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Reise des Forstverein MV nach Nordportugal im Herbst 2023

Unsere Reise mit dem Forstverein MV führte uns vom 28. Oktober bis zum 5. November 2023 nach Portugal. Nach einem stürmischen Flug empfing uns die Hafenstadt Porto bei bestem Wetter. Den Douro entlang blies noch ein kräftiger Wind vom Atlantik unter der historischen Eisenbrücke Ponte Luis I hindurch. Eine quirlige Menschenmasse schob sich durch die bunten Häuser am Hafen. Rauch stieg auf von den Esskastanienräuchereien. Und wir bekamen einen ersten Eindruck von der Gastfreundschaft und Lebendigkeit dieses Landes. Der Bus brachte uns am Abend nach Amarante direkt bis vor die Tür einer prächtigen Stadtvilla, dem casa de cultura e juventude Amarante (CJ), einer privat geführten Jugendherberge. Wir wurden mit einem köstlichen vegetarischen Abendbrot empfangen. Das CJ will seinen überwiegend jungen Gästen vermitteln, nachhaltig und umweltbewusst zu leben. Dazu gehört der bewusste Verzicht auf Fleisch. Wer damit nicht zurecht kam, konnte in einer der vielen Tavernen der Stadt wunderbaren Schinken oder auch Exquisites wie Oktopus zu sich nehmen. Die Woche in Amarante war von sehr wechselhaftem Wetter geprägt, nachts gab es wiederholt Starkregen. Der Rio Tamega, ein Nebenfluss des Douro, führte ständig Hochwasser, sodass wir nie über die eigentlich aus den Fluss ragenden Steine zum anderen Ufer laufen konnten. Dafür nutzten wir die alte steinerne Brücke, die nicht nur die Pilger Richtung Santiago de Compostela durch Amarante führt(e) und dadurch zum Aufschwung der Stadt beitrug.

Am Folgetag erkundeten wir zusammen mit Miguel Pinto die malerische Altstadt von Amarante bei einem Stadtrundgang. Miguel ist studierter Förster, der seine Forstkarriere aufgab und sich gänzlich der Jugend- und Sozialarbeit widmet. Seit 1993 leitet er das Jugendhaus in Amarante. Für uns nahm er sich fast die gesamte Woche Zeit und begleitete uns am Nachmittag des 2. Tages zu einem spektakulären Aussichtspunkt oberhalb des Dourotals und in das Weingut Quinta de Pecheca, wo wir in die Geheimnisse und die Geschichte des Portweins eingeführt wurden.

Am Montag widmeten wir uns gänzlich forstlichen Themen. Wir besuchten die Forstliche Genbank CENASEF, den Forstbotanischen Garten und die Forstbaumschule in Amarante. Die Baumschule ist spezialisiert auf die Bereitstellung einer standortgerechten Bepflanzung. Nachmittags besichtigten wir eine Forellenzucht im Eigentum der Forstverwaltung am Rio Marao und hatten Gelegenheit, eine Forstbrigade samt Einsatzfahrzeug kennenzulernen. Die 5 Forstarbeiter sind zuständig für 2500 ha und haben im Sommer nur eine Aufgabe: Feuerbekämpfung bzw. –prävention. 98 % der Feuer in Portugal sind vom Menschen verursacht. 2017 verbrannten 10 % der Wälder Portugals. Große Bestände des nicht heimischen Eukalyptus wirken als Brandbeschleuniger. Es gibt ca 200 Forstbrigaden mit etwa 1000 Mitarbeitern in ganz Portugal, die Finanzierung teilen sich die Gemeinden und das Land.

Portugals Wälder befinden sich überwiegend in privater Hand. Lediglich 3% sind Landes- bzw. Kommunalwald, u. a in Schutzgebieten (Nationalpark, steile und schützenswerte Flächen). Die Waldbesitzer investieren bevorzugt in schnellwachsende Baumarten, die kurzfristig hohe Einnahmen versprechen, allen voran Eukalyptus. Der laugt jedoch den Boden aus und ist brandgefährlich aufgrund der ätherischen Öle in allen Pflanzenteilen. Die heimische Seekiefer (Pinus pinaster) hatte ursprünglich einen Anteil von 40 % im Wald, durch die massiven Anbau von Eukalyptus und Waldbrände wurde sie deutlich reduziert.

In den Folgetagen unternahmen wir einen Ausflug in den einzigen portugiesischen Nationalpark Peneda-Geres an der nördlichen Grenze zu Spanien und nach Guimaraes, eine der ältesten Städte des Landes. Der mittelalterliche Stadtkern gehört zum UNESCO-Welterbe.

Im Papierwerk DS Smith in Viana do Castelo erfuhren wir von den Bemühungen des Centro Pinus, den Anbau der heimischen Seekiefer zu forcieren und besichtigten einen besonders wüchsigen Saatgutbestand nahe der spanischen Grenze. Centro PINUS ist ein Zusammenschluss von Waldbesitzern, Forschungseinrichtungen, Banken und öffentlichen Diensten wie die staatliche Landesforstverwaltung, CENASEF und Berufsschulen. Die Papiermühle DS Smith produziert in einem nahezu geschlossenen Kreislauf. Verpackungen aus Holz und Altpapier überwiegend aus Kiefer, zum kleinen Teil aus Eukalyptus. Die überschüssige Energie wird ebenfalls vermarktet. Ein abschießender kurzer Strandgang am Atlantik fiel leider ins Wasser, da wir von einem Platzregen überrascht wurden.

Der Besuch einer Esskastanienplantage bei Carrazedo de Montenegro veranschaulichte die Abhängigkeit der ländlichen Bevölkerung vom Wetter und den Ernteerträgen. Zudem war es erstaunlich zu sehen, wieviel Handarbeit hier noch stattfindet: Jede Familie sammelt unter ihren eigenen Bäumen. Die Vermarktung erfolgt dann gemeinsam über eine Genossenschaft. Im beschaulichen Dorf Rumeo kehrten wir in einem rustikalen Gasthof mit traditioneller Küche ein. Auf dem Weg dorthin wanderten wir durch Oliven- und Korkeichenhaine. Später erfuhren wir viel Interessantes über den Anbau und die Verarbeitung. Der reichste Mann Portugals verdankt seine Einnahmen dem Kork. Wir durften in den Räumen einer Olivenpresse vom frischen Olivenöl naschen.

Am letzten Tag vor der Abreise spazierte eine kleine Gruppe durch die Weinberge oberhalb von Amarante. Bei zeitweise sonnigem Wetter bot sich uns ein herrlicher Blick auf die Stadt und den Fluss Tamega.

Mit dem Koffer voll Olivenöl, Portwein und Korkprodukten und mit wunderbaren Eindrücken im Herzen ging es dann zurück nach Deutschland.

Text von Marie Hedemann und Karen Helldrich, Mitglieder im Forstverein MV