Hessischer Forstverein e.V.

Die Landesforstvereine - Basis des Deutschen Forstvereins

Jahreshauptversammlung 2018 des Hessischen Forstvereins in Romrod

Nach der diesjährigen Frühjahrswanderung des Hessischen Forstvereins im Naturschutzgebiet „Reichenbacher Kalkberge“ wurden die Mitglieder zur diesjährigen Jahreshauptversammlung am 21.06.2018 nach Mittelhessen in das Hessische Forstamt Romrod eingeladen.

Die Vortragsveranstaltung mit Vorträgen und Diskussion stand unter dem Motto „Wald und Gesellschaft“ und zielte darauf hin, die zeitgeschichtlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte mit den Anforderungen an den Wald und unsere moderne Forstwirtschaft zu spiegeln.

Wo kommen wir her? Welches Bild hat die Gesellschaft vom Wald? Was ist die heutige Aufgabe der Forstwirtschaft und welche Rolle nimmt hier der Beruf der Försterin und des Försters ein? Die interessanten Vorträge, insbesondere von Professor Dr. Hermann Spellmann (NWFVA Göttingen) führten den jeweiligen Zeitgeist vor Augen und streiften die waldgeschichtliche Entwicklung in Deutschland von den Nachkriegsjahren bis hin zu Klimaszenarien weit in das 21. Jahrhundert hinein. Klimawachstumsmodelle und Erkenntnisse aus der Bundeswaldinventur zeigten auf, dass nur durch einen vielgestaltigen und gemischten Wald mit einem gesicherten und angepassten Nadelholzanteil die Klimastabilität und biologische Zukunftssicherheit gewährleistet werden können.

Die über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Bürgerhaus in Romrod waren mit dem Diskurs und der Fragerunde des Publikums somit voreingestimmt auf die anschließende waldbauliche Exkursion in den Wald des Hessischen Forstamts Romrod.

Dort führte Herr Frank Scheler von der Landesbetriebsleitung Hessen-Forst in die Thematik „Waldbau und Naturschutzleitlinie“ ein, und Herr Hans-Jürgen Rupp (Forstamtsleitung) und Herr Wolfgang Lorenz (Bereichsleitung Dienstleistung Hoheit) erläuterten die komplexen Zusammenhänge der Waldbewirtschaftung bei gleichzeitiger Umsetzung naturschutzfachlicher Anforderungen. Das Forstamt Romrod betreut insgesamt 15 Naturschutzgebiete mit rund 630 ha Fläche, davon sind rund 180 ha Wald mit Schwerpunkt im NSG „Feldatal“.

Durch Natura 2000 überlagert werden knapp 600 ha Vogelschutzgebiete und rund 1.000 ha FFH-Gebiete mit Schwerpunkten im „Wald zwischen Romrod und Ober-Sorg“ und den „Wäldern nördlich Ohmes“ und „Feldatal - Kahlofen“.

Die Laubwälder des Forstamts mit Laubholz älter 100 Jahre geben nach dem Habitatbaumkonzept des Landesbetriebs Hessen-Forst ein Mengengerüst von rund 8.100 Habitatbäumen, wobei zusätzlich noch rund 700 ha Kernflächen vollständig aus der Nutzung genommen sind und dem Prozessschutz überlassen werden.

Anhand der Waldbilder wurde trefflich darüber gestritten, an welcher Stelle im Altbestand dem Ziel der Waldverjüngung oder dem möglichst langen Lichtschluss zum Erhalt von Schatteninseln um Biotopbäume Vorrang gegeben werden muss. Arbeitsschwerpunkt im Forstamt Romrod ist hier die sehr individuelle Steuerung der Wuchskraft der Buche durch gezielte Pflege in den alten Laubholzbeständen, die bereits nennenswerte Totholzanteile aufweisen und einen hohen Beitrag für die Biodiversität , insbesondere in der Alters – und Zerfallsphase, leisten. Mit dem Vortrag von Herrn David Singer wurden besondere Einblicke in die vor Ort stattgefundenen Untersuchungen zu Lebensräumen der Bewechsteinfledermaus und Spechten gegeben. Vorkommende seltene Tierarten im Forstamt Romrod sind neben den Fledermäusen (Bechstein-Fledermaus und Großes Mausohr) noch Wildkatze, Schwarzstorch, Uhu, Rauhfuß- und Sperlingskauz, Fischadler, Kolkrabe, Raubwürger, Grauspecht und Eisvogel.

Ansprüche an den Wald – Naturschutz und Biodiversität in die forstliche Bewirtschaftung integriert

Wie abschließend mit den Erläuterungen draußen skizziert, hat das Forstamt aus den Modulen Habitatbaumkonzept, Kernflächenkonzept und den Planungen zu den Arten- und Habitatpatenschaften ein lokales Waldnaturschutzkonzept erstellt, bei dem die örtlichen Vertreter der anerkannten Naturschutzverbände beteiligt und eingebunden worden waren.

Ob es gelingt, mit breiter Kommunikation und offenen Dialogprozessen gerade in urbanen Räumen besorgte Bürginnen und Bürger mitzunehmen und Akzeptanz für das Handeln der Waldbesitzer zu finden, muss sich in der Zukunft zeigen. Die vielschichtig geprägte zunehmend postfaktische Gesellschaft von „Fritz Dumm bis zu Hannah Klug“ erfordert vom Förster und Waldbesitzer eine adressatengerechte Kommunikation.

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