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Wald und Gesundheit: "Borreliose - Die unterschätzte Gefahr"

Borreliose

Die Borreliose, die häufigste menschliche Infektionskrankheit in Europa und den USA, wird durch Vektoren wie Zecken und Stechinsekten übertragen. In Deutschland wurden laut Erhebungen der Techniker Krankenkasse im Jahr 2008 fast 1 Million Neuinfektionen verzeichnet, und diese Zahl zeigt eine steigende Tendenz, wobei die Dunkelziffer als sehr hoch gilt.
Besonders in Laub- und Mischwäldern ist die Gefahr präsent, denn pro Quadratmeter sind über 4 Zecken zu finden, wovon mindestens jede vierte Borrelien übertragen kann. Auch verschiedene Stechinsekten spielen eine Rolle als Überträger.
Eine Studie, die im Jahr 2000 mit Förstern und Waldarbeitern aus Berlin und Brandenburg durchgeführt wurde, ergab eine Besorgnis erregende Borreliose-Infektionsquote von 29%. Überraschenderweise hatten jedoch nur 10% der Infizierten Kenntnis von ihrer Infektion und erhielten eine entsprechende Behandlung.
Die Diagnose wird häufig fehlerhaft gestellt, was dazu führt, dass eine angemessene Therapie versäumt wird. Dies wiederum kann zu einer Verschleppung der Borrelien-Infektion führen, und die Betroffenen beschreiten einen lebenslangen Leidensweg. Selbst nach einer antibiotischen Behandlung leiden 10-20% der Patienten weiterhin unter Krankheitssymptomen, die bis zur Erwerbsunfähigkeit führen können. Schwere und chronische Krankheitsverläufe sind keine Seltenheit, mit erheblichen und dauerhaften Schäden an Nervensystem, Herz und Gelenken nach einer Borrelieninfektion, die auch als Lyme-Borreliose bekannt ist.

Die Berufskrankheit naturnaher Berufe

In den Jahren 2018-2022 entfielen über 50% aller gemeldeten Verdachtsfälle von Berufskrankheiten im Zusammenhang mit Zoonosen (von Tieren auf Menschen übertragbare Erkrankungen) auf die Lyme-Borreliose (BK Nr. 3102). Insbesondere wenn berufsbedingte Aktivitäten in der Natur an fünf Tagen in der Woche stattfinden und eine Infektion während Freizeitaktivitäten mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann, besteht die Annahme, dass die Infektion während der beruflichen Tätigkeit eingetreten ist.
Für Förster, Forstarbeiter, Holzrücker, Berufsjäger, landwirtschaftliche Unternehmer mit Bodenbewirtschaftung, Wanderschäfer sowie Mitarbeiter im Gartenbau geht die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft (LBG) grundsätzlich davon aus, dass die Infektion während der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit erfolgt ist. Die LBG empfiehlt das Führen eines Verbandsbuchs, in dem jeder Zeckenstich dokumentiert wird. Ein positiver serologischer Bluttest und Borreliose-typische Symptome dienen als Nachweis für eine Borrelien-Infektion. Es wird dringend empfohlen, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen und diesen gegebenenfalls zu bitten, den Verdacht auf eine Berufskrankheit bei der LBG (Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft / Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau - SVLFG) zu melden. Sowohl Unternehmer als auch Beschäftigte haben die Möglichkeit, einen Verdacht direkt an die LBG zu melden.

Der Krankheitsverlauf

Die Borreliose entwickelt sich in drei Stadien.

Stadium 1

Die lokale Infektion wird durch den Stich von Zecken oder Stechinsekten ausgelöst. Sie wird oft übersehen, da nur in 40% der Fälle die typische „Wanderröte“ an der Einstichstelle, das „Erythema migrans“, sichtbar wird. Gelegentlich tritt eine Hautverquellung („Lymphozytom“) und eine kurze grippeähnliche Symptomatik auf.

Stadium 2

Über die Blutbahn und das Lymphsystem breiten sich die Bakterien im gesamten Körper aus („systemische Dissemination“). Dies geschieht schleichend über mehrere Monate bis wenige Jahre hinweg. Wenn die Erregerlast ausreichend angewachsen ist und das Immunsystem in seinem Abwehrkampf gegen die Borrelien erschöpft ist, treten Symptome auf. Je nach betroffenem Organ oder System können verschiedene Symptome auftreten, darunter:

  • Fatigue (Erschöpfung, Krankheitsgefühl)
  • Muskelskelett-Beschwerden (u.a. Gelenkentzündungen: „Borrelien-Arthritis“ in 40% der Fälle, rheumatische oder fibromyalgische Schmerzen)
  • Magen-Darm-Beschwerden (in 70% der Fälle, IBS „Irritable Bowel Syndrome“, „Leaky Gut Syndrome“, Malresorptionssyndrom, Dysbiose etc.)
  • Neurologische Symptome in Gehirn und Nerven („Neuro-Borreliose“, in ca. 20% der Fälle, u.a. Nervenentzündungen, neurologische Ausfälle, Lähmungen, Polyneuropathie, cranielle Neuropathie, Neuroradiculitiden und ZNS-Erkrankungen), sowie neuro-psychiatrische Erkrankungen (Depression, Panikstörung usw.)
  • Gefäßerkrankungen („Borrelien-induzierte Vasculitis“)
  • Herzerkrankung („Borrelien-Karditis“, gestörte Erregungsüberleitung, Myokarditis, Perikarditis)

Die Symptome können je nach Befallsmuster variieren und auch in Kombination auftreten. In diesem Stadium bilden Borrelien-Bakterien neben ihrer aktiven Spirochäten-Form verschiedene resistente „Persister“-Formen aus (Biofilme, Round Bodies, Blebs), die im Gewebe ruhen und sich selbst monatelangen Mehrfach-Antibiosen widersetzen können. Borrelien, die sich mit dieser passiven intrazellulären Persister-Form verstecken, gehen nach Wochen bis wenigen Monaten zu einem erneuten Wachstumsschub über, um sich in ihrer aktivierten Spirochäten-Form wieder zu vermehren und verursachen so ständig wiederkehrende Rezidive.

Stadium 3

Neben den bereits bestehenden Symptomen kann es zu Autoimmunerkrankungen, unter anderem der Schilddrüse („Hashimoto-Thyreoiditis“), sowie überschießenden Immunreaktionen und Fehlregulationen kommen. Meist sind jetzt die Funktionen des Magen-Darm-Traktes, des Nervensystems und der Mitochondrien („sekundäre Mitochondriopathie“ mit Erschöpfungsgefühl) beeinträchtigt. Eine spezifische Hauterkrankung mit pergamentartigen Veränderungen, die ACA „Acrodermatitis chronica atrophicans“, kann häufig beobachtet werden. Ausgeprägtes Krankheitsgefühl, Schwäche und Organstörungen sind nun permanent vorhanden, es kann zu Lähmungen, Krampfanfällen, Herzinsuffizienz und anderen lebensbedrohlichen Symptomen kommen.
Der Befall von Nervenzellen (Neuroborreliose) stellt eine schwere Krankheit dar und tritt in über 15% aller Borreliose-Patienten auf. Die Symptome entwickeln sich meist langsam über Monate hinweg, manchmal erst 10 Jahre nach einem Zecken- oder Insektenstich im Rahmen einer generalisierten Multiorgan-Infektion durch Borrelien. Die Ausfälle oder Funktionsstörungen können dabei sowohl auf einer Entzündung der peripheren Nerven, der Hirnnerven als auch des Gehirns (Enzephalitis) basieren.
Am häufigsten ist der Befall peripherer Nerven, die Polyneuropathie (PNP). Dabei können Störungen der sensiblen Nerven mit Symptomen wie Schmerzen, Kribbeln, Missempfindungen, Taubheitsgefühlen, „Burning Feet“, Schmerzen im Zahnbereich, Trigeminusneuralgie, Karpaltunnel-Syndrom, Ulnaris-Syndrom, Rückenschmerzen und Störungen der Temperaturwahrnehmung bestehen. Oft findet sich die Polyneuropathie an den unteren Extremitäten, also an Beinen und Füßen. Diagnosen wie Neuritis, Neuroradiculitis und Plexopathie gehören auch zu diesem Symptomenkomplex.

Motorische Nerven sind in vielen Fällen ebenfalls betroffen; dann kommt es zu verminderten Reflexen, Tremor, Schwäche, Gangunsicherheit, Lähmungen und Muskelschwund. Das vegetative Nervensystem, das Verdauung, Blasenentleerung, Erektion, Herzrhythmus, Blutdruck und den Kreislauf reguliert, zeigt ebenfalls Störungen. Schwindel, Kollapsneigung und Schweißausbrüche sind zudem möglich.
Bei Hirnnervenbefall kann es zu einer Einschränkung der Augenmuskelbewegungen mit Doppelbildern, Sehnerv-Entzündung, Retinitis, Erblindung, Tinnitus, Schwerhörigkeit, Taubheit, Schwindel, Schluckstörungen und anderem kommen.
Der Befall des Gehirns, die Meningoenzephalitis oder Enzephalomyelitis, mit nachfolgender Encephalopathie führt zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, mentalen und kognitiven Hirnleistungsstörungen, wie Gedächtnisverlust, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, „brain fog“, Wortfindungsstörungen, Wortverdrehungen beim Sprechen, Buchstabenverdrehungen beim Schreiben, verminderter Stresstoleranz, Schlafstörung, sogar bis zu epileptischen Krampfanfällen und kann erhebliche Behinderungen verursachen. Diese Enzephalopathie wird bei 90% der Patienten mit chronischer Neuroborreliose festgestellt.
Da Borrelien vielfache Gefäßentzündungen verursachen, können sie im Rahmen einer cerebrovasculären Erkrankung des Gehirns zu einer Halbseitensymptomatik oder Schlaganfällen führen.
Die neuroinvasiven Erreger können auch neuropsychiatrische Erkrankungen wie Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Reizbarkeit, emotionale Labilität, räumliche Desorientierung, Angst- und Zwangsstörungen, Psychosen, Schizophrenie und sogar Autismus auslösen und unterhalten. Die bei chronischer Neuroborreliose aktivierten Zytokine des Immunsystems fördern dabei ein ängstliches und depressives Verhalten, reizen Abwehrzellen und Nervengewebe und können neurodegenerative und autoimmune Prozesse, sowie Fehlregulationen im Hormonsystem auslösen. So spielt die Neuroborreliose bei Erkrankungen wie M. Alzheimer, Demenz, M. Parkinson, MS Multiple Sklerose, ALS Amyotrophe Lateralsklerose, Hashimoto-Thyreoiditis und Nebennieren-Entgleisungen mit Störungen der Hormone Cortisol, DHEA, Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin eine ursächliche Rolle.

Die Diagnostik

Zusätzlich zu den offensichtlichen Symptomen helfen Bluttests, die Erkrankung zu erkennen:

Stadium 1

Zwei bis sechs Wochen nach der Erstinfektion kann eine serologische Diagnostik des Blutes (Borrelien ELISA IgM, IgG und Borrelien Westernblot IgM, IgG) die Erkrankung nachweisen.

Stadium 2 und 3

Was viele nicht wissen: Bereits einige Monate nach der Infektion versagen die üblichen serologischen Bluttests, die noch in Stadium 1 nützlich waren. Denn ab diesem Zeitpunkt sind über 50% der Patienten nicht mehr in der Lage, eine zelluläre oder Antikörper-vermittelte Immunantwort gegen Borrelien auszubilden. Ein negativer serologischer Befund schließt also eine Lyme-Borreliose nicht aus.
Das Immunsystem reagiert jedoch nun auf die aktiven Borrelien mit einer Sensibilisierung der T-Zellen, die mit Hilfe spezieller Bluttests, dem Borrelien-LTT („Lymphozyten-Transformations-Test“) oder dem Borrelien-Elispot, gemessen werden kann. Einer dieser zwei spezifischen Labortests, in Verbindung mit einem weiteren Bluttest, dem CD 57+ NK-Zellen Test, welcher die natürlichen Killerzellen gegen Borrelien misst, sind nun notwendig, um eine verlässliche Diagnostik zu ermöglichen. Labore wie das IMD Berlin, SYNLAB Ettlingen oder Arminlabs Augsburg führen diese Tests durch. Jeder Arzt kann sich die hierfür benötigten Blutröhrchen und Laboranforderungsscheine bei diesen Labors kostenfrei bestellen. Der Blutprobentransport ins Labor ist ebenfalls kostenfrei. Private Krankenversicherungen übernehmen meist die Kosten für die Blutanalysen, die gesetzlichen Krankenversicherungen nicht – hier muss der Patient selbst die Kosten (ca. 200 EUR) tragen.

Zur zusätzlichen Beurteilung der aktuellen Entzündungstätigkeit empfehlen sich weitere Labortests wie großes Blutbild, Elektrophorese, BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit) und CRP (C-reaktives Protein). Alle Kassen übernehmen diese Kosten.
Wer seinen Zustand genauer wissen möchte: Zum Nachweis antibiotikaresistenter Borreliose – „Persister-Formen“ kann man zusätzlich den spezifischen „Tickplex Basic“-Test (103 EUR) durchführen lassen. Da eine Borrelien-Infektion in der Regel eine Mischinfektion ist - das heißt, mit den Borrelien werden gleichzeitig weitere Erreger wie Ehrlichien, Mykoplasmen, Bartonellen, Rickettsien usw. übertragen -, kann ein „Tickplex Plus“-Test Auskunft über häufige Co-Infektionen geben (496 EUR). Beide Tickplex-Tests gibt es zum Beispiel bei Arminlabs, Augsburg. (Private Krankenversicherungen übernehmen häufig die Kosten, gesetzliche Krankenversicherungen nicht.)

Die Methodik zum Nachweis einer Borrelien-Infektion in Geweben oder Körperflüssigkeiten (Histologie, PCR) ist bislang noch nicht ausgereift. Eine Liquoruntersuchung bleibt trotz Infektion meist unauffällig.

Borreliose - eine Mischinfektion

Die Borreliose ist üblicherweise eine Mischinfektion. Dies bedeutet, dass mit dem Zecken- oder Insektenstich gleichzeitig weitere Erreger übertragen werden, die das Krankheitsbild komplizieren und die Therapie erschweren. Zusätzlich zu Borrelien können vor allem Ehrlichien, Chlamydien, Yersinien, Babesien, Rickettsien, Mykoplasmen, Bartonellen, Toxoplasmen sowie Viren wie das Epstein-Barr-Virus (EBV), das Humanes-Herpes-Virus 6 (HHV 6) und das Frühsommer-Meningo-Enzephalitis-Virus (FSME-Virus) auftreten. Insbesondere bei Patienten mit Immunsuppression, Erschöpfung, Stressbelastung oder als reaktivierte vorbestehende Infektion im Kontext einer Borrelien-Infektion können diese Erreger die Symptomatik verschärfen. Es ist also ratsam, diese Erreger bei komplexen Krankheitsbildern abzuklären.

Arzneipflanzen-Therapie

Einige Arzneipflanzen zeigen eine bemerkenswerte antibiotische Wirksamkeit, die in manchen Fällen sogar über jene chemischer Antibiotika hinausgeht. Insbesondere bei der Beseitigung von antibiotikaresistenten Persister-Formen und in resistenten Fällen erweisen sich diese Pflanzen als äußerst effektiv.
Interessanterweise zeigt sich, dass wild wachsende Arzneipflanzen weitaus wirksamer sind als genetisch veränderte Sorten, die in der modernen konventionellen Landwirtschaft zur Steigerung der Erträge bevorzugt angebaut werden. Die Wirksamkeit der "grünen Antibiotika" ist nur dann gewährleistet, wenn die ursprüngliche Zusammensetzung und das ausgewogene Zusammenspiel der Wirkstoffe unverändert und ungestört bleiben und die Arzneipflanzen als Ganzes oder in vollständigen Pflanzenteilen verwendet werden. Dies bedeutet, dass das natürliche Spektrum der Wirkstoffe in ihrer natürlichen Proportionierung erhalten bleibt, um mehrere Wirkmechanismen bereitzustellen, synergistische Effekte zu erzeugen und selbst gegen multiresistente Erreger wirksam zu sein.
In der traditionellen Medizin werden ganze Pflanzen oder Pflanzenmischungen statt isolierter Substanzen verwendet. Arzneimittel, die industriell hergestellt oder aus Pflanzen isoliert werden, haben Nachteile. Sie haben selten den gleichen Grad an Aktivität wie der unraffinierte Extrakt bei vergleichbaren Konzentrationen oder Dosen des Wirkstoffs. Dieses Phänomen wird auf das Fehlen von Wechselwirkungsstoffen im Extrakt zurückgeführt. Außerdem enthalten viele Pflanzen Substanzen, die die Multiresistenz (MDR) hemmen. Streng genommen bedeutet "Synergie" oder "Potenzierung", dass die Wirkung der Kombination größer ist als die Summe der Einzelwirkungen.

Als lebendige und komplexe Individuen mit hunderten von Wirkstoffen entfalten Arzneipflanzen ihre therapeutischen Effekte systemisch und interaktiv über mehrere Wirkebenen gleichzeitig. Entscheidend für die Wirkung ist die Verarbeitung der Pflanzen. Sofern eine Arzneipflanze Hitze oder anderen wirkstoffschädigenden Verfahren ausgesetzt wird, oder lediglich einzelne Isolate oder Extrakte aus den Pflanzen zur Therapie verwendet werden, bleibt die erhoffte synergistische Wirkung aus. Die vollständige Wirkstoffbreite und -höhe sind dabei unmittelbar abhängig von einem biologischen Anbau auf gesunden Böden und einer in sämtlichen weiteren Verfahrensprozessen sehr langsamen und schonenden Verarbeitung bei Temperaturen bis maximal 40°C zur Erhaltung der temperaturempfindlichen Pflanzeninhaltsstoffe (traditionelles Sansalva-Verfahren). Eine aktuelle Studie von 2023 an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften betont die Bedeutung dieser Faktoren für die Effektivität von Arzneipflanzen bei der Bekämpfung von Borrelien und anderen Erregern. Die Studie belegt, dass diese Pflanzenwirkstoffe ausschließlich in ihrer Gesamtheit wirken: Es „wurde gezeigt, dass nicht einzelne Fraktionen (...), sondern nur die Gesamtfraktion eine antibakterielle Wirkung (...) aufweist.“ Die ursprüngliche Sicherheit und Wirksamkeit der Arzneipflanzen, die seit Jahrtausenden in der Traditionellen Medizin beschrieben wird, kann nur durch ursprüngliche und natürliche Arzneipflanzen in ganzen Pflanzenteilen und mit den entsprechenden wirkstoffschonenden Verarbeitungsmethoden erhalten bleiben.

Auch bei der therapeutischen Anwendung sollten Arzneipflanzen niemals erhitzt oder als Tee zubereitet werden, da sonst die wichtigen temperaturempfindlichen Wirkstoffe zerstört werden.

Einjähriger Beifuß, Artemisia annua

Die Artemisia annua-Pflanze zeigt eine beeindruckende Wirksamkeit sowohl gegen die aktive Spirochäten-Form als auch gegen antibiotikaresistente Persister-Formen der Borrelien. Mit ihrem breit gefächerten Wirkstoffspektrum, bestehend aus etwa 600 verschiedenen biologischen Wirkstoffen, ist sie zudem in der Lage, jeglichen Versuchen der Resistenzbildung entgegenzuwirken. Während Erreger im Laufe der Zeit gegen Einzelwirkstoffe, beispielsweise bei der Anwendung von Pflanzenextrakten oder Pflanzenisolaten, resistent werden können, bleibt eine Resistenzbildung aufgrund der Vielzahl gleichzeitig wirkender Substanzen im getrockneten Ganzblatt der Arzneipflanze unmöglich. Diese Erkenntnis hat sich eindrucksvoll über Jahrhunderte hinweg in der Traditionellen Medizin bewährt und wurde auch durch moderne wissenschaftliche Studien bestätigt.
Die Pflanze wird nicht nur seit über 2000 Jahren in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gegen schwere Infektionen eingesetzt, sondern erhielt auch im Jahr 2015 den Nobelpreis für Medizin im Rahmen von Forschungsarbeiten gegen Malaria. In Deutschland wächst der Einjährige Beifuß wild entlang von Wasserläufen, wie beispielsweise an den Ufern der Elbe.

Die empfohlene Dosierung beträgt 2-4 g (5-10 Tabs) Einjähriger Beifuß, Artemisia annua täglich. Die Einnahme erfolgt am besten mit oder nach dem Essen. Pausen in der Anwendung sind weder sinnvoll noch notwendig. Die Therapie wird fortgeführt, bis die vollständige Ausheilung erreicht ist. In Stadium 2 und 3 sollte die Behandlung mit einer Tagesdosis von 1 Tablette begonnen und langsam aufdosiert werden.*

Flamasan

Die klassische traditionelle Rezeptur Flamasan ist von besonderer Bedeutung und sinnvoll in der Borreliose-Therapie. Die natürlichen Inhaltsstoffe der enthaltenen Arzneipflanzen (Salbei, Minze, Melisse, Brennnessel, Beifuß, Wermut, Schafgarbe, Benediktenkraut und Walnussblatt) wirken über verschiedene Mechanismen im Körper. Sie ergänzen und unterstützen sich in der Wirkung, puffern oder vermeiden überschießende Reaktionen und leiten zudem toxische Stoffe aus. Flamasan trägt zur Abtötung aktiver Borrelien und ihrer Persister-Formen bei, verbessert das Immunsystem und unterstützt die Reparatur von Gewebeschäden.
Eine finnische Untersuchung konnte zeigen, dass Flamasan bereits nach 24 Stunden eine eindeutige antimikrobielle Wirkung auf Borrelien mit nachgewiesenem Bakterientod hatte. Zudem wurde ein signifikanter Anstieg der T-zellulären Immunität durch Flamasan mittels LTT Leukozytentransformationstest festgestellt.

Zahlreiche Veröffentlichungen zu Tier- und in vitro-Versuchen bezüglich der in Flamasan enthaltenen Arzneipflanzen konnten eine deutliche antimikrobielle, antiinflammatorische, regulatorische und immunmodulatorische Wirkung belegen. Auch klinische Studien an Menschen zu den in Flamasan enthaltenen Arzneipflanzen bestätigen die positiven Ergebnisse sowie deren Unbedenklichkeit, auch in der Stillzeit.
Die empfohlene Dosierung beträgt 4-5 g (10-12 Tabs) Flamasan täglich. Die Einnahme erfolgt am besten mit oder nach dem Essen. Pausen in der Anwendung sind weder sinnvoll noch notwendig. Die Therapie wird fortgeführt, bis die vollständige Ausheilung erreicht ist. In Stadium 2 und 3 sollte die Behandlung mit einer Tagesdosis von 1 Tablette begonnen und langsam aufdosiert werden.*

Monotherapie oder Rezeptur?

Die ganzheitliche Wirkung einer traditionellen Rezeptur übertrifft bei Weitem die Effektivität einer Einzelpflanze in der Monotherapie. Die Arzneipflanzentherapie der Traditionellen Medizin, auch als 'Grüne Medizin' bekannt, arbeitet seit Jahrtausenden mit Rezepturen. Die Arzneikräuter innerhalb einer Rezeptur können sich jedoch erst dann zu einer wirksamen synergistischen Gesamteinheit verbinden, wenn die Rezeptur einer traditionellen Medizinsystematik (wie TCM, TEM, usw.) folgt und alle Ebenen des Menschen samt ihrer Vernetzungen präzise und ohne schädliche Nebenwirkungen berücksichtigt werden. Die profunde Kenntnis des Zusammenspiels unterschiedlicher Heilpflanzen und ihre exakte, ausbalancierte Gewichtung in einer Rezeptur gewährleisten eine präzise und sichere Wirkung. Somit unterscheidet sich eine Rezeptur fundamental von einer bloßen 'Kräutermischung'.

Aristoteles sagte bereits im 4. Jahrhundert v. Chr.: 'Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.' Dieses Prinzip spiegelt sich auch in der Wirkungsweise der Rezepturen der traditionellen Medizin wider.

* Wenn Borrelien sterben: Die Herxheimer-Reaktion                       

Bei der Behandlung der Borreliose kommt es sowohl bei einer chemischen als auch pflanzlichen Antibiose beim Abtöten der Bakterien zu einem Austritt von Borrelien-eigenen Giften (Neuro- und Endotoxinen). Je höher die individuelle Borrelienlast, d.h., die Menge an Borrelien im Körper ist, desto mehr Bakterientoxine können therapiebedingt freigesetzt werden und reizend wirken, was als Herxheimer-Reaktion bekannt ist. Falls mehr Toxine anfallen, als ausgeschieden werden können, treten Symptome auf, die sich wie eine Verschlimmerung der ursprünglichen Infektion anfühlen: Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Magen-Darm-Störungen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit.
Indem man die Dosierung der Therapeutika um eine Stufe reduziert und mehr trinkt, kommt es zum Nachlassen der Symptome. Deshalb ist eine einschleichende Aufdosierung auch der Arzneipflanzen-Tabs wichtig. Man beginnt bei jeder Therapie mit 1 Tab und steigert alle 3-4 Tage um ein weiteres Tab. Sobald eine Herxheimer-Reaktion auftritt, reduziert man die Tagesdosis auf die Dosierung, bei der noch keine Reizung aufgetreten war, und fährt mit dieser Dosierung fort.
Eine Herxheimer-Reaktion ist also keine Nebenwirkung oder Verschlechterung der Erkrankung, sondern zeigt vielmehr an, dass effektiv Borrelien abgetötet werden! Bei einer Allergie gegen Arzneipflanzen, die sehr selten vorkommen kann, ist die Beschwerdesymptomatik nicht von der Dosierung abhängig. Eine Allergie kann durch die Bestimmung des IgE im Blut nachgewiesen werden

Drei riskante Mythen

1. „Eine Borrelien-Infektion wird erst 24 Stunden nach dem Zecken- oder Insektenstich übertragen.“

Diese Behauptung ist falsch und stützt sich nur auf tierexperimentelle Studien. Tatsächlich werden Borrelien beim Menschen bereits kurz nach dem Stich, innerhalb der ersten 6 Stunden übertragen.123-125

2. „Bei chronischen Entzündungen, wie z.B. bei Gelenk- oder Weichteilrheuma und Nervenentzündungen, ist die Immunsuppression die einzig richtige Therapie.“

Da die Beschwerden sehr ähnlich sind, darf eine korrekte und vollständige Diagnostik auf das Vorliegen einer Borrelien-Infektion nicht versäumt werden. Wenn Borrelien die Ursache des Entzündungsgeschehens und der Symptome sind, so ziehen immunsuppressive Medikamente wie Cortison, Methotrexat, Azathioprin etc. der eigenen Immunabwehr im Kampf gegen die Erreger den letzten Stecker. Die Entzündungsreaktionen des Körpers werden zwar künstlich abgesenkt, aber die Infektion kann nunmehr ungehemmt fortschreiten.

3. „Arzneipflanzen sind unsicher und können problematische Reaktionen erzeugen.“

Arzneipflanzen sind die sichersten Therapeutika. Mehrere Milliarden Menschen nutzen aktuell diese Form der Therapie. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete, dass im Jahre 2021 etwa 80 % der Weltpopulation die Pflanzenheilkunde für Bereiche der grundlegenden medizinischen Versorgung einsetzte. Retrospektive und systematische Überprüfungen in der Europäischen Union und in Südamerika haben 2020 ergeben, dass schwerwiegende unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der Verwendung pflanzlicher Arzneimittel selten waren.

Zusammenfassung

Die konventionelle Antibiotikatherapie hat sich allein in den meisten Fällen als nicht ausreichend wirksam bei der Behandlung der Borreliose erwiesen.

Die Kombination von chemischer Antibiose und Arzneipflanzentherapie zeigt im klinischen Alltag besonders gute und vor allem nachhaltige Therapieerfolge. Eine chemische Antibiose sollte individuell angepasst über mehrere Monate durchgeführt werden und kann gegebenenfalls in wiederholten Zyklen angewendet werden. Parallel dazu erfolgt die Arzneipflanzentherapie, die über Jahre hinweg fortgesetzt werden sollte. Bewährte Arzneipflanzen sind vor allem der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) in Kombination mit Benediktenkraut, Beifuß, Wermut, Salbei, Minze, Melisse, Brennnessel, Schafgarbe und Walnußblatt (z.B. in der traditionellen Rezeptur Flamasan). Für die Wirksamkeit von Arzneipflanzen ist die Verwendung ganzer Pflanzenteile entscheidend, um das gesamte Wirkstoffspektrum zu nutzen, und eine schonende Verarbeitung (traditionelles Sansalva-Verfahren). Die Dosierung sowohl von chemischen Antibiotika als auch von Arzneipflanzen sollte behutsam und schrittweise anhand der klinischen Symptome erfolgen, um eine Herxheimer-Reaktion zu minimieren oder zu verhindern. Erfahrungsgemäß ist nach einer Behandlungsdauer von mindestens 2-3 Jahren eine Genesung möglich.
Die Prophylaxe für naturnahe Berufe mit imprägnierter Kleidung ist unzureichend. Auch in Freizeit und Stadt besteht Infektionsrisiko. Herkömmliche Sprays bieten begrenzten Schutz. Eine vorbeugende Tagesdosis von 1,2 g des Einjährigen Beifuß erzeugt einen Wirkstoffspiegel im Blut, welcher bei einem Stich vor der Verbreitung der Erreger schützen kann.
Abschließend sei betont, dass die ganzheitliche Herangehensweise, bestehend aus einer individuell angepassten chemischen Antibiose und einer fortgesetzten Arzneipflanzentherapie, erfolgversprechend ist. Für Förster und andere, die beruflich mit erhöhtem Zeckenrisiko konfrontiert sind, bietet diese integrative Therapie nicht nur Heilungschancen, sondern auch eine nachhaltige Prophylaxe gegen die Herausforderung Borreliose.

Mehr Informationen unter www.amarys.de/borreliose-die-unterschaetzte-gefahr/.

Dr. Lydia Reutter, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Schwerpunkt Phytotherapie, leitende Ärztin bei Amarys, Kompetenzzentrum für Arzneipflanzen, Ulm.


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