Deutscher Forstverein e.V.Veranstaltungen

Wald in MV

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern

Landesforst MV – Entwicklung und Profil

Im Nordosten Deutschlands prägen Wald, Wasser und Küste die Kulturlandschaft – und genau in dieser Dreiklang-Region wirkt die Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2006 als Anstalt des öffentlichen Rechts organisiert, vereint sie die Bewirtschaftung des Landeswaldes mit hoheitlichen Verwaltungsaufgaben. Diese effiziente, moderne Organisation war ein entscheidender Schritt, um den Wald in Zeiten des Klimawandels verantwortungsvoll zu gestalten.

Die heute 29 Forstämter bilden das operative Rückgrat des Betriebes. Sie übernehmen sowohl die Pflege und Bewirtschaftung der Wälder als auch Genehmigungs- und Beratungsaufgaben als untere Forstbehörde. Diese Struktur ermöglicht eine enge Verzahnung von Praxis, Verwaltung und Naturschutz.

Wie jeder große Forstbetrieb befindet sich auch die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern in einem laufenden Veränderungsprozess. Anpassungen an klimatische Entwicklungen, Digitalisierung, Fachkräftesicherung und die steigende gesellschaftliche Nachfrage nach Erholung und Naturerleben prägen die strategische Ausrichtung. Der Betrieb setzt dabei auf transparente Kommunikation, moderne Prozesse und ein nachhaltiges Selbstverständnis.

Unser Betrieb, unser Angebot

Die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern bewirtschaftet rund 193.000 Hektar Landeswald und ist damit einer der bedeutendsten öffentlichen Waldbesitzer im norddeutschen Raum. Rund 1.000 Mitarbeitende sorgen in Forstämtern, Revieren, Forsttechnik, Bildungsarbeit und Verwaltung dafür, dass die vielfältigen Funktionen des Waldes gesichert bleiben.

Neben der Bewirtschaftung des Landeswaldes nimmt die Landesforst MV auch zahlreiche Aufgaben für kommunale und private Waldbesitzende wahr. Dazu zählen Beratung, waldschutzfachliche Betreuung sowie Unterstützung bei Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen. Diese Dienstleistungen leisten einen wichtigen Beitrag, um auch den nichtstaatlichen Wald nachhaltig zu gestalten.

Einen großen Stellenwert besitzt die Waldpädagogik. Mit Jugendarbeit, Führungen, Waldtagen und Bildungsangeboten vermittelt die Landesforst Wissen über Waldökologie, Klimawandel, Ressourcennutzung und Naturschutz. Der Wald wird so zu einem erlebbaren Lehrraum – für Kinder, Jugendliche, Familien und zahlreiche Besuchergruppen. Ergänzend dazu informiert der eigene Instagram – und YouTube-Kanal über forstliche Themen, Technik, Artenvielfalt und aktuelle Entwicklungen.

Waldbewirtschaftung der Zukunft

Zwischen Ostseeküste, Boddenlandschaften und Seenplatten steht die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern vor besonderen Herausforderungen: Klimatische Extreme, Sturmereignisse und Trockenperioden wirken sich zunehmend auf die Wälder aus. Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Wälder für Wasserrückhalt, Klimaanpassung, Erholung und Biodiversität.

Der Umbau hin zu klimaresilienten Dauerwäldern ist daher zentrales Anliegen. Zu den Schwerpunkten gehören:

  • Transformation von Nadelholzmonokulturen zu stabilen, strukturreichen Mischbeständen
  • Stärkere Laubbaumanteile, insbesondere Buche, Eiche und weitere heimische Arten
  • Einbringung widerstandsfähiger, standortgerechter Baumarten
  • Förderung natürlicher Verjüngungsprozesse
  • Maßnahmen zum Boden- und Wasserschutz, die vor allem in einer wassergeprägten Landschaft essentiell sind
  • Schutz und Ausbau der Biodiversität durch Habitatbäume, Totholzkonzepte und Schutzflächen

Der Landeswald Mecklenburg-Vorpommerns ist weitgehend PEFC-zertifiziert, was die nachhaltige Bewirtschaftung unterstreicht. Moderne Forsttechnik, digitale Instrumente und ein kontinuierliches Monitoring unterstützen die Umsetzung waldbaulicher Ziele.

Wenn Wald und Wasser im Gleichgewicht sind, profitieren nicht nur Klima und Natur, sondern auch die Küsten- und Erholungslandschaften – ein Gedanke, der das Motto der Jahrestagung 2026 „Wald – Wasser – Küste: Tradition bewahren, Zukunft gestalten“ aufgreift und in der täglichen Arbeit der Landesforst lebendig wird.

Ausblick

Die Waldlandschaften Mecklenburg-Vorpommerns befinden sich im Wandel. Die Landesforst MV wird diesen Prozess aktiv begleiten – mit innovativen Konzepten, breiter Bildungsarbeit und einer engen Zusammenarbeit mit Waldbesitzenden, Politik und Gesellschaft. Der Wald der Zukunft soll widerstandsfähiger, artenreicher und vielfältiger sein.

Das Tagungsmotto der Deutschen Forstvereins 2026 in Rostock fasst diese Herausforderung treffend zusammen: Tradition bewahren, Zukunft gestalten. Die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern fühlt sich genau diesem Auftrag verpflichtet. Zwischen Küstenwäldern, Seenlandschaften und Boddengebieten wird sie weiterhin dafür arbeiten, dass Wald, Wasser und Küste als ein zusammenhängendes, wertvolles Ökosystem erhalten bleiben – für Menschen, Natur und kommende Generationen.

Kurze Übersicht

Rechtsform: Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR)
Sitz: Malchin
Forstämter:29
Beschäftigte:ca. 1.000
Landeswald:ca. 193.000 ha
Gesamtwald in MV:ca. 582.000 ha
Öffentlichkeitsarbeit:50.000 Teilnehmer:innen schnuppern jedes Jahr auf Führungen und Exkursionen frische Waldluft – davon allein 35.000 Kinder

Stadtforst Rostock

Rostocker Heide und Stadtforstamt Rostock

Eine jahrhundertealte Urkunde im Stadtarchiv zeugt bis heute von Weitsicht, Tatkraft und Verantwortung der Rostocker Bürger für ihre Stadt. Datiert auf den 25. März 1252 wird der Kauf der Rostocker Heide besiegelt und, in Verbindung anderen Rechten, auch das Stadtrechtsprivileg von 1218 bestätigt. Die Urkunde von 1252 ist mit das älteste Dokument im Rostocker Stadtarchiv und die dort verzeichneten Grenzen sind noch heute fast unverändert. Mit über 6000 Hektar Waldbesitz in der Rostocker Heide und auf weiteren Flächen wird Rostock damit bis heute zum größten kommunalen Waldbesitzer in Mecklenburg-Vorpommern und zählt zu den fünf waldreichsten Kommunen in Deutschland.

Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte hat dieser Wald unzählige Veränderungen erlebt und unterlag den unterschiedlichsten Herausforderungen, aber immer hat die Stadt ihren Wald als eines ihrer größten Reichtümer betrachtet. So, wie sich Rostock im Laufe der Zeiten wandelte, wandelten sich auch der Umgang und die Ansprüche an den städtischen Wald. Dies beinhaltete die Auswirkungen von Kriegen und Krisen, von Rohstoffmangel, von Verstaatlichung und dem Ausbau militärischer Nutzungen ebenso wie die zunehmende Bedeutung als Erholungsraum und Naturschutzfläche.

Seit der Rückübertragung im Jahr 1992 unterliegt der Wald in der Rostocker Heide wieder den Vorgaben und Nutzungsansprüchen der Rostocker Bürgerinnen und Bürger. Mit der Bildung des Stadtforstamtes im gleichen Jahr wurde die Verantwortung der städtischen Försterinnen und Förster für die Rostocker Heide und die eigenständige Verwaltung, wie sie seit Beginn der nachhaltigen Forstwirtschaft ab 1792 im Stadtwald eingeführt wurde, erfolgreich fortgesetzt. Die organisatorische Zuordnung des Stadtforstamtes mit all seinen vielfältigen Aufgaben in den Umweltbereich setzt darüber hinaus ein deutliches Zeichen konkreter kommunaler Verantwortung für die natürlichen Lebensgrundlagen und entspricht den aktuellen Anforderungen an Waldbewirtschaftung. Die Renaturierung der ehemaligen Militärflächen in den neunziger Jahren, die FSC Zertifizierung des Stadtwaldes seit bereits  fünfundzwanzig Jahren und die Ausweisung der Rostocker Heide (gemeinsam mit der Vorpommerschen Boddenlandschaft) als einen der dreißig bundesweiten Hotspots der Biodiversität in Deutschland repräsentieren beispielhaft das Engagement der Hanse- und Universitätsstadt Rostock für ihren Wald. 

Heute ist die Rostocker Heide mehr denn je wichtig für uns - für Klimaschutz, für Biodiversität, für die Erholung unzähliger Menschen und als Lieferant nachwachsender Rohstoffe. Die Speicherung von Kohlenstoff in Wäldern und in Holzprodukten ist eine der größten Klimaschutzleistungen, die mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung umgesetzt werden.

Gleichzeitig ist der Klimawandel auch in der Rostocker Heide angekommen und zeigt sich deutlich in den extremen Witterungsabläufen der vergangenen Jahre, die zu spürbaren Veränderungen im Waldzustand führen. Dazu kommen die aktuellen Belastungen durch überbordenden Tourismus und die Notwendigkeit, Holz als nachwachsenden Rohstoff mit regionalem Bezug gleichberechtig mit Naturschutzzielen umzusetzen. Das alles erfordert eine angepasste Reaktion aller Verantwortlichen, um dieses einzigartige Waldgebiet weiter zu erhalten, nachhaltig zu nutzen und zu schützen. Im jährlichen Forstbericht und auf der Waldbereisung wird offengelegt, wie wir als Stadtgesellschaft die Rostocker Heide behandeln, sie pflegen, nutzen und mit unserer Verantwortung umgehen, die beim Wald weit über ein Menschenalter hinausgeht. Den wesentlichsten Part neben Politik und Verwaltung übernehmen dabei die Rostocker Bürgerinnen und Bürger – es ist „ihr“ ganz eigener Wald, den sie auch mit der Pflanzaktion „Bürger für Bäume“ schon seit 2011 aktiv mehren.

Jörg Harmuth
Forstamtsleiter

Waldbesitzerverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Wald zum Leben

Der Waldbesitzerverband für Mecklenburg-Vorpommern e.V. vertritt die Interessen der ca. 35.000 Privatwaldbesitzerinnen und -besitzer sowie des Körperschaftswaldes in Mecklenburg-Vorpommern.  

Leitbild ist hierbei die eigenverantwortliche Bewirtschaftung unserer Waldflächen.

Mecklenburg-Vorpommern ist ein agrarisch und touristisch geprägtes Bundesland. Der Waldanteil macht lediglich 25% der Landesfläche aus. Gut 50% dieser Waldfläche sind Privat- und Körperschaftswald, wobei der Privatwald mit 42 Prozentpunkten deutlich überwiegt. Ca. 75% der privaten Waldbesitzer im Land haben weniger als 2 ha Wald.  Ihre Waldflächen machen allerdings auch nur weniger als 4% der gesamten Landeswaldfläche von 582.000 ha aus. Aktuell gibt es im Land 43 forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse, die ca. 2.000 Waldbesitzer vertreten. Der Waldbesitzerverband wird mehrheitlich vom mittleren und größeren Privatwald getragen. Auch 12 forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse sind Mitglieder.

Der Waldbesitzerverband Mecklenburg-Vorpommern sieht seine Aufgabe vornehmlich in der Vertretung der Interessen des Privat- und Körperschaftswald im politischen und öffentlichen Raum. Ein Schwerpunkt ist hierbei die Mitwirkung an und die Stellungnahme zu Gesetzes- und Verordnungsentwürfen, die Mitarbeit im Landeswaldforum sowie die Begleitung der Erarbeitung von praxisorientierten Förderungsmodellen und Förderrichtlinien. Hieran arbeiten die Mitglieder des Vorstandes ehrenamtlich und arbeitsteilig.

Dr. Achim Ahrendt
Vorsitzender des Waldbesitzerverband für Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

Meer Wildnis im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

Der drittgrößte Nationalpark Deutschlands ist ein Ostsee-Nationalpark. Die Ost-West-Ausdehnung von der Halbinsel Darß-Zingst über Hiddensee bis Westrügen beträgt etwa 60 km. Ostsee und Lagunen, die Bodden, machen über 80 % des Nationalparks aus.

Bewegte  Landschaft

Mit ungebremster Energie tragen Wind und Wellen die Küsten ab. Die Strömung bewegt den Sand im flachen Wasser über lange Sandbänke stetig ostwärts. An den Spitzen der Inseln und Halbinseln landet die Fracht an. Dort entsteht Windwatt – Flachwasser, das je nach Windeinfluss trockenfällt, also Watt ganz ohne Gezeiten. Winterstürme gestalten Strandwälle, die als Sandhaken und neues Land ins Meer wachsen. Der Wind weht den trockenen Sand auf. Mit der Zeit entsteht auf großer Fläche ein Mosaik aus Dünen, Strandseen und Sümpfen. Wind und Wasser formen so diese einzigartige Inselwelt zwischen Ostsee und ihren Lagunen, den Bodden - immer wieder neu.

Veränderung ist Programm

… in den typischen Lebensräumen Ostsee, Windwatt, Heide, Moor und schließlich auch im Wald. Auf den sandigen glazialen Beckensanden und jungholozänen Böden würde am Ende der Sukzession die Buche stehen und große Teile des Darßwaldes bedecken. Dünentäler, ehemalige Strandseen und Flutrinnen sind mit Moorwäldern aus Erlen und Birken bewachsen, die in Teilen noch oder wieder ungestörte Wasserverhältnisse aufweisen. Die regengespeisten Moore, wie den Osterwald östlich von Zingst oder den Vordarß zwischen Ahrenshoop und Born, bedecken lichte Moorwälder aus Birken, Kiefern und Eichen.

Langer Weg zum Urwald

Dass die Baumartenanteile mit rund 50 % Kiefern deutlich vom natürlichen Potential abweichen, resultiert auch hier aus der langen Holznutzungs-Geschichte in der ertragsarmen Insellandschaft. Als Holzvorratskammer Neu-Vorpommerns wurde der Darßwald immer wieder Opfer des Raubbaus durch die jeweils Herrschenden. Verdiente Forstleute sorgten für seinen Wiederaufbau. Streunutzung zog sich auf dem Darß bis in die 50er Jahre. Der Wildreichtum der Wälder lockte die Reichen und Mächtigen, die sich hier ihre Jagdhäuser erbauten, von Prinz Eitel Friedrich von Preußen über Hermann Göring bis zur Staatsjagd der DDR. Auch die Wildbestände überprägten den Wald. Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft reiht sich mit seiner Jagdgeschichte und, als ehemaliger Grenzraum, auch mit seiner Militärgeschichte, gut in die Ausgangslage der meisten deutschen Nationalparke ein.

Die Anfangsjahre des Schutzgebietes waren u.a. vom politischem Ringen zwischen Naturschutz- und Forstverantwortlichen hinsichtlich des Umgangs mit den genutzten Wäldern geprägt. Die Zeit schloss auch hier die Gräben. Mit dem Jahr 2017 endete die aktive Umbauphase in der Waldentwicklung der 1990 gegründeten Nationalparke in M-V. Ziel der vorangegangenen Initialmaßnahmen war es, gepflanzte nicht heimische Baumarten zu reduzieren, die Bestände zu strukturieren und das Aufwachsen naturraumtypischer Laubgehölze zu fördern. Auch die Jagd erhielt mit der Nationalpark-Jagdverordnung aus dem Jahr 2010 eine neue Ausrichtung und fokussierte auf störungsarme und am Waldwachstum orientierte Rahmenbedingungen. Inzwischen zeigen insbesondere Wälder mit Störungen durch Windwürfe und hohe Wasserstände eine große Dynamik, Struktur- und Baumartenvielfalt.

Nicht nur Vogelparadies

Jagdruhezonen in der weiten offenen Dünenlandschaft ermöglichen ein tagaktives Verhalten der Rothirsche. Damit bietet der Nationalpark ganz besondere Orte der Naturbeobachtung. Die Ostsee- und Lagunenlandschaft ist zudem international bedeutsames Vogelschutzgebiet, Drehscheibe des Vogelzuges mit bis zu 80.000 rastenden Kranichen. Auf den Vogelschutzinseln befinden sich letzte Refugien für bodenbrütende Küstenvögel wie Säbelschnäbler, Uferschnepfen, Rotschenkel.

Im Nationalpark wurden und werden umfangreiche Rückbau- und Renaturierungsprojekte umgesetzt. Beispielhaft sei hier der 2024 vollzogene Rückbau des Nothafens in der Kernzone am Darßer Ort und die damit verbundene Renaturierung des Ottosees genannt. Als wäre nichts gewesen, kann der aufmerksame Beobachter heute hier die eindrucksvolle Natur im Nationalpark erleben.

Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

  • Fläche: 78.600 ha
  • Gründung: 12.09.1990
  • Waldanteil: 8%
  • Besuchende: ca. 4 Mio. /a
  • Mitarbeitende Nationalparkamt Vorpommern   (auch zuständig für den Nationalpark Jasmund ): ca. 65

www.nationalpark-vorpommersche-boddenlandschaft.de

Nationalpark Jasmund

Der Nationalpark Jasmund – Berühmte Kreidefelsen

Urige Buchenwälder und eine außergewöhnliche Meeresküste vereint der kleinste Nationalpark Deutschlands zu einer Landschaft mit ganz besonderen Reizen. Geradezu magisch wirken unvergleichliche Farbenspiele der Natur, wenn grün schimmernde Buchenwälder, blau funkelnde Ostsee und weiß leuchtende Kreide aufeinandertreffen. Seit der Romantik lockt die Magie der Landschaft zahlreiche Künstler an.

Die Geschichte der markanten Kreidefelsen begann vor etwa 70 Millionen Jahren in einem 100 bis 150 Meter tiefen Meer. Reste winziger Kalk-Skelette verdichteten sich zu einem weißen Gestein. Das Massiv aus Rügener Schreibkreide schließt Bänder aus Feuerstein und zahlreiche Fossilien ein. Bis zu 118 Meter (Königsstuhl) ragt das Kreidekliff über den Meeresspiegel. Immer wieder kommt es in Bewegung. Ganze Hangbereiche rutschen dann ab. Auch einzelne Bäume, Steine und Kreidebrocken können jederzeit herabfallen.

Die letzte Eiszeit überformte die Halbinsel Jasmund zu einer sehr reliefreichen fruchtbaren Landschaft, durchzogen von Bächen und mehr als 100 Mooren. Auf dem Meeresboden setzt sich die Struktur aus Geröll, Schluchten und Kreide fort. Der Nationalpark umfasst auch eine 500 Meter breiten Ostsee-Streifen.

Alte Buchenwälder – die Juwelen des Jasmund

Der Jasmund beherbergt die größten zusammenhängenden Buchenwälder der Ostseeküste. Vor etwa 800 Jahren eroberte die Buche dank ihrer außergewöhnlichen Anpassungsfähigkeit und Durchsetzungskraft die Halbinsel. Alte Buchenwälder dominieren hier bis heute, während sie in ganz Europa selten sind.

Gut geschützt, im Herzen des Nationalparks liegen die wertvollsten Wälder. Am 25. Juni 2011 wurden sie von der UNESCO als Welterbestätte anerkannt. Sie bilden gemeinsam mit inzwischen 93 weiteren ausgewählten Buchenwäldern aus 18 europäischen Ländern Europas ursprüngliche Wildnis und tragen den Titel UNESCO-Welterbe „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas “.

In den ersten 26 Jahren der Nationalparkgeschichte wurde die Waldentwicklung durch Auflichtungen und Pflanzungen aktiv gesteuert, um in Nadelwald-Forsten Initiale für künftige Buchenwälder zu etablieren. Seit 2017 erfolgen Eingriffe in die Wälder nur noch aus Gründen der Verkehrssicherung. Straßen begleitend wurden und werden die Bestände aufgelichtet und stabilisiert, um den Umfang künftiger Sicherungsmaßnahmen zu minimieren.

Die Buchenwälder des Jasmund sind im Durchschnitt etwa 100 Jahre alt und weisen noch überwiegend hallenwaldähnliche Strukturen auf. Sie entwickeln sich nach und nach zu Urwäldern von morgen mit einem Mosaik verschiedenen Waldentwicklungsphasen. Das Einstellen der Nutzung führte seit Nationalparkgründung noch nicht zu deutlichen Strukturveränderungen in den Buchenwäldern, jedoch stieg ihr Vorrat. Besonders seit Anpassung der Regularien zum Wildtiermanagement an die Nationalpark-Ziele wurden Störungen deutlich reduziert und tritt die Waldverjüngung vielerorts sichtbarer hervor.

Nationalpark Jasmund

  • Fläche: 3.070
  • Gründung: 12.09.1990
  • Waldanteil: 88%
  • Besuchende: ca. 1,2 Mio / a
  • Kernzone / Naturdynamikzone: 91%

Informationszentrum: Nationalpark-

Zentrum KÖNIGSSTUHL; UNESCO-Welterbeforum

www.koenigsstuhl.com

www.nationalpark-jasmund.de

Müritz Nationalpark

Zwischen alten Wäldern und Seen – der Müritz-Nationalpark

Der Müritz-Nationalpark liegt im norddeutschen Tiefland, im Herzen von Mecklenburg-Vorpommern. Das von der letzten Eiszeit geformte, abwechslungsreiche Landschaftsmosaik mit seinen vielen Seen, Mooren und Wäldern macht ihn einzigartig. Die meist nährstoffarmen, sandigen Böden stellen besondere Ansprüche an Pflanzen und Tiere und schaffen zugleich Lebensräume für hochspezialisierte Arten.

Mehr als 72 Prozent seiner über 32.000 Hektar großen Fläche sind bewaldet. Damit ist der Müritz-Nationalpark Deutschlands größter Waldnationalpark.

Der Nationalpark gliedert sich in zwei Teilgebiete. Das größere, östlich an die Müritz angrenzende Areal ist geprägt von weiten Kiefernwäldern und ausgedehnten Mooren. Viele dieser Kiefernforste sind erst vor rund 200 Jahren durch forstwirtschaftliche Nutzung entstanden. Heute entwickeln sie sich schrittweise zu naturnahen Wäldern. Das kleinere Teilgebiet um Serrahn zeichnet sich vor allem durch seine alten Buchenwälder aus, die zu den wertvollsten Waldökosystemen Mitteleuropas zählen. Die über 250 Jahre alten Baumriesen bieten Tausenden Pilz- und Insektenarten Lebensraum, darunter auch elf Urwaldreliktarten. Sie vermitteln einen Eindruck davon, wie die Urwälder Norddeutschlands einst ausgesehen haben. Die buchendominierten Wälder gehören zu den flächenmäßig umfangreichsten naturnahen Vegetationsformen im Müritz-Nationalpark. 2011 erfuhren die alten Buchenwälder eine internationale Würdigung: Sie wurden als Teil des UNESCO-Weltnaturerbes „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ anerkannt.

Historische Wurzeln des Waldnaturschutzes

Die Bemühungen um den Schutz von Waldflächen auf dem Gebiet des heutigen Müritz-Nationalparks reichen rund 170 Jahre zurück. Als historischer Glücksfall für den Waldnaturschutz erwies sich die Jagdleidenschaft der Mecklenburg-Strelitzer Großherzöge. Um 1850 wurde die forstliche Nutzung für die Jagd eingestellt und die Serrahner Wälder blieben lange Zeit nahezu unangetastet. In der DDR waren im Serrahner Teil 1. 816 Hektar Wald als Naturschutzgebiet ausgewiesen, davon waren 360 Hektar ein Totalreservat. Bereits 1931 entstand auch am Ostufer der Müritz das Naturschutzgebiet Müritzhof. Das 1949 gegründete Naturschutzgebiet „Ostufer der Müritz” war bis 1990 das größte Naturschutzgebiet der DDR.

Mit der Nationalparkgründung im Jahr 1990 begann eine neue Phase, die von intensiven Diskussionen und Kontroversen über den weiteren Umgang mit den Wäldern begleitet war. Im Mittelpunkt stand die Frage der Waldentwicklung. Entsprechend des Nationalparkziels „Natur Natur sein lassen” wurde 1997 in der Planungsrichtlinie die künstliche Verjüngung untersagt. Am 31. Dezember 2017 kam es schließlich zur endgültigen Einstellung der Waldbehandlung. Der Müritz-Nationalpark erfüllt mit mehr als 82 % Prozessschutzfläche inzwischen die internationalen Kriterien gemäß IUCN-Kategorie II.

Seit 1990 ist die Waldfläche um rund 1.100 Hektar gewachsen. Diese Waldzunahme ist ausschließlich auf natürliche Waldsukzession nach Aufgabe der Landnutzung zurückzuführen: Den flächenmäßig größten Anteil daran haben die ehemaligen Truppenübungsplätze der Sowjetunion. Auf zwei Arealen mit einer Gesamtgröße von ca. 3.500 Hektar begann mit Abzug der Truppen im Jahr 1993 der Rückbau von Gebäuden und technischen Anlagen sowie die Beräumung von Munition und Schrott. Wo einst Panzer fuhren und so die „Granziner Sahara“ entstand, breiten sich heute Kiefern und andere Pioniergehölze aus. Offene Sandflächen sind selten geworden, zugleich finden wärmeliebende Arten in den Restbereichen jedoch wertvolle Rückzugsräume.

Wasser als prägendes Element

Charakteristisch für den Müritz-Nationalpark sind seine zahlreichen Gewässer. Im Schutzgebiet liegen 107 Seen mit jeweils mehr als einem Hektar Fläche. Insgesamt nehmen sie rund 41,9 Quadratkilometer ein, was etwa 13 Prozent der Gesamtfläche entspricht. Darunter finden sich saure Moorseen mit bräunlichem Wasser, kalkreiche und nährstoffarme Quellseen sowie nährstoffreiche, von Flüssen durchströmte Gewässer.

Die letzte Eiszeit hinterließ im Norden des Nationalparks eine Endmoräne, die einen Höhenzug bildet. Er stellt die Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee dar. Hier entspringen Bäche und Flüsse. Zudem verläuft durch das Teilgebiet Müritz die Flusseinzugsgebietsgrenze zwischen Elbe und Havel. Diese hydrologische Besonderheit verleiht dem Gebiet eine zusätzliche ökologische Bedeutung.

Der Wasserhaushalt wurde über Jahrhunderte hinweg stark verändert. Besonders gravierend wirkten sich die Meliorationsmaßnahmen der 1970er-Jahre aus. Ein dichtes Grabennetz und mehrere Schöpfwerke senkten den Grundwasserspiegel dabei um mehr als einen Meter.

Seit der Nationalparkgründung steht daher die Renaturierung von Mooren und Gewässern im Mittelpunkt. An 151 Mooren und 32 Seen wurden Maßnahmen zur Wiederherstellung eines naturnahen Wasserhaushalts umgesetzt. Moore nehmen insgesamt rund 11 Prozent der Fläche im Müritz-Nationalpark ein.

Ein Paradies für Tiere und Pflanzen

Im Land der Tausend Seen fühlen sich Kraniche, See- und Fischadler wohl. Nirgendwo sonst in Deutschland ist die Dichte dieser beiden Adlerarten höher. Im Müritz-Nationalpark wurden 250 verschiedene Vogelarten nachgewiesen, hier brüten Schwarzstorch, Wiedehopf, Hohltaube, Bartmeise, Bekassine, Eisvogel, Kolbenente, Sperber und Baumfalke. Rothirsch und Damhirsch, Biber und Fischotter durchstreifen den Nationalpark. Doch nicht nur die auffälligen Arten prägen das Bild. Bisher wurden 113 Laufkäferarten, 47 Libellenarten und 52 Tagfalterarten im Müritz-Nationalpark nachgewiesen.

Natur erleben

Ein rund 650 Kilometer langes Netz aus Wander- und Radwegen erschließt die unterschiedlichen Landschaftsräume. Zwei ausgewiesene Wasserwanderstrecken laden Kanufahrer ein, die Seen und Wasserläufe aus einer besonderen Perspektive kennenzulernen. So ist der Müritz-Nationalpark ein Ort, an dem Besucher die Dynamik und Schönheit wilder Landschaften unmittelbar erfahren können. Zwischen alten Buchen und jungen Kiefern, zwischen Mooren und glitzernden Seen entsteht hier eine einzigartige Waldwildnis.

Müritz-Nationalpark

  • Fläche: 32.200 ha
  • Gründung: 12.09.1990
  • Waldanteil: 72% // seit 25. Juni 2011 UNESCO-Welterbe „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ (269 ha Welterbefläche)
  • Besuchende: ca. 550.000 pro Jahr
  • Mitarbeitende Nationalparkamt Müritz: 67
  • Besuchereinrichtungen: Nationalpark-Informationen in Federow, Schwarzenhof, Kratzeburg, Blankenförde, Nationalpark-Ausstellung in Serrahn

https://www.mueritz-nationalpark.de