Thüringer Forstverein e.V.

Die Landesforstvereine - Basis des Deutschen Forstvereins

Neujahrsbrief des TFV

Liebe Mitglieder,   
zum Ende des Jahres 2018 möchte ich die Gelegenheit nutzen, aus meiner Sicht einen Rückblick auf das abgelaufene und einen Ausblick auf das kommende Jahr zu geben.      

Man wird das Jahr 2018 in seiner Dimension und Auswirkung auf die Forstwirtschaft in Thüringen wohl erst mit einem gewissen Abstand erfassen und würdigen können. Momentan weigern sich zuständige Ministerien noch, die aktuelle Situation als „katastrophal“ zu bezeichnen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe definiert eine Katastrophe wie folgt:

„Eine Katastrophe ist ein Geschehen, bei dem Leben oder Gesundheit einer Vielzahl von Menschen oder die natürlichen Lebensgrundlagen oder bedeutende Sachwerte in so ungewöhnlichem Ausmaß gefährdet oder geschädigt werden, dass die Gefahr nur abgewehrt oder die Störung nur unterbunden und beseitigt werden kann, wenn die im Katastrophenschutz mitwirkenden Behörden, Organisationen und Einrichtungen unter einheitlicher Führung und Leitung durch die Katastrophenschutzbehörde zur Gefahrenabwehr tätig werden.“ Diese Definition können wir aber mit Blick auf unsere Waldgeschichte begründet erweitern. Aus dem Titel der 1999 erschienenen Mitteilung des Thüringer Forstvereins „Die Orkankatastrophe und Borkenkäferkalamität im Thüringer Wald 1946 bis 1954 - 50 Jahre danach“ findet sich dieser Begriff nicht nur in der Überschrift. „Durch zwei schwere Naturkatastrophen entstanden im Thüringer Wald in den Nachkriegsjahren 1946 bis 1950 enorme Forstschäden, die in ihrem Ausmaß in der Forstgeschichte des Landes alles bisher Dagewesene bei weitem übertrafen.“ So charakterisieren es die Autoren, wobei die offizielle Statistik des damaligen Landesforstamtes 1,85 Mio. fm (39 %) Sturmholz und 2,91 Mio. fm (61 %) Käferholz, also einen Gesamtschaden von 4,76 Mio. fm nachwies. Aktuell wird in Thüringens Wäldern nach einer korrigierten Sturmholzschätzung aus den Winterstürmen in Höhe von 650.000 fm jetzt von ca. 800.000 fm Borkenkäferholz bis Jahresende ausgegangen. Das ist schon deutlich mehr als im zweiten Jahr nach dem Orkan im Thüringer Wald 1945 (580.000 fm). Das Jahr darauf (1948) waren es dort schon 1,67 Millionen. Dazu kommt laut aktuellem Thüringer Waldzustandsbericht 2018 die schlechteste Einschätzung des Waldzustandes seit 25 Jahren; nur 19 Prozent aller Waldbäume Thüringens wurden als gesund bewertet. Das alles lässt für 2019 nicht viel Gutes für den Wald und die Forstwirtschaft in Thüringen erhoffen. Ich würde mich gern irren, aber ich befürchte für 2019 einen weiteren Anstieg des Stehendbefalls. Umso wichtiger wäre eine echte Unterstützung durch die Politik, die ja wesentliche Rahmenbedingungen gestaltet. Längst ist klar, dass zusätzliche Finanzen für eine großflächigere Anpassung der Wälder an den Klimawandel nötig sind. Hierfür ist die gesamte Gesellschaft verantwortlich, die den Wald ja auch gemeinschaftlich nutzt und dies auch in Zukunft tun will (Stichwort Nachhaltigkeit). „Auch die Funktionsfähigkeit der Waldökosysteme gerät infolge sich auflösender Waldstrukturen verbreitet in Gefahr.“, schätzte z.B. die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne) kürzlich ein und forderte den Bund zu einem verstärkten Engagement für den Wald auf. Sollte die Situation in Thüringen anders sein? Ab wann kann man von einem ungewöhnlichen Ausmaß der Schädigung der natürlichen Lebensgrundlagen oder bedeutender Sachwerte (siehe o.g. Definition) sprechen - ich meine, es ist soweit!

Liebe Mitglieder,

unsere Aktivitäten im zu Ende gehenden Jahr werden wir wieder im Jahresbericht reflektieren können. Gern erinnere ich mich an die Tagung unserer Forstsenioren auf dem Possen im Frühjahr. Thema war die Entwicklung und der Sachstand zur Auseinandersetzung um die Aufgabe der forstwirtschaftlichen Nutzung auf ca. 1.000 ha, auf die sich die Forst- und Naturschutzministerin geeinigt hatten (das s.g. 5%-Stilllegungs-Ziel). Fachlich haben Förster, Waldbesitzer, Bürger vor Ort und Verbände (natürlich auch der Thüringer Forstverein) mit guten Argumenten intensiv dagegen gehalten. Aber nach langem Ringen haben die beiden Ministerinnen Keller und Siegesmund vor wenigen Tagen in einer gemeinsamen Medieninformation (https://www.thueringen.de/th8/tmuen/aktuell/presse/108114/index.aspx) verkündet, wie nun der politische Kompromiss aussieht. „Die Thüringerinnen und Thüringer können sich auf mehr Waldwildnis freuen.“ heißt es dort - bei den meisten aus unseren Reihen wird sich diese Freude wohl in engen Grenzen halten. Immerhin war ThüringenForst bei der Auswahl der Flächen beteiligt und erhält einen nicht unerheblichen Ausgleich für den Nutzungsverzicht und die Stillstandskosten. Und dennoch sagt ThüringenForst zu Recht: „Nachhaltige Forstwirtschaft ist nicht das Problem, nachhaltige Forstwirtschaft ist die Lösung.“ Wir dürfen gespannt sein, wie diese Entwicklung weiter geht. Bisher kamen immer wieder neue, weiter gehende Forderungen, die Debatte um mehr Wildnis (was immer darunter zu verstehen ist) in Deutschland wird weiter gehen.

Unsere Exkursion nach Georgien Ende August/Anfang September führte uns in ein wunderschönes Land mit einer spannenden Geschichte und freundlichen Menschen. Die Landschaft ist dort durch eine Jahrtausend alte Nutzungsgeschichte geprägt worden. Andererseits gibt es dort noch urtümliche Wälder, vor allem in den unzugänglichen, gebirgigen Regionen. Die Forstwirtschaft in Georgien beschränkt sich aktuell zum großen Teil auf Brennholznutzung. Wir konnten mit Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland sprechen, die dort in Projekten oder in der Ausbildung tätig sind, um aus Mitteleuropa bekannte Standards zu etablieren. Ein wichtiges, durch Deutschland finanziertes Projekt ist die nationale Waldinventur (vergleichbar mit der Bundeswaldinventur). Alles in allem gab es vielfältige und vor allem auch widersprüchliche Eindrücke aus einem Land, das sich nach der Abnabelung von der Sowjetunion erst noch richtig finden muss. Die Organisatoren unserer Reise haben Höchstleistung und sich unerwarteten Herausforderungen gewachsen gezeigt - Dank und Anerkennung nochmals dafür!

Während unsere Frühjahrstagung im März bei und mit der Firma Pollmeier zum Thema „Zukunft des Werkstoffes Holz“ sehr gut besucht war, hätte ich mir für unsere gemeinsame Tagung mit der ANW zu urbaner Forstwirtschaft auf der Wartburg Ende September mehr Besucher gewünscht. An den Referenten kann es nicht gelegen haben, denn die Vorträge bei beiden Veranstaltungen waren interessant und überzeugend. Sowohl die Werksführung bei Pollmeier als auch die anschließende Exkursion auf den Spuren von Gottlob König um die Wartburg werde ich in guter Erinnerung behalten. An dieser Stelle Dank für die Unterstützung durch die Firma Pollmeier und dem Forstamt Marksuhl.

In den letzten Tagen wurde nun endlich die „Forstchronik - Die Geschichte der Wälder und der Forstwirtschaft in Thüringen“ durch ThüringenForst im Eigenverlag erstellt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Beteiligt waren insgesamt 52 Autoren. Mit 432 Seiten ist die Chronik nicht nur sehr umfangreich geworden, sondern auch inhaltlich schwergewichtig - ein Gesamtblick auf Thüringens Wälder und Forstwirtschaft, wie es ihn bisher nicht gab. Der Forstverein hat einige Exemplare erworben und wir haben damit für die nächste Zeit wirklich prächtige Präsente. Bei ThüringenForst kann die Forstchronik per E-Mail (zentrale@forst.thueringen.de) zu einem Preis von 25 Euro zuzüglich 5 Euro Versandpauschale bestellt werden. Ich glaube, dass die erste Auflage bald vergriffen sein wird.

Abschließend noch ein Ausblick auf 2019!

Vom 29. bis 31. März geht mit der „FORST“ in Erfurt parallel zur 21. Reiten-Jagen-Fischen eine neue Fachmesse mit an den Start. Wir prüfen gerade, inwieweit wir uns dort ggf. mit Partnern gemeinsam präsentieren können.

In Dresden wird die nächste Tagung des Deutschen Forstvereins stattfinden. Vom 8. bis 12. Mai 2019 werden wieder verschiedene Veranstaltungen, Seminare und Exkursionen in und um Dresden stattfinden. Wir empfehlen unseren Mitgliedern ausdrücklich die Teilnahme an dieser Fortbildung quasi vor unserer Haustür. Dresden ist immer eine Reise wert! Daher werden wir keine eigene Mehrtages-Exkursion im nächsten Jahr anbieten.

Am 4. Juli 2019 wollen wir uns der aktuellen Forstschutzsituation und den Auswirkungen auf den Wald, v.a. den Kleinprivatwald, auf einer Exkursion in Ostthüringen widmen. An diesem Tag soll auch vorher unsere Mitgliederversammlung mit Wahl des Vorstandes stattfinden. Eine Räumlichkeit dafür wird gerade gesucht. Der Vorstand ist mittlerweile nahezu unverändert seit über 10 Jahren im Amt. Nicht nur ich bin der Meinung, dass es an der Zeit ist, eine gewisse Verjüngung im Vorstand einzuleiten. Bis zum Juli sollte genug Gelegenheit bestehen, sich darüber intern auszutauschen. Wer Interesse an einer Vorstandstätigkeit hat, kann gern Kontakt mit mir oder einem anderen Vorstandsmitglied aufnehmen, damit die Mitglieder bei der Wahl auch eine Wahl aus verschiedenen Vorschlägen haben.

Auf Grund einer Panne ist diese Veranstaltung leider nicht im Fortbildungsplan von ThüringenForst enthalten, daher weise ich explizit auf dieses Datum hin.

Die Forstseniorentagung 2019 wird der Bund Deutscher Forstleute organisieren und Ort und Zeit rechtzeitig kundtun.

2019 wird in Thüringen wieder ein neuer Landtag gewählt. Aus diesem Anlass wird zusammen mit anderen Verbänden einen Monat vor der Landtagswahl, am 24. September 2019 im Erfurter Waldhaus eine forstpolitische Veranstaltung mit Politikern der im Landtag vertretenen Parteien stattfinden. Bis dahin werden die Ausmaße der aktuellen Situation deutlicher zu Tage treten und es ist zu erwarten, dass die Parteien das entsprechen würdigen und hoffentlich auch Maßnahmen in ihre Parteiprogramme aufnehmen. Diese Chance für ein Gespräch sollten wir nutzen, um gemeinsam darauf hinwirken, dass die Belange des Waldes und der Forstwirtschaft – insbesondere vor der eingangs beschriebenen Situation – in der politischen Diskussion präsent sind und auch in zukünftiger Parlaments- und Regierungsarbeit Berücksichtigung finden.

Nutzen wir die Chance, die auch in jeder Katastrophe steckt. Ich erinnere mich gut an die Jahre nach dem Sturm „Kyrill“, in denen wir großes Verständnis bei der Bevölkerung vor Ort hatten. Auch die Presse stand auf unserer Seite. Versuchen wir weiterhin, das Beste für Wald und Forstwirtschaft zu erreichen.

In diesem Sinne bedanke ich mich bei allen für die bisherige Mitwirkung und Unterstützung und wünsche Euch und Ihnen zunächst eine besinnliche, friedliche Weihnachtszeit und danach einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Ihr und Euer Vorsitzender

Hagen Dargel      

 

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