Nordwestdeutscher Forstverein e.V.

Die Landesforstvereine - Basis des Deutschen Forstvereins

10 Jahre nach Kyrill – Haben wir die Chance für einen naturnahen Waldumbau auf den Katastrophenflächen genutzt?

Beweidung mit Exmoorponys in der Neuen Hute (Foto: Kurt Hapke)

Um diese Frage zu beantworten, trafen sich am 07. September rund 45 Mitglieder des Nordwestdeutschen Forstvereins (NFV) zur jährlich stattfindenden Tagesexkursion im Solling. Ausgangspunkt war das Wildparkhaus im Forstamt Neuhaus. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Dr. Christian Eberl, hob Astrid Klinkert-Kittel, Landrätin des Landkreises Northeim, die Bedeutung des Waldes für ihren Landkreis und insbesondere für den Solling hervor. Ebenso begrüßte Walter Hennecke, Leiter des Forstamtes Neuhaus, die Mitglieder des NFV.

Neuhaus, wie auch viele andere Forstämter in Niedersachsen, wurde durch Kyrill stark geschädigt und so mussten in den Monaten nach dem Orkan rund 500.000 Fm Schadholz im Forstamt aufgearbeitet, gerückt und möglichst schnell abtransportiert werden. Dies gelang unter anderem auch, weil ein Teil des damaligen Schadholzes nach Asien exportiert wurde. Kyrill führte im Forstamt Neuhaus zu einer Schadfläche von etwa 600 ha, wovon rund 400 ha vorwiegend mit Buche vorangebaut waren. Somit mussten lediglich die restlichen 200 ha beplant werden. Von der Planung wurden allerdings nur 50 % umgesetzt, da sich der restliche Anteil in der ersten Zeit nach Kyrill, auch aufgrund der überwiegend kleinen Flächengröße, gut selbst verjüngt hatte. Auf dem Weg in den Wald konnten die Exkursionsteilnehmer einen Teil der Eichenalleen im Forstamt Neuhaus, die eine Gesamtlänge von etwa 50 km umfassen sowie eine kulturelle und für den Waldnaturschutz wichtige Besonderheit darstellen, selbst in Augenschein nehmen. Diese Alleen wurden von Johann Georg von Langen im 18. Jahrhundert angelegt und bilden einen Biotop-Trittstein für viele Arten innerhalb des Sollings. Daher werden sie auch regelmäßig durch Neupflanzungen ergänzt.

Die ersten Exkursionspunkte des Vormittags führten in das Revier Otterbach. Zu Beginn stellte Revierleiter Axel Bunge die Situation in den ersten Tagen nach Kyrill nochmals eindrücklich dar. Anschließend konnten sich die Exkursionsteilnehmer ein Bild von einer Traubeneichenpflanzung in Mischung mit Kirsche machen, wobei auf der Fläche auch viele weitere Baumarten (u. a. Douglasie, Buche, ALn) vorkommen. Hier stellte sich die Frage: Ist die Kultur gelungen? Diskutiert wurden die Qualität und die Herkunft der Eichen, da sie viele Zwiesel aufwiesen, mattwüchsig und kaum wipfelschäftig sind. Ein weiterer Punkt war die vergangene und zukünftige Pflege dieser Fläche. Unter der Prämisse hier die Chance für einen Eichenbestand zu nutzen, sollten sie in den nächsten Jahren immer wieder freigestellt werden. Wobei dieses sehr arbeitsintensive Vorgehen durch einen eindeutigen Arbeitsauftrag unterstützt werden kann.

Ein weiteres Waldbild bot sich bei der Vorstellung des Projektes „Klimawald“. In Zusammenarbeit vom NABU Holzminden, verschiedenen Geldgebern und den Niedersächsischen Landesforsten konnte es auf einer kleineren Kyrillfläche umgesetzt werden. Vorgestellt und erläutert wurde das Projekt von Gerhard Hasse (NABU Holzminden). Projektziel ist es, die Artendiversität von Bäumen sowie Sträuchern zu erhöhen und dafür wurden verschiedenste Arten von NABU Mitgliedern gepflanzt sowie gepflegt.

Das letzte Waldbild am Vormittag war durch Buchenvoranbauten geprägt. Diese wurden unter einem ehemals 110-jährigen Fichtenaltbestand mit vereinzelten Lärchen eingebracht. Durch die starke Lichtstellung der Buchen stellt sich deren Qualität eher schlechter dar. Bei Kyrill blieben die Lärchen stehen und so hat sich auf der Fläche Naturverjüngung aus Lärche und auch wieder Fichte eingestellt. Nach der Feinerschließung und einer Stammzahlreduktion der Fichte, wird hier die Chance zum gezielten Baumartenwechsel genutzt, wobei auch die Lärche als Lichtbaumart entsprechend beteiligt werden soll. Als Zwischenfazit wurde von den Teilnehmern festgestellt, dass die Chance für einen naturnahen Waldumbau auf den Katastrophenflächen genutzt wurde und die Flächen in Zukunft entsprechend den Waldentwicklungszielen gepflegt werden müssen.

Nach der Vorstellung des Wildparkhauses und einem reichhaltigen Mittagessen wurde das Hutewaldprojekt im Forstamt Neuhaus demonstriert. Die Niedersächsischen Landesforsten sind seit 2014 Träger und damit Geldgeber für dieses interessante Projekt. Walter Hennecke und seine Mitarbeiter führten durch das Projektgebiet und erläuterten u. a. die Entstehungsgeschichte, naturschutzfachliche Eigenschaften, insbesondere der Eiche, sowie das Weidekonzept des Hutewaldes mit Hilfe von Exmoorponys und Heckrindern. So ist der Hutewald, neben den Hudeeichen bei Lauenberg oder dem Eichholz bei Uslar, ein Hotspot der Biodiversität (z. B. Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer, Eremit) und beeindruckt mit den rund 160 bis 300-jährigen Eichen.

Abschließend stellte Johannes Thiery von den Niedersächsischen Landesforsten, zuständig für die Naturdienstleistungen im Bergland, den Kompensationsflächenpool „Neue Hute“ vor. Dieser entstand aus einer Erweiterungsfläche des Hutewaldes und ist als halboffene Landschaft ein wertvolles Biotop für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Thiery hob hervor, dass die Ökokonten der Niedersächsischen Landesforsten in Zusammenarbeit mit den Landkreisen entwickelt werden und das diese Flächen eine hohe Rechtssicherheit bei der Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen garantieren. Denn in der Vergangenheit wurden Ausgleichsmaßnahmen von den Landkreisen teilweise nicht in einem Flächenkataster erfasst sowie kaum kontrolliert. Auch wurden von den Eingreifern in Natur- und Landschaft die geforderten Maßnahmen stellenweise nicht oder nur unvollständig durchgeführt. Neben der Rechtssicherheit kommt hinzu, dass die forst- und waldnaturschutzfachlichen Maßnahmen auf den Kompensationsflächen über die Anforderungen des niedersächsischen Regierungsprogrammes LÖWE (Langfristige ökologische Waldentwicklung) hinausgehen und somit hochwertige Naturdienstleistungen erbracht werden.

Der Nordwestdeutsche Forstverein bedankt sich bei den Vortragenden und Organisatoren für diese lehrreiche Exkursion.

 

Dr. René Wördehoff

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