Forstverein für Nordrhein-Westfalen e.V.

Die Landesforstvereine - Basis des Deutschen Forstvereins

Bericht über die Mitgliederversammlung und Fachtagung des Forstvereins für NRW am 5. Juli 2017 in Essen

• Zukunftsstrategie des Forstvereins auf ganzer Linie bestätigt.

• Führungsteam bei Wahlen deutlich verjüngt.

• Die „Grüne Hauptstadt Europas 2017“ Essen nutzt die Folgen des Sommersturms „Ela“ 2014 mit Beteiligung der Bürger zur aktiven Umgestaltung ihrer Wälder hin zu klimaplastischen Wäldern.

Der Vorsitzende des FVNRW Jörg Matzick dankt den langjährigen Beiratsmitgliedern für ihr Engagement (Foto: Marcus Kühling/DFV).

Tobias Hartung Grün und Gruga - Abt. Waldungen und Baumpflege der Stadt Essen erläutert die Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsprozess „Dem Essener sein Wald“ nach dem Sturm „Ela".

Am 5. Juli 2017 traf sich der Forstverein für NRW zu seiner ordentlichen Mitgliederversammlung im Rathaus Essen-Kettwig und zu einer anschließenden Fachtagung unter dem Titel „Klimaanpassungsstrategie – Was heißt das für den Stadtwald Essen?“

Bei der Mitgliederversammlung wurden diesmal neben den üblichen Regularien die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung, das neue Leitbild und die Zukunftsstrategie des Forstvereins vorgestellt und diskutiert. Am Ende gab es breite Zustimmung zum Leitbild und zu den zu seiner Umsetzung erfolgten Beschlüssen des DFV. Der Forstverein für NRW wird sich insbesondere mit einem Betrag von 500 Euro an der Finanzierung eines professionell gedrehten Imagefilms für den Forstverein beteiligen und Alles daran setzen, das vereinbarte Ziel von 100 Neumitgliedern bis zum Ende des Jahres 2020 zu erreichen. Um jungen potentiellen Neumitgliedern eine Beitrittsentscheidung zu erleichtern, wurde beschlossen, Personen, die sich in Ausbildung befinden und bis 2020 dem Forstverein für NRW beitreten, im Beitrittsjahr Beitragsfreiheit zu gewähren.

Die Wahlen zu Vorstand und Beirat, die nach Ablauf der 4-jährigen Amtszeit satzungsgemäß notwendig wurden, ergaben die Bestätigung des bisherigen Vorstands im Amt für die neue Periode 2017 - 2021. Im Beirat fand eine deutliche Verjüngung statt, nachdem 6 verdiente Beiratsmitglieder nicht noch einmal kandidierten. Der Beirat 2017 / 2021 setzt sich nach der Wahl wie folgt zusammen (W = Wiederwahl):

  • Dr. Norbert Asche (W) h. D. (LVFA Arnsberger Wald, wissenschaftlicher Mitarbeiter)
  • Jörn Hevendehl h. D. (Sauerland, WuH Betreuung, Kontakt zu Freiberuflern und  Sägeindustrie)
  • Armin Hübinger  g. D. (Rheinland, WuH Verwaltungsleiter, Mitglied im Prüfungsausschuss Forstwirte / Forstwirtschaftsmeister)
  • Florian Krumpen h.D. (WuH Zentrale Arnsberg, Holzvermarktung)
  • Ute Messerschmidt (W)  g. D. (Sauerland, WuH Betreuung)    
  • Dr. Nils Redde (W) h. D. (Rheinland, Privatwald)
  • Dr. Michael Röös h. D. (Eifel, Naturschutz im Wald)
  • Roland Schockemöhle  h. D. (Hochstift, WuH Betreuung)
  • Peter Tunecke h. D. (Ruhrgebiet, Kommunalwald, Sprecher der AG Großstadtwald)

Mit einer schriftlichen Grußbotschaft des Essener Oberbürgermeisters Thomas Kufen und der persönlichen Begrüßung durch den Bezirksbürgermeister Dr. Michael Bonmann begann die Fachtagung. Der Projektmanager „Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017“, Herr Sebastian Schlecht erläuterte uns, dass die Wahl zur „Grünen Hauptstadt“ keineswegs nur am Kriterium der vorhandenen Waldfläche oder vorhandener Bäume gemessen wird, sondern an einem 12 Kriterien umfassenden Themenkatalog vom Nahverkehr (z.B. Radschnellweg Ruhr  RS 1) über die Luftqualität bis zur Abwasserwirtschaft (z.B. Emscher Umbau) und Energieeffizienz.

Im ersten Fachvortrag machte der Leiters des Landesbetriebs Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, Herr Andreas Wiebe, deutlich, dass Wald und nachhaltige Forstwirtschaft nicht selbst das Problem, sondern wesentlicher Teil der Lösung des Klimaproblems sind, und belegte dies mit eindrucksvollen Zahlen: Durch Waldwachstum und Holznutzung werden die Klima-wirksamen Emissionen in NRW jährlich um ca. 18 Mio. Tonnen CO2 reduziert, das entspricht 6 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen NRW´s. Dabei sind 78 % dieser CO2-Reduktion auf Effekte der Holznutzung zurückzuführen und nur 22 % auf die eigentliche Wuchsleistung der Wälder! Der Cluster ForstHolz selbst emittiert nur 7,3 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr. Das bedeutet, dass er seine Produkte nicht nur (netto) CO2-frei zur Verfügung stellt, sondern darüber hinaus noch einen bedeutenden positiven Beitrag zum Klimaschutz leistet. Die positiven Effekte liegen beim 2,5-Fachen der eigenen Emissionen. Und das bei gleichzeitiger Erfüllung zahlreicher ökologischer und gesellschaftlicher Funktionen und hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung. Damit entpuppt sich die Forst- und Holzwirtschaft als der einzige Wirtschaftsbereich, dessen Klimaschutzleistung bei Wachstum noch steigt. Forst- und Holzwirtschaft sind besonders vorteilhaft für den Klimaschutz und für ein CO2-freies Wirtschaftswachstum.

Dr. Mathias Niesar, Waldschutzexperte von Wald und Holz NRW und Mitglied der Facharbeitsgruppe im Bürgerbeteiligungsprozess „Dem Essener sein Wald“ appellierte in seinem Vortrag eindringlich an die Teilnehmer, angesichts der von ihm nochmals dargestellten dramatischen Klimaentwicklung ihre Fachkompetenz jetzt dafür einzusetzen, die Gesellschaft von der Notwendigkeit zu schnellem und wirkungsvollem Handeln zu überzeugen.

Der Vorsitzende Jörg Matzick griff die Appelle in der Diskussion auf und richtete nach der Veranstaltung eine entsprechende Botschaft per Pressemitteilung an die Politik und die Öffentlichkeit.

Am Nachmittag führte der Leiter der Abteilung „Waldungen und Baumpflege“ der Stadt Essen, Herr Roland Haering die Teilnehmer im Rahmen der Fachtagung des Forstvereins auf eine Exkursion in den Stadtwald Essen. Einleitend teilte er mit, dass der Stadtwald in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eigens zum Zweck der Erholung der Bevölkerung angekauft wurde.

Im Rahmen der Exkursion stellte Herr Heiner Heile von Wald und Holz NRW mit dem Waldbaukonzept „Wald 2050 NRW“ den Stand der Entwicklung eines Planungswerkzeugs vor, das es Waldbesitzern ermöglichen wird, den passenden Waldentwicklungstyp (WET) bzw. die passenden Baumarten für einen klimaplastischen Wald an dem jeweiligen Standort zu finden. Für den Exkursionspunkt im Stadtwald Essen empfahl er auf den relativ flachgründigen, aktuell bereits mäßig trockenen, aber ordentlich mit Nährstoffen versorgten Böden naturnahe, struktur-reiche Laubholz-Mischbestände mit einem hohen Anteil Trockenheit ertragender Arten wie Kirsche, Traubeneiche oder Edelkastanie.

Die Teilnehmer konnten an den besichtigten Waldbildern erkennen, dass die Entwicklung der natürlichen Verjüngung nach dem Sturm „Ela“ bereits in diese Richtung geht. Allerdings sei bei der Geschwindigkeit, mit der die Klimaerwärmung voranschreitet – die Vegetationszeit ist bereits auf über 160 Tage im Jahr verlängert, der DWD stellte aktuell gerade fest, dass das „Ruhrgebiet so trocken wie nie“ ist -, damit zu rechnen, dass die zurzeit im Stadtwald dominierende Buche bald an ihre physiologischen Grenzen stoßen könnte. Deshalb sei eine verstärkte Einbringung von Traubeneichen durch die Forstwirtschafter zulasten der sich noch natürlich verjüngenden Buche empfehlenswert, um einen klimaplastischen Wald in Essen zu etablieren. Bei einer stärker betriebswirtschaftlichen  Zielsetzung des Waldeigentümers könnte auch mit einer Beimischung der Nadelholzarten Douglasie oder Küstentanne ein klimaplastischer Wald erzielt werden.

Herr Tobias Hartung von der Stadt Essen, Grün und Gruga, Abt. Waldungen und Baumpflege, konnte berichten, dass die Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsprozess „Dem Essener sein Wald“ diese Empfehlungen im Wesentlichen stützen: Über 80 % der Befragten aus 53 Waldnutzergruppen wünschen eine Wiederaufforstung des Waldes nach „Ela“, wünschen sich einen hellen Mischwald, in dem Waldpflege stattfinden soll. Aus den Detailergebnissen entwickelt die Stadt Essen zusammen mit externen Fachberatern ein passgenaues, fachlich fundiertes Waldpflegekonzept, das in die laufende Forsteinrichtung eingearbeitet wird. Tobias Hartung: „Information und Transparenz fördern Vertrauen und erhöhen die Legitimation von Entscheidungsprozessen. Die Stadt Essen hat auf schnelles Handeln verzichtet zugunsten eines Ziel-orientierten und fachlich fundierten Handelns, in dem sich die berechtigten Bürgerinteressen widerspiegeln.“ Dipl. Forstwirt Dr. Martin Gülpen, fachlicher Leiter der „Schule Natur im Grugapark Essen“ stellte uns anhand seiner Einrichtung und des beachtlichen Umfangs an Führungen die große Bedeutung des Themas „Wald- und Umweltpädagogik“ im Essener Stadtwald vor. Im Jahre 1995 als städtische Einrichtung gegründet, leistet die Schule Natur mit 1,5 fest angestellten Kräften, bis zu 6 Praktikanten und 10 freiberuflichen Kursleitern jährlich fast 1.500 Veranstaltungen von Fachführungen über Kurse für Schulen und Kitas, Unterricht in der OGS, Kindergeburtstage, bis zu Ferienprogrammen.

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