Sächsischer Forstverein e.V.

Die Landesforstvereine - Basis des Deutschen Forstvereins

„Entlang alter Verkehrswege über die Borsberghänge zwischen Graupa und Zaschendorf"

Gemeinsame Frühjahrsexkursion 2019 der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen (AGIS) e.V. in der Landesstiftung für Natur und Umwelt/Landesverein Sächsischer Heimatschutz und des Sächsischen Forstvereins e.V. zum Thema „Entlang alter Verkehrswege über die Borsberghänge zwischen Graupa und Zaschendorf“ am Sonnabend, dem 23. März 2019

Regional differenziert ist das Territorium Sachsens ein mehr oder weniger altes Siedlungs- und Kulturland. Zeigen dies bspw. in der Leipziger Tieflandsbucht zahlreiche Artefakte (Stein- und Knochenwerkzeuge) sowie rund 7000 Jahre alte, mit Eichenholz ausgebaute Brunnen und Pfahlgründungen für Gebäude, so reichen älteste Funde im oberen Erzgebirge, so „Böhmische Steige“ , später „Salzstraßen“, Kohlplätze und Hinweise auf Bergbau, nur rund 1000 Jahre zurück.

Natürlich war Sachsen zu fast 100 Prozent bewaldet. Auch dort, wo heute noch oder wieder Wald stockt - immerhin 29% der Landesfläche - birgt dieser viele Zeugen menschlicher Tätigkeit als Bodendenkmale, so auch alte Verkehrswege verschiedener Arten und Bestimmung. Der verantwortungsbewusste Bewirtschafter von Wald sollte dem nicht ahnungs- und interessenlos gegenüberstehen, sondern sich kundig machen und ein Gefühl dafür entwickeln, wo derartige Bodendenkmale bestehen und - gesetzlich verordnet - zu bewahren sind. Der Informationsaustausch zwischen Forstleuten und Experten der archäologischen Denkmalpflege ist deshalb sinnvoll und zielführend.

Rund 20 Interessenten, zu einem Drittel vom Sächsischen Forstverein, fanden sich an jenem sonnigen, vorfrühlingshaften Samstagmorgen am Tor der Geschäftsleitung des Staatsbetriebes Sachsenforst in Graupa, Bonnewitzer Straße, ein. Die örtliche Führung übernahmen seitens der Sächsischen Archäologischen Gesellschaft die Herren Dr. Hofmann und Dr. Westphalen, seitens des Forstvereins Herr Fleischer und Herr Blaß, Leiter des Forstreviers Fischbach, vom Staatsbetrieb Sachsenforst. Vorgesehen war eine Wanderung vom Elbtal hinauf ins Schönfelder Hochland über 8 km und immerhin 350 Höhenmeter. Begangen wurden u.a. der steile Groß- und Kleingraupaer Kirchweg, dazwischen der flache Leitenweg quer zum Hang, mit dem Ziel Zaschendorf, zurück der Pirnaer Marktweg. Abstecher führten ins Waldgelände, wenn sich dort Bodendenkmale zeigten.

Einführend erläuterte Herr Dr. Hofmann die Einbringung des örtlichen, historischen Wegesystems in die überregionale Situation, so in eine Ost-West-Trasse als Pilger- und Handelsweg (Via Regia), welche das heutige Bautzen, Königsbrück, Dohna und Pirna (Elbfurten) berührte. Südlich Pillnitz haben seit der Bronzezeit drei Burgen bestanden. Regional war z.B.die Marktsituation (Marktwege), lokal die kirchliche Situation (Kirchwege) maßgebend für die Wegeführung, die immer konkrete Bedürfnisse abbildete. Mit Erstaunen nahmen wir den Hinweis Herrn Fleischers zur Kenntnis, wonach das Borsberggebiet einen Waldfunktionen-Überlagerungsfaktor von 12,6 (!) hat.

Gleich nach dem Revierleiter Blaß eine gelungene Neuaufforstung am Großgraupaer Kirchweg, die das Waldgebiet des Borsberges arrondiert, vorstellte, tauchte im Altbestand bereits ein Bündel gut erhaltener, eng aneinander liegender Hohlwege auf - Zeugen langjährigen, bis ins 17. Jahrhundert so praktizierten Frachtverkehrs mit schweren, mehrfach bespannten Pferdewagen. Um diese Transporte, anderwärts auch militärischer Art, rankt sich viel Wissen, das hier kundgetan wurde:
- Beim Transport von Waren durch „Saumtiere“ und „Säumer“ bildete 1 SAUM jene Last ab, die ein Pferd tragen konnte
- Damit langjährig ausgefahrene Spuren, auch im Fels, durch Wagen optimal genutzt werden konnten, gab es frühzeitig „genormte“ Spurweiten (Maßeinheit 1 PALM)
- Die Trassierung der Handelswege hielt offenbar gewisse Grenzen ein. Eine Steilheit von 35 Prozent wurde niemals überschritten. Vor Ort haben wir an einem typischen Beispiel 21% ermittelt. Die Trassierung vermied Knicke, bevorzugte aber weite Bögen am Hang.
- Hohlweg ist nicht gleich Hohlweg. Bei überregionalen Handelswegen sind relativ breite Mulden entstanden, die von schweren Wagen nicht immer spurtreu befahren wurden, bis ein paralleler Versatz nötig wurde. Die Kutscher saßen zumeist auf. Transportwege von regionaler Bedeutung zeigen hingegen oft ein Trapezprofil (Kastenprofil). Neben den kleineren, leichteren Wagen im Hohlweg wurde häufig - außerhalb des Hohlweges - beim Kutschieren einher gelaufen.
- Alte Hohlwege geben oft auch Anlass für Grenzen von Grundstücken, ortschaften und Fluren.
- Spätere „Jagdwege“ haben - zum schnellen Vorankommen eine völlige andere Trassierung und Profilierung für leichte Jagdwagen
- Ein uraltes Steinkreuz - meist ein Sühnekreuz - ist typischer Begleiter historischer Wege
- Ein Grenzstein mit kursächsischen Schwertern - diese immer in Richtung des staatlichen Eigentums - zeigt neben der Eigentumssituation den Zeitraum der Errichtung an, in jedem Falle älter als 1806
Am Nachmittag, nachdem über den Pirnaer Marktweg Graupa wieder erreicht war, stellte sich bei allen Beteiligten eine tiefe Befriedigung über diese sehr lehrreiche Frühlingstour auf uralten Wegen zwischen Elbtel und Schönfelder Hochland ein. Der fachliche Austausch zwischen Archäologie, Regionalgeschichte, Wald- und Forstwesen sollte zu aller Beteiligten Gewinn anderenorts fortgesetzt werden.

Dr. Klaus Dittrich
Großhartmannsdorf, Dezember 2019

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