Forstverein Rheinland-Pfalz / Saarland e.V.

Die Landesforstvereine - Basis des Deutschen Forstvereins

Deutsche Forstleute zu Gast in Polen

Foto: PTL

Nach dem Besuch polnischer Kollegen im Juni 2016 im Bereich des Forstvereins Rheinland-Pfalz - Saarland im Rahmen eines Austauschprogramm des DFV und der PTL erlebte eine Delegation aus Rheinland-Pfalz - Saarland, NRW und Nordwestdeutschland vom 23. bis 28.Oktober 2016 auf einer gut organisierten und sehr informativen Exkursion die Wälder der Regionalen Direktion der Staatsforste im Bereich der Woiwodschaft Kujawsko-Pomorskie.

Seit 1984 - also bereits "vor der Wende" besteht diese Austauschbeziehung, deren Fortentwicklung vor allem durch Forstoberrat a.D. Hanno Müller-Bothen getragen wurde. Die wechselhafte Deutsch-Polnische Geschichte gibt immer wieder aufschlussreiche Eindrücke und Erlebnisse bei diesen Begegnungen, die über den rein forstlichen Kontakt hinausgehen.

Torun - früher Thorn - beiderseits der unteren Weichsel gelegen versetzte uns durch sein historisches Stadtbild, geprägt durch Backsteinbauten, in vergangene Zeiten. Thorn wurde 1231 als erster Stützpunkt des Deutschen Ordens im Culmer Land angelegt. Die verkehrsgünstige Lage führte bald dazu, dass die Stadt Mitglied der Hanse wurde. Bekannt ist Thorn auch als Geburtsstadt von Nikolaus Kopernikus. Ein guter Einstieg in die deutsch-polnische Geschichte, die uns an vielen Exkursionszielen auch durch touristische Gästeführer vermittelt wurde.

Unser forstliches Exkursionsprogramm war eigebettet in landeskulturelle  Informationen, Stadtführungen in Thorn, Bromberg und Danzig, eine Führung durch die Marienburg des Deutschen Ritterordens, Besichtigung früher Kulturdenkmäler auf dem Lande, wie die röm.-katholische Kirche Ryszewko, eine sehr ansprechende Holzkirche gebaut aus Lärchenholz und der beeindruckenden eiszeitlichen Siedlung Biskupin auf einer Halbinsel des Sees von Biskupin südlich von Bromberg.

Im Mittelpunkt unserer Exkursion stand natürlich der Wald, der in Polen rund 30% der Landesfläche bedeckt, sowie die Organisation der Staatsforstverwaltung Lasy Panstwowe LP. Die Gesamtwaldfläche Polens beträgt 91.000 km2. Die Staatswaldfläche in der Direktion Torun  456.000 ha. Was unsere Kollegen dort tun, kann man vorzeigen. Es existieren klare Zielsetzungen auf forst- und betriebswirtschaftlichen Grundlagen und den europäischen Rahmenrichtlinien für Naturschutz und Zertifizierung.

Es hat uns sehr beeindruckt, dass der Leiter der FD im Rahmen der Begrüßung in der sehr repräsentativen FD Torun ein altes Einrichtungswerk der Preußischen Staatsforstverwaltung mit Worten der Anerkennung für die solide und nachhaltige Arbeit der preußischen Vorgänger auf den Tisch legte.

Mit einem gewissen Stolz auf das Engagement und Können seiner Mitarbeiter stellte er auch fest:

Unsere Förster sind unser größtes Kapital. Zum Kapital darf man auch den guten Pflegezustand der Bestände, die Walderschließung und die zunehmende Mechanisierung der Betriebsarbeiten zählen. Diese Arbeiten werden überwiegend an Unternehmer vergeben.

Die Exkursionsrunde durch die Wälder brachte eine gute Auswahl aktueller Maßnahmen:

-Begutachtung eines Roteichenbestandes

-Wiederaufforstung eines im Jahre 2012 von einer Windhose erfassten Kiefernbestandes (4. und 5. Altersklasse) mit 142.000 fm Schadholz auf dem Standort der größten Sanderfläche in Polen

-Nationalpark Tucheler Heide /Bory Tucholskie, eine wunderschöne durch die Eiszeit geprägte Wald/Seenlandschaft mit Dünen, Sanden, Mooren und Urstromtälern, mit Kiefer und Birke und einer Bodendecke aus Flechten- und Moosbewuchs, touristisches Ziel für  Fahrradtouren, Kanutouren, umfassende Informationen an allen markanten Stellen

-Sehr fortschrittlich: eine Containerbaumschule mit klimatisierten großen Hallen, in denen schwedische BBC-Automaten zur Befüllung der Container im Einsatz sind. In dieser Baumschule laufen Versuche zur Optimierung der Zugabe von Mykorrhiza-Pilzen im Container.

-Im Forstamt Jamy aussichtsreiche Versuche zur Wiedereinführung der Eibe

Auf der gesamten Exkursionsrunde wurden die Probleme, die infolge abnehmender Niederschläge, regional nur 400 mm im Jahr, wodurch vor allem der Schädlingsbefall zunimmt. Ein Schwerpunkt im Forstschutz ist daher der Bau von Wasserrückhaltebecken, um den Wasserabfluss zu verringern.

Ein Besuch im Forsttechnikum ließ den umfassenden und hohen Anspruch in der Forsttechnikerausbildung erkennen. Die Ausbildung ist sehr praxisbezogen. Einen Tag pro Woche findet sie im Wald statt. Darüber hinaus umfasst die 4-jährige Ausbildung jedes Jahr ein zusammenhängendes Praktikum im Wald. Jeder Jahrgang hat maximal 75 Teilnehmer. An der Schule und bei Festen wird Uniform getragen! Das Technikum verfügt über drei Oberförstereien als Lehrreviere. Insgesamt gibt es vier solche Ausbildungsstätten in Polen. Die Absolventen können nach dem Abschluss ihre Ausbildung mit einem Studium der Forstwissenschaft fortsetzen.

Bei allen Waldbildern unserer Exkursion war die konsequente auch kleinörtliche Standortkartierung als Grundlage der waldbaulichen Planung herausgestellt. Waldbau ist kein ideologisches Thema!

Alle Exkursionsteilnehmer denken mit Freude an die spannenden und erlebnisreichen Tage in den weiten Wäldern der herrlichen Landschaften östlich und westlich der Weichsel und danken sehr für die herzliche Gastfreundschaft unserer polnischen Kollegen!

Gerhard Gatzen

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