Nordwestdeutscher Forstverein e.V.

Die Landesforstvereine - Basis des Deutschen Forstvereins

NWDFV: Herbstexkursion in Gartow

Dr. Pavel Plasil erklärt mit Hilfe der Folien die Zustände bei der Feststellung der Fraßschäden durch den Kiefernspinner und die Entwicklung der Flächen bis Juli 2015. Foto: Axel Gerlach, NWDFV

Forstschutz im Spannungsfeld zwischen Zertifizierung und  Natura 2000

Zur traditionellen Herbstexkursion konnte der neue Vorsitzende des Nordwestdeutschen Forstvereins Dr. Christian Eberl rd. 80 Teilnehmer in Gartow im Wendland begrüßen. Neben Experten der Bundesoberbehörden (Umweltbundesamt Herr. Dr. Wogram, BVL Herr Dr. Waldmann) waren auch die örtlichen Behördenvertreter mit der Umweltdezernentin des Landkreises Lüchow-Dannenberg (Frau Schaaf) an der Spitze angereist.

Am Vormittag hatte die Abteilung Waldschutz der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt unter der Leitung von Dr. Michael Habermann drei Stationen aufgebaut, die mit beeindruckenden Waldbildern deutlich machten, was mit Waldbeständen passieren kann, wenn Großschädlinge wie der Kiefernspinner nicht konsequent behandelt werden. Behandlungsunterlassungen durch rechtliche Vorgaben und Selbstbeschränkungen öffentlicher Eigentümer in Natura-2000-Gebieten und auf Kompensationsflächen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) führten zu unterschiedlichsten Folgen bis hin zum flächigen Absterben der betroffenen Waldflächen.

Während auf den im Jahr 2013 nach Befallsprognosen behandelten Flächen trotz deutlicher Schädigung noch Waldbestände vorhanden waren, sind auf den unbehandelten Teilflächen die Kiefern fast vollständig abgestorben. Nach dem akuten Befall macht in der Folge den betroffenen Wäldern das Kieferntriebsterben zu schaffen, das durch einen Schlauchpilz ausgelöst wird, der mit dem des Eschentriebsterbens vergleichbar ist.

Norbert Leben, Vorsitzender des Nds. Waldbesitzerverbandes, machte auch im Namen der beteiligten Forstbetriebsgemeinschaften deutlich, dass den Waldeigentümern mögliche Handlungsoptionen gegen drohendes Absterben der Bestände nicht untersagt werden dürften. Die Diskussion zeigte die Bewertungen und Kontroversen bei akuter Gefährdung auf, während die Ziele des künftigen Waldaufbaus durchaus einheitlich gesehen wurden.

Bilder eines künftigen Waldaufbaus stellten Andreas und Fried Graf von Bernstorff am Nachmittag im Wald der Familie vor, der insgesamt rund 6.000 ha umfasst. Anhand von drei Waldbildern wurde der praktizierte Waldbau deutlich, der seit rd. 50 Jahren nach ANW-Kriterien erfolgt: Von einer ursprünglich beabsichtigten langfristigen Zertifizierung durch FSC hat der Betrieb wieder Abstand genommen, da die geforderten Dokumentations- und Handlungsverpflichtungen insbesondere bei Totholz und Douglasienanbau wirtschaftlich nicht tragbar sind und Handlungsoptionen bei akuter Gefährdung durch Schadinsekten eingeschränkt werden. Durch die lange und vorratsschonende Behandlung der Wälder wurde in einem rund 150j. Kieferaltholz-Bestand die Anreicherung durch standortgemäße Laub- und Nadelbaumarten gezeigt.

Beim zweiten Bild waren noch Arbeitsstreifen eines Streifenpflugs zu sehen, hier waren pro Hektar ca. 1.000 Douglasien – aus Naturverjüngung im eigenen Betrieb – und Küstentannen eingebracht worden. Das letzte Waldbild zeigte wertgeastete Douglasien, ausgewählte Z-Bäume sowie streifen- und plätzeweise durchgeführte Bodenbearbeitungen, um für die weitere Verjüngung ein optimales Keimbett zu schaffen. An diesen Waldbildern der Bernstorff?schen Forstverwaltung konnte eine naturnahe Forstwirtschaft erläutert werden, die ungleichaltrige Mischbestände erzieht unter einzelstammweiser Nutzung und dem Belassen von Totholzbäumen – ohne dass die Risiken der gleichaltrigen Reinbestände entstehen.

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