Die Waldbesitzer bleiben also politisch gefordert. Denn nach den Ausführungen von Prof. Ammer stellt sich die Frage: Muss sich wirklich viel ändern in den Wäldern Nordrhein- Westfalens?

Dr. Josef Stratmann

(aus Holzzentralblatt Nr.41/2015 mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

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