Sächsischer Forstverein e.V.

Die Landesforstvereine - Basis des Deutschen Forstvereins

SFV: Exkursionsbericht zur Bewirtschaftung eines eichendominierten Kleinprivatwaldes bei Leipzig

Waldbesitzer Harald Köpping informiert vor Ort über sein Konzept zur Waldbewirtschaftung. (Foto: Bergmann)

Am Morgen des 13. Juni 2015 fuhren zahlreiche SFV-Mitglieder nach Rohrbach, ca. 18 km südöstlich von Leipzig. Sie wollten an einer Tagesexkursion teilnehmen, ausgeschrieben vom Sächsischen Forstverein. Thema: „Die Geschichte und die Bewirtschaftung eines eichendominierten Kleinprivatwaldes (87 ha) in der Leipziger Tieflandsbucht“.

Harald Köpping, Forstmann im Ruhestand und Autor forstgeschichtlicher Bücher, seit 1997 stolzer Waldbesitzer, setzte sich an die Spitze der Wagenkolonne und führte in seinen Wald. Dort war ein kleiner „Hörsaal im Grünen“ vorbereitet. Kaffee wurde angeboten, und es folgte ein brillanter Vortrag zur Siedlungsgeschichte der Region seit 10.000 Jahren. Nach der deutschen Kolonisation zwischen 1200 und 1250 wurde dieser Wald – an Gemarkungsgrenzen von der Rodung verschont – zunächst als bäuerlicher Weidewald gemeinschaftlich genutzt. Man nannte das hier „Brachlehden“. Neben der Waldweide bewirtschaftete man Niederwald. Bis zur Separation im 19. Jahrhundert entwickelten sich Teile zu Erlen- und Mittelwald. Die Waldweide wurde infolge der Separation aufgegeben und, bis 1837, der Allmendwald aufgeteilt. Im benachbarten Otterwisch hatte die Reichsgräfin Rahel Charlotte Vitzthum von Eckstädt 1727-1730 ein Barockschloss bauen lassen, das seit 1790 Charlotte von Schwarzburg-Sonderhausen gehörte. Sie und ab 1904 die Familie von Arnim kauften den Bauern, die zur Ablösung der Fron Geld benötigten, ihre privatisierten und z. T. bereits exploitierten Waldgrundstücke ab. Es entstand auf diese Weise beförsterter Herrschaftswald, der bis 1945 bestand. Zur Zeit der DDR dienten die Brachlehden der Sowjetarmee als Übungsgelände. Der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Grimma forstete standortsgerecht mit Eiche aus Naundorfer und Lindhardter Staatgutbeständen, sowie mit Kiefer, Lärche, Ahorn und Pappel auf. Über die Boden-Verwaltungs- und -Verwertungs-Gesellschaft (BVVG) kam die Waldfläche  im September 1997 ins Eigentum des jetzigen Besitzers.

In diesem Sinne wohl informiert, brach die Gesellschaft zu einem etwa zweistündigen Rundgang durch den Wald auf. Die Standortbedingungen sind geprägt durch einen Jahresniederschlag der letzten zehn Jahre von 660 mm und eine Jahresdurchschnittstemperatur von 8,4 bis 10,4°C. Ein neuer Bodeneinschlag zeigte schweren kalten Pseudogley mit etwa 25 cm Humusauflage. Die natürliche Waldgesellschaft wird als Waldlabkraut- Hainbuchen-Eichenwald und als Traubeneichen-Linden-Hainbuchenwald beschrieben. Der ganze Waldkomplex gehört zum SPA-Gebiet (Special Protection Area nach EU-Recht) „Laubwaldgebiete östlich von Leipzig“. Man sah wechselnde Waldbilder mit naturnahem Charakter. Der Oberstand besteht aus 40 % Eiche, Esche, Ahorn, Hainbuche, 13 % Kiefern und Lärchen, sowie 35 % Pappeln, Aspen, Birken und Erlen. Angestrebt wird ungleichaltriger und stufiger Mischwald, bewirtschaftet nach dem Dauerwaldprinzip, mit Eiche als Leitbaumart. Kahlschlag soll es nur noch beim Umbau von Pappel- und Kiefernbeständen geben. Naturverjüngung gilt als Regel und Wertholzpflege wird am Einzelbaum betrieben. Im Interesse eines ausreichenden Geldertrages am Holzmarkt werden Eichen, Douglasien und Küstentannen gefördert, doch bleiben Buchenalthölzer und besonders interessante Altbäume, so eine mächtige Flatterulme, ungenutzt stehen. Auch ein angemessener Totholzanteil wird gewährleistet. Voraussetzung nachhaltiger Forstwirtschaft ist Genügsamkeit des Waldbesitzers in der Nutzung. Die Besucher gewannen ein Bild vorbildlicher Privatwaldwirtschaft.

Am Schluss der Exkursion gab es eine romantische Bewirtung inmitten des Waldes. Begeistert von einer herzerfrischenden Führung im eichendominierten Kleinprivatwald der Familie Köpping verabschiedeten sich die Teilnehmer mit herzlichem Dank.

Ernst Ulrich Köpf

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