Bayerischer Forstverein e.V.

Die Landesforstvereine - Basis des Deutschen Forstvereins

Bericht über die Italienreise des BayFVs vom 09.-16.05.17

Keine Region Europas hat auf so kleinem Raum eine solche Fülle an Sehenswürdigkeiten zu bieten wie die CAMPAGNA, die sich an den Golf von NEAPEL schmiegt. Namen wie CAPRI, SORRENT, NEAPEL, POSITANO, AMALFI oder RAVELLO haben bereits zu Beginn des Italien-Tourismus in den 50-er und 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts das Herz höher schlagen lassen.

Nach dem Hinflug von MÜNCHEN nach NEAPEL am 09.05.2017 (1. Tag) dauerte der Bustransfer nach SORRENT etwas länger als geplant, da die „AMALFITANA“ die kurvenreiche Küstenstraße wie immer überlastet war. Vom Bus aus hatten wir aber bereits schöne Aussichten auf den Golf von NEAPEL und zum VESUV. Da unser Hotel einen schönen Strand hatte, der zumindest zum Sonnenbad einlud, schafften nur einige einen Spaziergang in die nähere Umgebung, der zudem mit einem steilen Aufstieg verbunden war.

Der 10.05.2017 (2. Tag) war für die Besichtigung der Stadt SORRENT (16.000 Einwohner) vorgesehen. Sie thront am Rande der steil ins Meer abbrechenden Hochebene. Der Blick geht auf den Golf von NEAPEL und den VESUV. Prunkvillen, Nobelhotels aus dem 19. Jahrhundert und gepflegte Uferpromenaden bestimmen das Stadtbild. Orangen- und Zitronenbäume zieren Gärten und Umgebung. SORRENT war bereits in der Antike eine beliebte Sommerfrische der römischen Aristokratie. Im 18. und 19. Jahrhundert entdeckten englische Reisende und berühmte Dichter, wie GOETHE, BYRON, IBSEN oder GORKI, die Stadt wieder als begehrtes Reiseziel. Zentrum des Ortes ist die PIAZZA TORQUATO TASSO, so benannt nach dem berühmten Renaissancedichter (1544-1595), der hier geboren wurde. Nicht weit davon steht der SEDILE DOMINOVA, das einstige Versammlungsgebäude des Stadtadels. Heute ist es im Besitz eines Arbeitervereins. Ein weiterer Besichtigungspunkt war der Franziskanerkonvent mit seinem reizvollen gotischen Kreuzgang. Der angrenzende frühere Klostergarten, die heutige VILLA COMUNALE, ist einer der schönsten Stadtparks Italiens. Der Rückmarsch zum Hotel dauerte dann doch etwas länger als geplant und entwickelte sich fast zu einem Abenteuer. Die Reiseteilnehmer, die die Rückfahrt im Bus vorzogen, verzichteten zwar auf ein Erlebnis, ersparten sich aber eine Menge an Abgasen. Das Abendessen im Hotel war jeden Tag hervorragend.

Am 11.05. 2017 (3. Tag) fuhren wir auf der „AMALFITANA“, der schönsten Straße der Welt, so in der Reisebeschreibung vom Reisebüro ZEITLER bezeichnet, zu den nächsten Höhepunkten unserer Fahrt. Zuerst besuchten wir POSITANO (4000 Einwohner). Die reizvolle Kleinstadt schmiegt sich an einen Steilhang. Die kubischen rosa und gelb getünchten Häuser bedecken wie ein Wasserfall das Halbrund des ins Meer abfallenden Hanges. Das Zentrum der Stadt ist verkehrsfrei. Die Gassen und Torbögen bieten einer Fülle von kleinen, luxuriösen Geschäften Raum. POSITANO wurde im Mittelalter als Seefahrerstadt gegründet und stand in Rivalität zum damals mächtigen AMALFI. Wegen seiner exponierten Lage musste es sich oft gegen SARAZENEN-Überfälle wehren. Vom Land her war POSITANO bis ins 19. Jahrhundert nur über Maultierpfade erreichbar. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde der malerische Ort von Künstlern entdeckt. Er zog die Schriftsteller JOHN STEINBECK und STEFAN ANDRES ebenso an wie den Regisseur FRANCO ZEFFIRELLI oder den Architekten LE CORBUSIER. Nach einem Stadtrundgang, bei dem wir auch die Pfarrkirche SANTA MARIA ASSUNTA mit ihrer grün schillernden Majolikakuppel und den alten Fischerhafen besuchten, brachte uns der Bus nach AMALFI.

Die berühmte kleine Stadt liegt wiederum an den Hängen eines zum Meer hin geöffneten Tales. Der Überlieferung nach wurde AMALFI um 320 n. Chr. von schiffbrüchigen Römern gegründet. Im 10. und 11. Jahrhundert war AMALFI eine mächtige Seerepublik mit einem Dogen an der Spitze, vergleichbar den Machtzentren GENUA, PISA und VENEDIG. Wie diese verdankte es seinen Reichtum den Handelsbeziehungen zum Orient. Die Schifffahrtsgesetze AMALFIS, die sog. TABULAE AMALPHITANAE, waren über Jahrhunderte hinweg maßgeblich für das gesamte Mittelmeer. Aber bereits 1131 war es mit der Herrlichkeit der Stadt zu Ende, als es vom normannischen Heer eingenommen und wenig später von PISANERN geplündert wurde. Erst vor etwa 100 Jahren wurde es von Engländern wieder entdeckt. Der heutige Ort besteht aus mehrstöckigen, über- und untereinander verschachtelten Häusern. AMALFI ist so eng und steil, dass es nur über Treppengässchen zu begehen ist. Zu den Hauptattraktionen der Stadt gehört der Dom in der Nähe des Hafens. Der Grundbau stammt aus der arabisch-normannischen Zeit (13. Jhdt), doch nur der Campanile besitzt noch die ursprüngliche Gestalt. Die bunte Fassade ist eine Imitation aus dem 19. Jahrhundert. Das bronzene Mittelportal ist aber noch das Original, das im 11. Jahrhundert in KONSTANTINOPEL gegossen wurde.

Nach einer kleinen Mittagspause ging die Fahrt durch ausgedehnte Weinberge weiter nach RAVELLO. Das Städtchen (2500 Einwohner) liegt wunderschön auf einer Terrasse 300 m  über dem Meer. Das aus seiner mittelalterlichen Glanzzeit maurisch geprägte Stadtbild hat RAVELLO bis heute bewahrt. Die Hauptattraktion des Städtchens ist die VILLA RUFOLO. Sie setzt sich aus einem Komplex von Gebäuden im sizilianisch-arabischen Stil zusammen, die Ende des 13. Jahrhunderts von der Familie RUFOLO errichtet wurde. Die Villa wechselte mehrmals den Besitzer, bis sie 1851 der Schotte FRANCIS N. REID erwarb. Man betritt die Villa durch das Portal eines gedrungenen Turms aus dem 14.Jahrhundert. Durch eine Allee geht es zum eigentlichen Palast, dessen Innenhof mit Kreuzgang im maurisch-sizilianischen Stil ein Kleinod ist. Ebenso sehenswert ist der Garten mit herrlichem Blick auf Küste und Meer. Am 26.05.1880 kam RICHARD WAGNER nach RAVELLO. Er arbeitete damals gerade am „PARSIFAL“ und hatte eine Schaffenskrise. Als er jedoch die VILLA RUFOLO besuchte mit ihrem verwunschenen Gemäuer und ihren überwucherten Höfen, erkannte er in ihr „KLINGSORS ZAUBERGARTEN“. Seine Krise war beendet und RAVELLO ist seitdem eine WAGNER-Stadt mit alljährlichem Sommerfestival. Leider waren wir für die Festspiele noch zu früh im Jahr und mussten die Rückreise zu unserem Hotel antreten. Auf dieser Fahrt nahmen wir den Weg über die Berge und konnte einen Blick auf die Waldwirtschaft der Region werfen. Sie zeigte sich als recht grobe Brennholz-Niederwaldwirtschaft mit beträchtlichen Erosionsschäden.

Mit einer Schifffahrt von SORRENT nach CAPRI begann der 12.05.2017 (4. Tag). Die Seilbahn brachte uns dort in kurzer Zeit vom Hafen auf die Piazzetta inmitten des Städtchens CAPRI. Dörfliche Schlichtheit vermischt sich mit höchster Eleganz. Eine geschlossene Architektur von kleinen sauberen Häusern mit Torbogen, Gässchen, einem Glockenturm und einer flach überkuppelten Kirche, dazu ein Cafe neben dem anderen und erlesene Geschäfte laden zum Flanieren ein. Die Reisegruppe nahm geschlossen an einer Stadtführung teil und teilte sich dann nach den jeweiligen Interessen auf. Eine schöne Wanderung führt von CAPRI zur VILLA JOVIS dem antiken Kaiserpalast des TIBERIUS und auf dem Rückweg zum ARCO NATURALE, einem natürlichen Felsentor, das sich hoch über den Fluten erhebt.

Kaiser AUGUSTUS entdeckte die Insel im Jahre 29 v. Chr. Sie begeisterte ihn so sehr, dass er von ISCHIA nach CAPRI umzog. Sein Adoptivsohn und Nachfolger TIBERIUS regierte von hier das Römische Reich. In den nachfolgenden Jahrhunderten versank CAPRI in einen Dornröschenschlaf. Arme Bauern, Fischer und ab und zu Piraten bewohnten die Insel. Die Wende in CAPRIS Geschichte setzte erst Ende des 19. Jahrhunderts ein, als in ITALIEN verliebte Nordeuropäer das Inselparadies für sich entdeckten. In den Mauerresten des Kaiserpalastes kann man die verschiedenen Vestibüle, Bäder, Loggien und Sklavenunterkünfte erkennen. Das Ausgrabungsgelände erstreckt sich über eine stufenweise angelegte Fläche von etwa 7000 m². Vom höchsten Punkt der Palastausgrabung, dem berüchtigten SALTO DI TIBERIO, ließ der Kaiser angeblich missliebige Gäste, Frevler und unfolgsame Sklaven in das 300 m tiefer liegende Meer hinunterstürzen. Heute ist der Felsen ein großartiger Aussichtspunkt. Ganz oben wird der Palast auch noch von einer hässlichen Betonkirche mit einem monumentalen Kreuz verunstaltet, ein später Triumph des Christentums.

Der Samstag, der 13. 05.2017 (5. Tag) war der Stadt NEAPEL gewidmet. Mit etwa einer Million Einwohnern ist die Hauptstadt KAMPANIENS die drittgrößte Metropole ITALIENS. In traumhafter Lage am Golf, mit uralter Geschichte zu Füßen des VESUVS ist das historische Zentrum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir begannen unseren Spaziergang durch die Altstadt NEAPELS an der berühmten GUGLIA DEL`IMMACOLATA, der Rokoko-Mariensäule, dem Wahrzeichen der Stadt. Von dort ließen wir uns auf der sog. SPACCANAPOLI, der transversalen Straße, von den unzähligen kleinen Geschäften, von abzweigenden, verwinkelten Gassen und dem lebhaften Treiben verzaubern. Von den vielen sakralen Bauten ist besonders der Dom SAN GENNARO in Erinnerung geblieben. Er ist das wichtigste Gotteshaus NEAPELS. In der Mitte des rechten Seitenschiffes liegt die CAPPELLA DI SAN GENNARO. In dieser prachtvoll barock ausgestatteten Seitenkapelle vollzieht sich alljährlich das „Blutwunder“, bei dem sich das in zwei Glasphiolen aufbewahrte Blut des hl. GENNARO, des Schutzpatrons NEAPELS, verflüssigt. Wir hatten das Glück, dass wir dieses heilige Geschehen bei unserem Besuch bestaunen konnten. Auf der VIA SAN GREGORIO ARMENO amüsierten wir uns über die Wandlung der blühenden Krippenindustrie NEAPELS. Zu den auch bei uns bekannten Krippenfiguren aus Holz, Ton, und Gips haben sich inzwischen Gestalten z. B. des Fußballgottes DIEGO MARADONA, des polnischen Papstes JOHANNES PAUL II. sowie anderer berühmter Politiker und Schauspieler gesellt. Die Mittagspause verbrachten wir in der Nähe der berühmtesten Pizzeria der Welt, der L´ANTICA PIZZERIA DA MICHELE. In ihr wurde die „Pizza Margherita“ erfunden. Vor der Rückfahrt besichtigten wir noch von außen das CASTEL NUOVO. Das wuchtige Schloss ließ KARL I. von ANJOU in den Jahren 1279 bis 1282 errichten. Ein Spaziergang durch die elegante GALLERIA UMBERTO bis zum Opernhaus SAN CARLO beendete unseren Besuch.

Eine Fahrt nach PAESTUM am 14.05.2017 (6. Tag) war für mich ein Herzensanliegen, da der berühmte POSEIDON-Tempel in meinem ersten Lateinbuch abgebildet war. DR.SSA ADELE MARESCA führte uns durch das wohl einmalig schöne archäologische Gelände von PAESTUM. Eine Einführung in die Geschichte der Ausgrabungsstätte gab sie uns im Archäologischen Museum. Griechische Kolonisten errichteten im 7. Jahrhundert vor Christus die Stadt POSEIDONIA. Nach 200 Jahren Blütezeit, in der auch die Tempel gebaut wurden, eroberten die LUKANIER das Gebiet. Sie übernahmen die griechische Kultur. Im Jahr 273 vor Christus eroberten die Römer die Stadt. Die Einwohner PAESTUMS gehörten dann zu den treuesten Anhängern ROMS. Der Untergang PAESTUMS geht auf die Versumpfung der Region zurück. Sie wurde zu einer Brutstätte der Malariamücke. Daher wurden die Tempel nicht wie andere antike Stätten als Steinbruch ausgeschlachtet. Als man im 18. Jahrhundert die Mündungsebene des SELE trockenlegte, fand man zwischen hohem Schilf die drei Tempel, die heute neben dem PARTHENON in ATHEN als die schönsten und bedeutendsten griechischen Tempelruinen gelten. Der POSEIDON-Tempel ist von den dreien der imposanteste. Man glaubte, er sei dem Gott des Meeres POSEIDON geweiht, daher auch der Name. Neuere Forschungen ergaben, dass es sich wie bei der sog. BASILIKA, dem Zweiten Tempel, um ein Heiligtum der HERA, der Göttermutter, handelt. Der kleinste der Tempel am nördlichen Ende der VIA SACRA ist der älteste und am schönsten gelegene Tempel PAESTUMS. Er ist der Fruchtbarkeitsgöttin CERES geweiht. Heute ordnet man ihn allerdings der Göttin ATHENE zu.

Höhepunkt und Abschluss der Reise war am 15.05.2017 (7. Tag) die Besichtigung der Ausgrabung von POMPEJI. Unser Reiseleiter PIETRO führte uns zu den beeindruckendsten Stellen der weltweit einmaligen Ruinenstadt. Am 24. August 79 war die Welt für POMPEJI noch in Ordnung. Am nächsten Morgen wurde die Stadt bei einem Ausbruch des VESUVS vollständig unter Lavamassen begraben und damit für die Nachwelt konserviert. Wir gingen durch den Haupteingang, die PORTA MARINA, über die VIA MARINA zum FORUM, dem politischen, religiösen und wirtschaftlichen Zentrum der Stadt. Die wichtigsten öffentlichen Gebäude grenzen daran, so der APOLLOTEMPEL, das größte Heiligtum. Er wurde bereits im 6. Jahrhundert gebaut und unter den Römern stark verändert. Dem Tempel gegenüber liegt die BASILIKA, einst Börse und Gerichtsgebäude. Der ans FORUM angrenzende Bau der EUMACHIA mit Säulenportikus und reliefgeschmücktem Portal war Sitz der Tuchhändler, der wohlhabendsten Zunft der Stadt. Nicht entgehen lassen wollten wir uns das LUPANAR, POMPEJIS Bordell. Für heutige Besucher ist es allerdings kaum noch schockierend.

Auch die Ausgrabungen von HERCULANEUM wollten wir am Nachmittag nicht versäumen. Diese Stadt war ein beliebtes Feriendomizil der römischen Patrizier, aber es war nicht nur ein Urlaubsort, sondern eine lebendige Stadt mit etwa 5000 Einwohnern bis es unter den Asche- und Lavamassen begraben wurde. Die Stadt geriet in Vergessenheit und wurde erst ab 1927 systematisch ausgegraben. Nirgendwo kann man sich den Alltag der Römer besser vergegenwärtigen als hier. Ein Netz rechtwinklig sich kreuzender Strassen durchzieht die Ruinenstadt. Wir besuchten die CASA DELL`ATRIO A MOSAICO, die eine Reihe von reich ausgeschmückten Wohnräumen und in ihrem Atrium einen Mosaikfußboden bewahrt, weiterhin die CASA DEL TRAMEZZO DI LEGNO, das Haus mit der hölzernen Scheidewand, eines der am besten erhaltenen Wohnhäuser der Antike. Die THERMEN aus dem Jahr 10 v. Chr. geben einen großartigen Einblick in die Badekultur der RÖMER. Die Anlage ist aufgeteilt in ein Männer- und ein Frauenbad. Dem Umkleideraum mit Marmorsesseln sind das Frigidarium ( Kaltwasserbad ), sowie das Tepidarium (Warmwasserbad) und ein Waschraum angegliedert. Stuckverzierungen, Mosaikböden und Wandbemalung verleihen dem Bad Eleganz. In der CASA DEL NETTUNO, die einem Weinhändler gehörte, kann man im Erdgeschoss die für den Verkauf nötigen Geräte besichtigen, sogar die Preisliste ist noch angeschrieben.

Am Abend nahmen wir Abschied von unserem schönen Hotel am Strand von SORRENT.

Am 26.05.2017 (8. Tag) flogen wir voll von schönen Erinnerungen zurück nach MÜNCHEN. Ein Dankeschön am Ende Reise geht wieder an unser Reisbüro ZEITLER für die Vorbereitung und Durchführung sowie an den italienischen Reiseleiter PIETRO, der uns wieder zeigte, warum wir Italien immer noch oder immer wieder lieben.

Bericht von Hubert Berghammer, Bild von Peter Dörffel                   

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