Deutscher Forstverein e.V.Aktuelles

Wälder, Fjorde, Nationalfeiertag - der TFV unterwegs in Norwegen

Exkursionsbericht

Die fantastische Landschaft Norwegens wird geprägt von Fjorden, Bergen und - Wäldern. Zwanzig Mitglieder des Thüringer Forstvereins wollten genauer wissen, wie die Wälder dort aussehen und bewirtschaftet werden. Sie reisten vom 15. bis 23. Mai 2025 zunächst in die alte Hansestadt Bergen in Westnorwegen. Der fachliche Teil der Exkursion begann mit der Besichtigung von Bryggen, den als UNESCO-Weltkulturerbe ausgewiesenen Holzbauten im Hafen von Bergen aus der Hansezeit. Der Erhalt und die Restaurierung der Holzhäuser mit traditionellen Methoden wurde vorgestellt. Von dort aus ging es mit einer Zahnradbahn auf den Hausberg Fløyen und weiter in den Stadtwald. Die Bäume gehören einem Forstverein (Stiftung), die sich um den Wald und die Erholungseinrichtungen darin kümmert.

 

Wohlhabende Bürger haben sich vor über 100 Jahren um die Wiederbewaldung der überweideten Hänge gekümmert und damit den Grundstein für die Stiftung gelegt. In der zweiten Tageshälfte ging es mit dem Bus zu einem Privatwaldbesitzer (der weitaus größte Teil der 12 Mio. ha Wald in Norwegen - davon 8,5 Mio. ha Wirtschaftswald - ist Privatwald). Ein Thema war u.a. der Vergleich von Fichte und Sitka-Fichte. Letztere ist in der Wuchsleistung der Fichte deutlich überlegen, aber der Anbau ist umstritten. Ansonsten ist die Bewirtschaftung einfach gehalten: Pflanzen, ggf. anschließende Pflege und nach mehreren Jahrzehnten ohne Maßnahmen Kahlschlag und Neupflanzung.

 

Der zweite Exkursionstag in Bergen führte die Gruppe zu einem Gemeindeförster. In kombinierten Ämtern für Land- und Forstwirtschaft sowie weiteren Belangen des ländlichen Raumes sind die Gemeinden für Beratung und Betreuung der Waldbesitzenden zuständig. Sie werden beaufsichtigt von einer Staatsverwaltung als Außenstellen des Ministeriums. Der oberste für Wald zuständige Mitarbeiter dieser Behörde in Bergen stammt aus Deutschland und hat bei der Organisation der Exkursion maßgeblich unterstützt. Auch der Gemeindeförster hat seine Wurzeln in Deutschland. Er zeigte den Exkursionsteilnehmern Wegeneubau, Nutzung im Schutzwald an Hängen und Verschiffung von Rundholz statt lokaler Wertschöpfung. Er führte die Gruppe zu einem 70-jährigen Waldbesitzer, der viel Interessantes über die Veränderung von Land-, Forstwirtschaft und dem Leben auf dem Land im Laufe der Jahrzehnte berichten konnte.

Zwischen diesen beiden Exkursionstagen lag ein Wochenende mit Samstag, dem 17. Mai, dem Nationalfeiertag Norwegens. Es ist der wichtigste Tag des Jahres für die Norweger und wird entsprechend begangen. Festlich gekleidet feiert das gesamte Land mit Umzügen und vielen weiteren Veranstaltungen. Bergen rühmt sich damit, die regenreichste Stadt Europas zu sein. Der muss zu anderen Zeiten fallen, die Mitglieder des Thüringer Forstvereins verbrachten 5 Tage dort bei wolkenlosem Himmel und Sonne von früh bis spät in den Abend.

Mit der Bergenbahnen ging es dann von Bergen nach Oslo. Der Zug muss dabei einen Höhenunterschied von 1.200 Metern bewältigen. Die etwa 7-stündige Zugfahrt begann im Frühling und je höher es in die Berge ging, desto winterlicher wurde die Berglandschaft. Oben angekommen, waren links und rechts neben der Bahnstrecke nur noch Gletschereis und zugefrorene Bergseen. In Oslo war man dann im Spätfrühling zurück.

Im nahegelegenen Ås befindet sich der Teil des Norwegischen Instituts für Bioökonomie (NIBIO), der sich mit Wald und Forstwirtschaft beschäftigt. In verschiedenen Vorträgen wurden Fakten zum Wald, die nationale Forstinventur und Besonderheiten der nationalen Forstwirtschaft präsentiert. Ein Besuch der Sportstätten am Holmenkollen rundete den Tag ab. Eine fachliche Wanderung zu den Themen Erholungsnutzung und naturnaher Waldwirtschaft mit dem Förster durch den Osloer Stadtwald am nächsten Tag war der letzte Programmpunkt. Danach gab es noch Zeit, die zahlreichen Sehenswürdigkeiten in Oslo zu erkunden.

Dr. Andreas Niepagen, TFV