Sächsischer Forstverein e.V.

Die Landesforstvereine - Basis des Deutschen Forstvereins

Ein Privatwald stärkt den ländlichen Raum

Exkursion des Sächsischen Forstvereins am 2. Juni 2018 im Forstbetrieb Dröschkau

Vielversprechende Kiefernbestände mittleren Alters; die Sturmschäden vom Januar 2018 sind schon aufgearbeitet.

Der Vereinsvorsitzende Dr. Mario Marsch begrüßte am 2. Juni eine buntgemischte Gruppe von 27 Leuten im Forstbetrieb Dröschkau zur Tagesexkursion des SFV. Sein besonderer Gruß galt Dr. Karl-Ludwig Gerecke, der die Exkursion führte, und seiner Frau Dr. Elsbeth Gerecke, der Betriebsleiterin.

Dr. Gerecke gab zuerst eine Einführung in die Geschichte der Waldungen des Betriebes. Dieser umfasst ca. 550 Hektar Wald, die ursprünglich im Besitz dreier ehemaliger Rittergüter waren. Etwa 300 Hektar stammen aus dem ehemaligen Gut Dröschkau, das von 1668 bis 1945 der Adelsfamilie von Heynitz gehörte. Zu DDR-Zeiten wurde der Wald teilweise aufgeteilt, später vom Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb über die Eigentumsgrenzen hinweg einheitlich bewirtschaftet. Nach der Wende war die „Treuhand“ für die Wälder verantwortlich, bis sie schließlich 1997 an Jobst von Heynitz als Treuhänder für die „Gesellschaft zur Förderung ökologischer Waldwirtschaft e.V.“ verkauft wurden. An dieser Gesellschaft sind sieben Mitglieder beteiligt, die Familie von Heynitz gehört dazu. Mit einem benachbarten Privatforstbetrieb besteht eine enge Kooperation, ein Mitarbeiter steht für beide Forstbetriebe als Ansprechpartner zur Verfügung.

Der Waldkomplex liegt als Waldinsel getrennt vom Kerngebiet der Dahlener Heide, das im Westen zu sehen ist; östlich fließt in landwirtschaftlich genutzter Landschaft die Elbe. Geprägt ist die Landschaft  von Endmoränen der Saale-Eiszeit. Aus Sanden und Kiesen gingen Braunerden hervor, bei Sand über Ton auch staunasse Böden, die als M2, als mäßig frische Standorte mit mittlerer Trophie gekennzeichnet werden. Die Regenmenge beträgt jährlich etwa 600 mm. Die Kiefer dominiert mit einem Baumartenanteil von 70 Prozent; weiter gibt es Weihmutskiefer, Lärche, etwas Fichte sowie Eiche, Birke und Buche, vereinzelt Linde. In alter Zeit herrschte Waldweide und Streunutzung, so dass die Ertragskraft der Böden geschwächt war. Im Laufe des letzten Jahrhunderts änderte sich das und der Holzzuwachs nahm stark zu: früher durch den Eintrag von basischen Stäuben der Industrie, jetzt von Stickstoff aus der Landwirtschaft und von verwehten Böden, die bei der maschinellen Bearbeitung verursacht werden. Der Holzzuwachs der Kiefer, in der Ertragstafel mit 8 Vfm/ha dGZ angegeben, wird heute um ca. 50 Prozent übertroffen.

Der sechsstündige Rundgang zeigte wechselnde Waldbilder, manchmal reine Kiefer, dann Kiefer mit Laubholz-Unterbau, gelegentlich Laubmischwald, vereinzelt urige Eichen, die erhalten werden, auch Verjüngungsflächen. Die Kiefernbestände sind meist zwischen 40 und 60 Jahre alt und weisen im Durchschnitt etwa 25 m2 Grundfläche und Höhen von 25 m auf. Bei der Bestandespflege wird vorwiegend „stark“ und „schlecht“ entnommen; sichtbar hebt sich der Pflegezustand qualitativ von benachbarten Kleinprivatwäldern ab. Das Sturmtief „Friederike“ am 18. Januar 2018 verursachte auf ganzer Fläche punktuelle Schäden, deren Holzanfall den 2 ½ -fachen Jahreseinschlag ausmachte. Aufgrund rascher Erfassung und systematischer Aufarbeitung gelang es, die 5000 Festmeter Schadholz bereits vollständig aufzuarbeiten und kostendeckend zu verkaufen. Als lästig erweist sich die Spätblühende Traubenkirsche, die um 1950 eingeführt wurde. Sie kann durch Buchenjungwuchs ausgedunkelt werden. Somit bemüht man sich, durch Unterbau Laubholz anzureichern, doch erweist sich das für die Nadelholzverjüngung als Problem. Betriebswirtschaftliche Gründe machen die Kiefer unverzichtbar, und sie braucht natürlich Licht um nachzuwachsen.

Auch die Jagd war Thema. Während die Strecke anfänglich durch Ansitz erbracht wurde, ging man im Laufe der Zeit dazu über, den gesamten Abschuss bei zwei großen Treibjagden im Januar zu erfüllen. Die Statistik zeigt, dass auf diese Weise gleichviel Rehwild, aber zunehmend Schwarzwild gestreckt werden konnte, auch etwas Rotwild. Die Treibjagden mit je 50 Jägern und 50 Treibern sind volksfestartige Veranstaltungen, bei denen nach wenigen Stunden Jagd in großem Stil gefeiert wird. Der Forstbetrieb kann auf Zäune verzichten. In den ersten Jahren spielte die Förderung der Waldwirtschaft eine wichtige Rolle für die Finanzierung; inzwischen wurde auf Fördermittel verzichtet, doch wird man für die Wiederaufforstung der Sturmwurfflächen erneut welche beantragen. Die Richtlinien erweisen sich gelegentlich als wirklichkeitsfremd, wenn Mischbaumarten gefordert werden, die sich nicht halten. Der Wegebau nach den Richtlinien der öffentlichen Hand gilt als viel zu aufwendig, die Wege erweisen sich nachher als zu empfindlich für den Forstbetrieb. Diskutiert wurden auch die Rahmenbedingungen des Naturschutzes, die auch für eine Gesellschaft für ökologische Waldwirtschaft nicht unproblematisch sind. Praxisferne Bürokratie!

Die Exkursion verlief bei gutem Wetter von Anfang bis Ende gut, war vielfältig interessant und in mancher Hinsicht ungewöhnlich. Im Wald bot der Forstbetrieb eine Mittagsrast mit Getränken und belegten Broten. Bei der Ruine der von Heynitz’schen Begräbniskapelle diskutierte man über die Unmöglichkeit, in kleinem Maßstab des ländlichen Raumes einen Friedwald zu betreiben. Zum Schluss wurden die Teilnehmer noch einmal bei der Betriebshalle des Forstbetriebes im Dorf Wohlau freundlich bewirtet. Hier findet die Wildverwertung statt und die örtliche Bevölkerung kann hier gelegentlich feiern. Frau Dr. Gerecke erläuterte, dass der Forstbetrieb auch eine wichtige Funktion für das soziale Geschehen am Ort hat und das Leben im ländlichen Raum stärkt. Diese Tätigkeit bedeute für sie ein erfülltes Leben und habe gesellschaftlich große Bedeutung. Der Vereinsvorsitzende Dr. Marsch sprach zum Abschluss von einem „untypischen“ Forstbetrieb, dessen Organisation und Führung auf alle Teilnehmer großen Eindruck machte. Unter Beifall dankte er dem Ehepaar Gerecke für einen guten Tag in einem schönen Wald. 

Text und Foto: Prof. Ernst Ulrich Köpf

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