Wald in Mecklenburg-Vorpommern
Stadtforst Rostock





Rostocker Heide und Stadtforstamt Rostock
Eine jahrhundertealte Urkunde im Stadtarchiv zeugt bis heute von Weitsicht, Tatkraft und Verantwortung der Rostocker Bürger für ihre Stadt. Datiert auf den 25. März 1252 wird der Kauf der Rostocker Heide besiegelt und, in Verbindung anderen Rechten, auch das Stadtrechtsprivileg von 1218 bestätigt. Die Urkunde von 1252 ist mit das älteste Dokument im Rostocker Stadtarchiv und die dort verzeichneten Grenzen sind noch heute fast unverändert. Mit über 6000 Hektar Waldbesitz in der Rostocker Heide und auf weiteren Flächen wird Rostock damit bis heute zum größten kommunalen Waldbesitzer in Mecklenburg-Vorpommern und zählt zu den fünf waldreichsten Kommunen in Deutschland.
Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte hat dieser Wald unzählige Veränderungen erlebt und unterlag den unterschiedlichsten Herausforderungen, aber immer hat die Stadt ihren Wald als eines ihrer größten Reichtümer betrachtet. So, wie sich Rostock im Laufe der Zeiten wandelte, wandelten sich auch der Umgang und die Ansprüche an den städtischen Wald. Dies beinhaltete die Auswirkungen von Kriegen und Krisen, von Rohstoffmangel, von Verstaatlichung und dem Ausbau militärischer Nutzungen ebenso wie die zunehmende Bedeutung als Erholungsraum und Naturschutzfläche.
Seit der Rückübertragung im Jahr 1992 unterliegt der Wald in der Rostocker Heide wieder den Vorgaben und Nutzungsansprüchen der Rostocker Bürgerinnen und Bürger. Mit der Bildung des Stadtforstamtes im gleichen Jahr wurde die Verantwortung der städtischen Försterinnen und Förster für die Rostocker Heide und die eigenständige Verwaltung, wie sie seit Beginn der nachhaltigen Forstwirtschaft ab 1792 im Stadtwald eingeführt wurde, erfolgreich fortgesetzt. Die organisatorische Zuordnung des Stadtforstamtes mit all seinen vielfältigen Aufgaben in den Umweltbereich setzt darüber hinaus ein deutliches Zeichen konkreter kommunaler Verantwortung für die natürlichen Lebensgrundlagen und entspricht den aktuellen Anforderungen an Waldbewirtschaftung. Die Renaturierung der ehemaligen Militärflächen in den neunziger Jahren, die FSC Zertifizierung des Stadtwaldes seit bereits fünfundzwanzig Jahren und die Ausweisung der Rostocker Heide (gemeinsam mit der Vorpommerschen Boddenlandschaft) als einen der dreißig bundesweiten Hotspots der Biodiversität in Deutschland repräsentieren beispielhaft das Engagement der Hanse- und Universitätsstadt Rostock für ihren Wald.
Heute ist die Rostocker Heide mehr denn je wichtig für uns - für Klimaschutz, für Biodiversität, für die Erholung unzähliger Menschen und als Lieferant nachwachsender Rohstoffe. Die Speicherung von Kohlenstoff in Wäldern und in Holzprodukten ist eine der größten Klimaschutzleistungen, die mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung umgesetzt werden.
Gleichzeitig ist der Klimawandel auch in der Rostocker Heide angekommen und zeigt sich deutlich in den extremen Witterungsabläufen der vergangenen Jahre, die zu spürbaren Veränderungen im Waldzustand führen. Dazu kommen die aktuellen Belastungen durch überbordenden Tourismus und die Notwendigkeit, Holz als nachwachsenden Rohstoff mit regionalem Bezug gleichberechtig mit Naturschutzzielen umzusetzen. Das alles erfordert eine angepasste Reaktion aller Verantwortlichen, um dieses einzigartige Waldgebiet weiter zu erhalten, nachhaltig zu nutzen und zu schützen. Im jährlichen Forstbericht und auf der Waldbereisung wird offengelegt, wie wir als Stadtgesellschaft die Rostocker Heide behandeln, sie pflegen, nutzen und mit unserer Verantwortung umgehen, die beim Wald weit über ein Menschenalter hinausgeht. Den wesentlichsten Part neben Politik und Verwaltung übernehmen dabei die Rostocker Bürgerinnen und Bürger – es ist „ihr“ ganz eigener Wald, den sie auch mit der Pflanzaktion „Bürger für Bäume“ schon seit 2011 aktiv mehren.
Jörg Harmuth
Forstamtsleiter
Vorstellung Nationalparke




MeerWildnis im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft
Der drittgrößte Nationalpark Deutschlands ist ein Ostsee-Nationalpark. Die Ost-West-Ausdehnung von der Halbinsel Darß-Zingst über Hiddensee bis Westrügen beträgt etwa 60 km. Ostsee und Lagunen, die Bodden, machen über 80 % des Nationalparks aus.
BewegteLandschaft
Mit ungebremster Energie tragen Wind und Wellen die Küsten ab. Die Strömung bewegt den Sand im flachen Wasser über lange Sandbänke stetig ostwärts. An den Spitzen der Inseln und Halbinseln landet die Fracht an. Dort entsteht Windwatt – Flachwasser, das je nach Windeinfluss trockenfällt, also Watt ganz ohne Gezeiten. Winterstürme gestalten Strandwälle, die als Sandhaken und neues Land ins Meer wachsen. Der Wind weht den trockenen Sand auf. Mit der Zeit entsteht auf großer Fläche ein Mosaik aus Dünen, Strandseen und Sümpfen. Wind und Wasser formen so diese einzigartige Inselwelt zwischen Ostsee und ihren Lagunen, den Bodden - immer wieder neu.
Veränderung ist Programm
… in den typischen Lebensräumen Ostsee, Windwatt, Heide, Moor und schließlich auch im Wald. Auf den sandigen glazialen Beckensanden und jungholozänen Böden würde am Ende der Sukzession die Buche stehen und große Teile des Darßwaldes bedecken. Dünentäler, ehemalige Strandseen und Flutrinnen sind mit Moorwäldern aus Erlen und Birken bewachsen, die in Teilen noch oder wieder ungestörte Wasserverhältnisse aufweisen. Die regengespeisten Moore, wie den Osterwald östlich von Zingst oder den Vordarß zwischen Ahrenshoop und Born, bedecken lichte Moorwälder aus Birken, Kiefern und Eichen.
Langer Weg zum Urwald
Dass die Baumartenanteile mit rund 50 % Kiefern deutlich vom natürlichen Potential abweichen, resultiert auch hier aus der langen Holznutzungs-Geschichte in der ertragsarmen Insellandschaft. Als Holzvorratskammer Neu-Vorpommerns wurde der Darßwald immer wieder Opfer des Raubbaus durch die jeweils Herrschenden. Verdiente Forstleute sorgten für seinen Wiederaufbau. Streunutzung zog sich auf dem Darß bis in die 50er Jahre. Der Wildreichtum der Wälder lockte die Reichen und Mächtigen, die sich hier ihre Jagdhäuser erbauten, von Prinz Eitel Friedrich von Preußen über Hermann Göring bis zur Staatsjagd der DDR. Auch die Wildbestände überprägten den Wald. Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft reiht sich mit seiner Jagdgeschichte und, als ehemaliger Grenzraum, auch mit seiner Militärgeschichte, gut in die Ausgangslage der meisten deutschen Nationalparke ein.
Die Anfangsjahre des Schutzgebietes waren u.a. vom politischem Ringen zwischen Naturschutz- und Forstverantwortlichen hinsichtlich des Umgangs mit den genutzten Wäldern geprägt. Die Zeit schloss auch hier die Gräben. Mit dem Jahr 2017 endete die aktive Umbauphase in der Waldentwicklung der 1990 gegründeten Nationalparke in M-V. Ziel der vorangegangenen Initialmaßnahmen war es, gepflanzte nicht heimische Baumarten zu reduzieren, die Bestände zu strukturieren und das Aufwachsen naturraumtypischer Laubgehölze zu fördern. Auch die Jagd erhielt mit der Nationalpark-Jagdverordnung aus dem Jahr 2010 eine neue Ausrichtung und fokussierte auf störungsarme und am Waldwachstum orientierte Rahmenbedingungen. Inzwischen zeigen insbesondere Wälder mit Störungen durch Windwürfe und hohe Wasserstände eine große Dynamik, Struktur- und Baumartenvielfalt.
Nicht nur Vogelparadies
Jagdruhezonen in der weiten offenen Dünenlandschaft ermöglichen ein tagaktives Verhalten der Rothirsche. Damit bietet der Nationalpark ganz besondere Orte der Naturbeobachtung. Die Ostsee- und Lagunenlandschaft ist zudem international bedeutsames Vogelschutzgebiet, Drehscheibe des Vogelzuges mit bis zu 80.000 rastenden Kranichen. Auf den Vogelschutzinseln befinden sich letzte Refugien für bodenbrütende Küstenvögel wie Säbelschnäbler, Uferschnepfen, Rotschenkel.
Im Nationalpark wurden und werden umfangreiche Rückbau- und Renaturierungsprojekte umgesetzt. Beispielhaft sei hier der 2024 vollzogene Rückbau des Nothafens in der Kernzone am Darßer Ort und die damit verbundene Renaturierung des Ottosees genannt. Als wäre nichts gewesen, kann der aufmerksame Beobachter heute hier die eindrucksvolle Natur im Nationalpark erleben.
Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft
- Fläche: 78.600 ha
- Gründung: 12.09.1990
- Waldanteil: 8%
- Besuchende: ca. 4 Mio. /a
- Mitarbeitende Nationalparkamt Vorpommern (auch zuständig für den Nationalpark Jasmund ): ca. 65
www.nationalpark-vorpommersche-boddenlandschaft.de
Der Nationalpark Jasmund–Berühmte Kreidefelsen
Urige Buchenwälder und eine außergewöhnliche Meeresküste vereint der kleinste Nationalpark Deutschlands zu einer Landschaft mit ganz besonderen Reizen. Geradezu magisch wirken unvergleichliche Farbenspiele der Natur, wenn grün schimmernde Buchenwälder, blau funkelnde Ostsee und weiß leuchtende Kreide aufeinandertreffen. Seit der Romantik lockt die Magie der Landschaft zahlreiche Künstler an.
Die Geschichte der markanten Kreidefelsen begann vor etwa 70 Millionen Jahren in einem 100 bis 150 Meter tiefen Meer. Reste winziger Kalk-Skelette verdichteten sich zu einem weißen Gestein. Das Massiv aus Rügener Schreibkreide schließt Bänder aus Feuerstein und zahlreiche Fossilien ein. Bis zu 118 Meter (Königsstuhl) ragt das Kreidekliff über den Meeresspiegel. Immer wieder kommt es in Bewegung. Ganze Hangbereiche rutschen dann ab. Auch einzelne Bäume, Steine und Kreidebrocken können jederzeit herabfallen.
Die letzte Eiszeit überformte die Halbinsel Jasmund zu einer sehr reliefreichen fruchtbaren Landschaft, durchzogen von Bächen und mehr als 100 Mooren. Auf dem Meeresboden setzt sich die Struktur aus Geröll, Schluchten und Kreide fort. Der Nationalpark umfasst auch eine 500 Meter breiten Ostsee-Streifen.
Alte Buchenwälder – die Juwelen des Jasmund
Der Jasmund beherbergt die größten zusammenhängenden Buchenwälder der Ostseeküste. Vor etwa 800 Jahren eroberte die Buche dank ihrer außergewöhnlichen Anpassungsfähigkeit und Durchsetzungskraft die Halbinsel. Alte Buchenwälder dominieren hier bis heute, während sie in ganz Europa selten sind.
Gut geschützt, im Herzen des Nationalparks liegen die wertvollsten Wälder. Am 25. Juni 2011 wurden sie von der UNESCO als Welterbestätte anerkannt. Sie bilden gemeinsam mit inzwischen 93 weiteren ausgewählten Buchenwäldern aus 18 europäischen Ländern Europas ursprüngliche Wildnis und tragen den Titel UNESCO-Welterbe „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas “.
In den ersten 26 Jahren der Nationalparkgeschichte wurde die Waldentwicklung durch Auflichtungen und Pflanzungen aktiv gesteuert, um in Nadelwald-Forsten Initiale für künftige Buchenwälder zu etablieren. Seit 2017 erfolgen Eingriffe in die Wälder nur noch aus Gründen der Verkehrssicherung. Straßen begleitend wurden und werden die Bestände aufgelichtet und stabilisiert, um den Umfang künftiger Sicherungsmaßnahmen zu minimieren.
Die Buchenwälder des Jasmund sind im Durchschnitt etwa 100 Jahre alt und weisen noch überwiegend hallenwaldähnliche Strukturen auf. Sie entwickeln sich nach und nach zu Urwäldern von morgen mit einem Mosaik verschiedenen Waldentwicklungsphasen. Das Einstellen der Nutzung führte seit Nationalparkgründung noch nicht zu deutlichen Strukturveränderungen in den Buchenwäldern, jedoch stieg ihr Vorrat. Besonders seit Anpassung der Regularien zum Wildtiermanagement an die Nationalpark-Ziele wurden Störungen deutlich reduziert und tritt die Waldverjüngung vielerorts sichtbarer hervor.
Nationalpark Jasmund
- Fläche: 3.070
- Gründung: 12.09.1990
- Waldanteil: 88%
- Besuchende: ca. 1,2 Mio / a
- Kernzone / Naturdynamikzone: 91%
Informationszentrum: Nationalpark-
Zentrum KÖNIGSSTUHL; UNESCO-Welterbeforum

