Deutscher Forstverein e.V.Aktuelles

SFV: Bericht zur Exkursion des Forstvereins im Revier Naunhof-Harthwald des Forstbezirks Leipzig

Zusammenfassung

An die Mitgliederversammlung des Sächsischen Forstvereins e.V. schloss sich am Samstag, den 25.10.2025, eine Exkursion in das Revier Naunhof-Hardtwald des Forstbezirkes Leipzig unter der Leitung von Hr. Mathias Stahn (Leiter Staatsforstbetrieb) an. Ergänzt wurden die Ausführungen durch den zuständigen Leiter des Reviers Naunhof-Hardtwald, Hr. Carsten Pitsch.

Dargestellt wurde, dass mit zunehmender Trockenheit infolge klimatischer Veränderungen und anthropogener Entwässerungen in der Partheaue Vitalitätsverluste an auch für den Naturschutz ganz wesentlichen Baumarten wie den Eichenarten einhergehen. 

Ebenso wurde die Herausforderung der vorbezeichneten Entwicklungen bei der forstlichen Bewirtschaftung besprochen, welche der naturschutzkonformen Erhaltung von kulturabhängigen FFH-Lebensraumtypen im interspezifischen Konkurrenzgefüge dienen soll. Dabei waren arbeitsschutzfachliche Aspekte und die forsttechnisch umweltschonende Umsetzung von Maßnahmen auf befahrungssensiblen Standorten wesentliches Thema, welche vor dem Hintergrund von Auseinandersetzungen mit einer Laienöffentlichkeit in Ballungsräumen diskutiert wurde.

Aufgezeigt wurde zudem die Umsetzung von baum- und strauchartenreichen Erstaufforstungen mit Hilfe alternativer Finanzierungsmöglichkeiten (Ökopunkte) zur Erhöhung des Bewaldungsprozentes im unterdurchschnittlich bewaldeten Ballungsraum Leipzig.

Betont werden konnte ferner die Bedeutung der Roteiche für den Walderhalt und damit die Waldfunktionen im nordwestsächsischen Hügelland und als wuchskräftige Baumart zur Erweiterung der Eichenholzproduktionsfläche auf nur ziemlich armen oder mäßig nährstoffversorgten Standorten.

Abschließend wurde eine gelungene Dickung der Türkischen Baumhasel als eine das enger werdende Baumartenspektrum ergänzende Hart- und Edellaubholzart besichtigt.

 

Einleitung

Anlässlich dieser Veranstaltung bewegten sich die Exkursionsteilnehmenden in der Standortsregion des Hügellandes, im Wuchsgebiet 24 Leipziger Sandlöß-Ebene und im Wuchsbezirk 2402 Delitzsch-Naunhofer Sandlöß-Ebene (Schwanecke & Kopp 1996).

Der Naunhofer Forst weist 700 ha Staatswald auf. Mineralische Nassstandorte dominieren. Über 90 % der Standorte weisen eine mäßige Nährstoffversorgung (Stamm-Nährkraftstufe M) auf. Nur 7 % der Standorte sind kräftig (Stamm-Nährkraftstufe K). An den im Rahmen der Exkursion aufgesuchten Forstorten herrscht ein Lindhardter Flachdecklöß-Humusstaugley (Li.LG) vor, der teilweise von einem Lonnewitzer Schwemmlehm-Humusstaugley (Lo.LG) flankiert wird. Übersetzt in die waldbauliche Auswerteeinheit handelt es sich hierbei in der alten Lesart um feuchte, mineralische Nassstandorte der trockenen Unteren Lagen des Hügellandes (Ut-N…2). In ersterem und damit weit überwiegendem Fall der Exkursionspunkte ist eine mäßige (Ut-NM2) und in letzterem Fall eine kräftige Nährstoffversorgung (Ut-NK2) zu verzeichnen. Ende der 1990er Jahre wurden diesen Stamm-Standortsformengruppen die natürlichen Waldgesellschaften des Hainbuchen-Eichenwaldes in der Zittergrasseggen- (Ut-NM2) bzw. kräuterreichen Ausbildungsform (Ut-NK2) zugeordnet (Schmidt et al. 1998).

Die Zehnjahresplanung sieht für das Revier einen Gesamteinschlag > 40 Tfm vor, der vorwiegend durch Überführungen realisiert werden soll. Der Überlagerungsfaktor der Waldfunktionenkartierung beträgt 3,7.

Exkursionspunkt 1: Trockenheit und Grundwasserabsenkung am Beispiel der Parthe

Nachlassende Vitalität von Waldbeständen infolge von Standortveränderungen

Zuerst kamen die sächsischen Forstleute an dem trockenliegenden Fluss Parthe zum Stehen. Dort erläuterte Hr. Stahn, dass die gemessenen Niederschlagswerte seit dem Jahr 2018 unter den jeweiligen langjährigen Mitteln der beiden jeweils 30 Jahre umfassenden Klimaperioden 1981 bis 2010 und 1991 bis 2020 liegen. Zur Erinnerung sei hier hintenangestellt, dass sich diese beiden Klimaperioden mit 20 Beobachtungsjahren und dadurch zu jeweils zwei Dritteln ihres Betrachtungszeitraums überlappen. Diese allerdings nicht zu verkennenden Niederschlagsdefizite führen hier gleichzeitig mit höheren Verdunstungsraten infolge höherer Temperaturen zumindest bei Altbäumen der Arten Rotbuche (Fagus sylvatica L.) und Stieleiche (Quercus robur L.) sowie der Gattung der Ahorne (Acer spec.) zu teils erheblichen Vitalitätseinbußen bis hin zum allmählichen Absterben. An diesem Exkursionspunkt stirbt demnach die auch aus naturschutzfachlichen Aspekten abgeleitete, eigentliche Zielbaumart Eiche ab. Eichenwickler (Tortrix viridana L.) und Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatusFabricius) tragen als Schädlinge an den Eichen zu diesem Absterbeprozess der Eichenbestände in nicht unerheblicher Weise bei. Absterbeerscheinungen in Eichenbeständen führen im Allgemeinen dazu, dass sich private Waldbesitzende dazu entschließen, ihre als Sparkasse vorgehaltenen Eichenbestände zur Ernte von Eichenwertholz für die Submission nun anzufassen, um nicht dabei zuzuschauen, wie diese Eichen durch den Schadensfortschritt, dabei insbesondere durch den Eichenkernkäfer (Platypus cylindrus Fabricius), an ihrem Wert verlieren. Diese Absterbeprozesse sind Ausdruck der Witterungsbedingungen und menschlichen Einflussnahme durch u.a. Stoffeinträge und Wasserregulierung. 

In der Fläche des Reviers sprechen beispielsweise Anwohner davon, dass ihre Brunnen erst ab einer Tiefe von 2,00 m Wasser führen. Allerdings muss hier auch gefragt werden, wie lange die Anwohner den tief stehenden Wasserpegel in ihren Brunnen schon beobachten können. Möglicherweise handelt es sich nur um eine recht kurze Periode, sodass es sich um eine „Momentaufnahme“ handeln könnte. Nichtsdestoweniger können unterschiedliche, aber zusammen ungünstig wechselwirkende Standortfaktoren insbesondere dann die Waldbestände negativ beeinflussen, wenn zusätzlich zu klimabedingten Veränderungen auch noch menschliche Eingriffe in den Wasserhaushalt erfolgen.

Im Gesamttrend können sich diese beschriebenen Umweltveränderungen insbesondere in jüngerer Vergangenheit aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Änderungsrate auf die Waldbestände auswirken. Die Baumindividuen sind innerhalb der Grenzen ihrer physiologischen Amplitude nicht mehr hinreichend genug dazu imstande, um mit der Intensität der Änderungen (Graßl 2007; Petercord et al. 2025), insbesondere mit den Extremereignissen (Profft & Frischbier 2008), Schritt zu halten. Diese klimatisch induzierten und anthropogenen Erscheinungen konnten uns am Beispiel der Eichen an dem Exkursionspunkt gezeigt werden. Die Fortschreibung der bisherigen Klimastufe VI (römisch sechs = sommerdürr bis stark sommertrocken & sommerwarm bis mäßig warm) ergibt im Zuge von Klimaprojektionen bei Zugrundelegung der zehnjährigen Klimaperiode des Zeitraums von 2011 bis 2020 für die Region um Leipzig die zukünftige Klimastufe VIII (römisch acht = sommerdürr bis stark sommertrocken & submediterran). In Analogie zu europäischen Landschaften, in denen bereits heute solche für Sachsen erst für die Zukunft in Teilen prognostizierten Klimaverhältnisse vorherrschen, treten möglicherweise als Leitwaldgesellschaften Hainbuchen- und mediterrane Eichenwälder im Raum Leipzig auf (Gemballa 2024). In Anbetracht der von Gemballa (2024) aufgezeigten für die Zukunft prognostizierten Standortsverhältnisse und die sich mutmaßlich einstellenden Waldgesellschaften (z.B. Hainbuchenwälder), wird durch die vor Ort wirtschaftenden Forstmänner in der Tat festgestellt, dass sich die Hainbuche (Carpinus betulus L.) nach deren Beobachtungen vermehrt auszubreiten scheint. Bezogen auf die in Zukunft zu treffenden Baumartenwahlentscheidungen werden durch einen Exkursionsteilnehmenden zudem die beiden Eichenarten, Flaumeiche (Quercus pubescens Willd.) und Zerreiche (Quercus cerris L.), in die Diskussion eingebracht. Zu diesen Baumarten wären folgende Informationen auszuführen:

Flaumeiche

Dort, wo Flaumeichen bislang überhaupt vermehrt vorkommen (Süd-, Südosteuropa), wurde diese Baumart im Wesentlichen im Niederwaldbetrieb bewirtschaftet (Leibundgut 1984, Bussotti 1998, Avila et al. 2021). Die für die Flaumeiche angegebene Umtriebszeit für diese Betriebsart in Höhe von ungefähr 40 bis 60 Jahren (Leibundgut 1984) liegt für Niederwälder im Allgemeinen trotz Abhängigkeit von Baumart und deren Wiederausschlagvermögen vergleichsweise hoch (Mölder et al. 2021: 10-40 Jahre, Offenberger et al. 2015: 15-30 Jahre, Schuler 2001: 30-40 Jahre). Dies mag in der schwachen Wuchskraft der Baumart Flaumeiche (Leibundgut 1984) gegenüber Stiel- (Quercus robur L.), und Traubeneichen (Quercus petraea [Mattuschka] Lieblein, Anonymus 2002) oder in dem geringeren Stockausschlagvermögen (MAYER 1977, 1984, 1992, Avila et al. 2021) begründet sein. Die geringe Wuchsleistung lässt sich darüber hinaus vermutlich über das Vorkommen auf trockenen bis sehr trockenen Standorten (Roloff & Grundmann 2008) erklären, auf welchen sich diese im Allgemeinen konkurrenzschwache Baumart gegenüber anderen Baumarten zwar noch behaupten kann (Lieven et al. 2025), sich gut eignet (Roloff & Grundmann 2008) und sich beispielweise gegenüber der Waldkiefer (Pinus sylvestris L.) bei für diese ungünstiger werdenden Umweltbedingungen durchsetzen kann (Rigling et al. 2006). Die standörtliche Begrenztheit des Umweltfaktors Wasser wirkt sich damit einerseits auf eine Konkurrenzverschiebung zugunsten der Flaumeiche und andererseits aber auch auf eine geringe Wuchsleistung der Flaumeiche auf diesen Standorten aus. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die zur Bestimmung der Massenleistung erfassten Bestände der Flaumeiche oftmals degradiert wurden und deshalb in ihrer Wuchskraft anthropogen zurückstehen (Bussotti 1998).

Naturschutzfachlich relevante Aspekte sind zum einen die aus der nacheiszeitlichen Wiederausbreitung in der frühen Eichenmischwaldzeit stammenden Reliktbestände auf warmen karbonatischen Standorten (MAYER 1977, 1984, 1992), welche die Baumart auf Deutschland bezogen als einheimische Baumart gelten lassen. Demgegenüber gilt die Baumart beispielsweise in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein nicht als standortheimisches Gehölz (Schmidt & Wellhäuser 2025), weil sich in diesen Bundesländern keine derartigen Reliktbestände finden lassen. Andererseits ist die Hybridisierung zwischen der Flaumeiche und der Stiel- und insbesondere der Traubeneiche (Aas et al. 2007, Kätzel et al. 2012) im Hinblick auf die genetische Artintegrität der einzelnen Arten zu erwähnen. Dies gilt es vor der waldbaulichen Einbringung der Baumart zu bedenken. Allerdings weisen Höltken et al. (2012) in ihrer Studie zu den einheimischen Eichenarten nach, dass die zwischen Flaum-, Stiel- und Traubeneiche bestehenden Reproduktionsbarrieren zwar eine Hybridisierung zulassen. Dies geschieht allerdings nicht in dem bisher angenommenen Maße, bei dem die genetische Artintegrität der drei Arten komplett in Frage zu stellen wäre.

Die holzphysikalischen Eigenschaften der Flaumeiche schränken die Verwendbarkeit abseits des Brenn- und Pfahlholzsortiments ein. So ist die Holzart zu hart, um als Schnitt- oder Furnierholz Gebrauch zu finden (MAYER 1977, 1984, 1992, Leibundgut 1984). Das Holz verzieht sich leicht (Bussotti 1998) und weist keine gute Bearbeitbarkeit auf (Pasta et al. 2016 zit. nach Avila et al. 2021). Mayer (1977, 1984, 1992) und Aas et al. (2007) gehen davon aus, dass die Flaumeiche zu Bauholzqualität erzogen werden kann. Im Gegensatz dazu schließt Bussotti (1998) diese Holzart aufgrund ihrer Eigenschaften zumindest als Konstruktionsholz aus. Aufgrund des nur reliktischen Vorkommens in Deutschland spielt das Holz bislang kaum bis keine Rolle. Allerdings auch dort, wo die Baumart häufiger vorkommt, beschränkt sich dessen Bedeutung eher auf forstliche Nebennutzungen sowie in der Gewährleistung der Schutzfunktion des Waldes (Anonymus 2002, Avila et al. 2021, Lieven et al. 2025). Die Spätfrostempfindlichkeit der Flaumeiche könnte allerdings ein für deren Etablierung und Wachstum limitierender Faktor sein (Anonymus 2002, Avila et al. 2021). Denn Spätfröste werden trotz der prognostizierten Klimaveränderungen voraussichtlich auch weiterhin in Mitteleuropa auftreten (Pluess et al. 2016, Lotze-Campen et al. 2023). Zwar können Spätfröste auch bei der Flaumeiche durch proleptische Ersatztriebe im Juni ausgeglichen werden (Bussotti 1998). Allerdings wird dennoch die Empfehlung abgegeben, dass auch weiterhin nur frostunempfindliche Baumarten aus Süd- oder Südost- in Mitteleuropa angebaut werden sollten (Profft & Frischbier 2008). 

 

Zerreiche

Zur Zerreiche besteht ein ebenso uneinheitliches Meinungsbild unter Forstleuten. Aus Sicht von einzelnen Forstpraktikern genügt die Zerreiche deren Erfahrung nach nicht den Qualitätsansprüchen der Holzverwender, weil die Stämme eher krummwüchsig sein sollen. Demgegenüber gibt es Darstellungen darüber, dass zwar häufig durchaus annehmbare Stammformen zustande kommen. Da das harte und schwere Holz zum Verziehen neigt und leicht reißt, ist es allerdings weniger als Bauholz geeignet (Leibundgut 1984). Wiederum demgegenüber wird dargestellt, dass Zerreichen- als Bauholz nicht nachgefragt sei. Es findet stattdessen Verwendung als Schreinerholz zur Fertigung von Särgen sowie als Furnier- und Industrieholz zur Plattenproduktion (Mayer 1977, 1984, 1992). Aas et al. (1992, 2007) erwähnen, dass das Holz der Zerreiche zumindest eine Bauholzqualität erreichen könne. Allerdings ist dies sicher auch davon abhängig, welchem Ausgangsmaterial das Forstvermehrungsgut entstammt und wie die Zerreichenbestände angebaut und nachgängig waldbaulich erzogen werden. 

Vor dem Hintergrund der prognostizierten Klimaveränderungen im nordostdeutschen Tiefland ist es ein Vorteil, dass die Zerreiche auf unterschiedlichen standörtlichen Verhältnissen erwachsen kann (Leibundgut 1984, Aas et al. 1992, 2007, Avila et al. 2021, Lieven et al. 2025). Sowohl karbonatisch als auch silikatisch geprägte Standorte sind hierfür grundsätzlich möglich (Aas et al. 1992, 2007, Lieven et al. 2025). Insbesondere soll die Zerreiche den Anbau auf „(trockenen, basen- und, Aas et al. 1992, 2007: 427) nährstoffarmen, mäßig sauren, sandigen(-kiesigen, Mayer 1977, 1984, 1992) Böden“ (Aas et al. 1992, 2007, Lieven et al. 2025: 272) und „warmen und trockenen als auch an niederschlagsreichen, jedoch sommerwarmen Standorten“ (Leibundgut 1984: 101) vertragen können. In Südeuropa erlangt die Baumart aufgrund der Verwendbarkeit auf Aufforstungsflächen unter trockenen und warmen Verhältnissen größere Bedeutung (Leibundgut 1984). Zusammen mit der Flaumeiche, mit welcher sich die Zerreiche das Verbreitungsgebiet überwiegend teilt, gehört die Zerreiche zu den Verbandsbegleitarten der submediterranen und mediterranen Hopfenbuchenwaldgesellschaften (Orno-OstryonTomz. 1940; Aas et al. 1992, 2007) und findet sich zusätzlich in den Flaumeichenwäldern wieder (Leibundgut 1984). Hinsichtlich des Potentials zur Invasivität vertreten Lieven et al. (2025) die Auffassung, dass die untersuchten Vorkommen keine Invasivität erwarten lassen. Mayer (1977, 1984, 1992) hingegen führt an, dass die Zerr- die Traubeneiche verdrängen kann. Die zuerst genannte Baumart soll demnach raschwüchsiger sein und häufiger fruktifizieren als die zuletzt genannte Baumart. Aufgrund dieser beiden Aspekte soll die Zerreiche invasiv auftreten können, wenn die Wilddichte im Gebiet zu hoch sei (Mayer 1977, 1984, 1992).

 

 

 

 

 

Exkursionspunkt 2: Schadgesehen in der heimischen Eiche - Schwierigkeiten der Bewirtschaftung des Altholzblocks im Revierteil Lindhart (Absterbeprozesse und Arbeitsschutz)

Bei dem nächsten Exkursionspunkt erwartete die Teilnehmerschaft ein Waldbild, das sich im Hinblick auf die Zuordnung zu FFH-Waldlebensraumtypen als subatlantischer oder mitteleuropäischer Stieleichenwald oder Eichen-Hainbuchenwald (Carpinion betuli) identifizieren lässt. Hierzu passen auch die abiotischen Standortfaktoren. Diese lassen sich bislang überwiegend im Naunhofer Forst und im begangenen Exkursionsgebiet als feuchte, mäßig nährstoffhaltige, mineralische Nassstandorte der trockenen Unteren Lagen des Hügellandes (Ut-NM2) charakterisieren. Im Waldbild lassen sich Stieleichen (Quercus robur L.) als Hauptbaumart, Hainbuchen als Mischbaumart sowie Bergahorn (Acer pseudoplatanus L.) und Gemeine Esche (Fraxinus excelsior L.) als Nebenbaumarten im Oberstand, teilweise als stehendes Totholz, finden. Ausschließlich den möglicherweise übernahmewürdigen Unterstand betrachtend stocken darin die Hauptbaumart Bergahorn, die Mischbaumart Hainbuche und die Nebenbaumarten Winterlinde (Tilia cordata Miller), Rotbuche und Gemeine Esche. Der im Wirtschaftsbuchauszug als nicht übernahmewürdig angesehene Spitzahorn (Acer platanoides L.) ist im Unterstand präsent. Daraus folgernd hat sich die Verjüngungssituation bereits zu Ungunsten der Stieleiche entwickelt, weil sich diese bislang noch nicht in nennenswertem Maß im Unterstand etabliert hat. Trotz dieses skizzierten Waldbildes wurde die Waldfläche im Rahmen der FFH-Lebensraumkartierung als Hartholz-Auenwald (Querco-Ulmetum minoris, FFH-Code: 91F0) eingestuft, obschon sowohl der vorbezeichnete Standort als auch die gegenwärtige Baumartenzusammensetzung eher für Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald sprechen, der dann bestenfalls zur oberen Hartholzaue zählen dürfte (Roeder et al. 2021). Die am Exkursionspunkt aufgesuchte Teilfläche wird fast zur Hälfte durch einen Lonnewitzer Schwemmlehm-Humusstaugley mitgeprägt. Demnach lässt sich auf von fließendem Wasser eingetragenen und damit auf an der Standortsgenese beteiligten Substrate schließen. Wie sich allerdings das Überflutungsregime in der Vergangenheit darstellte sowie sich gegenwärtig, geschweige denn zukünftig, gestalten wird, kann hier nicht weiter behandelt werden.  

Im Hinblick auf den waldbaulichen Umgang mit der Bestandssituation rief der Exkursionsleiter noch einmal in Erinnerung, dass es bis Anfang / Mitte November die Zeit braucht, bis das Laub gefallen ist und die Holzernte im Laubholz auf den mineralischen Nassstandorten beginnen kann. Laut Holzerntetechnologierichtlinie sind beim Einsatz von Harvestern und Forwardern auf stark eingeschränkt befahrbaren Standorten (Befahrbarkeitsklasse 3) Moorboogiebänder bereitzuhalten. Diese sind dann einzusetzen, wenn eine „geringe[.] Tragfähigkeit des Bodens (vorliegt, die) Hangneigung [.] (mehr als) 20 % (beträgt, eine) hohe[.] Bodenfeuchte (festzustellen ist oder eine) beginnende[.] Gleisbildung (Richtwert ca. 10 cm)“ (Flechsig et al. 2006: 16) zu verzeichnen ist. Die vorgefundenen Standortsverhältnisse erfordern der Einschätzung der Forstkollegen zufolge den Einsatz von Moorboogiebändern. Diese Bänder setzen sich den örtlichen Erfahrungen nach bei den vorkommenden Böden mit Lehm zu. Die Waldwege werden beeinträchtigt, da der Lehm sich mit der Deckschicht des Weges verbindet und diesen „aufwickelt“. Dies wird von Erholungssuchenden als Hindernis wahrgenommen. Aufgrund von unter anderem hieraus erwachsenden Konflikten mit örtlich Wohnenden wurde bereits ein Runder Tisch etabliert, um Konflikte im Gespräch miteinander zu schlichten. Zusätzlich zu den externen Anforderungen der lokalen Bevölkerung sind darüber hinaus auch weitere interne Vorgaben zu beachten, welche den Handlungsspielraum fachlich untersetzt für die vor Ort Wirtschaftenden weiter einschränkt. Bei der Befahrbarkeitsklasse B3 (stark eingeschränkt befahrbar, siehe auch oben) und die Sensibilitätsklasse S2 (sensibel) gelten zudem vorgeschriebene Gassenabstände von größer gleich 40 m (Flechsig et al. 2006). Dies macht das motormanuelle Zufällen der Bäume in Richtung der Gassen notwendig, sofern tatsächlich mit Harvestern gearbeitet werden sollte. 

Außerdem gibt beispielsweise auch die Totholzmatrix des Staatsbetriebes Sachsenforst Vorgaben vor, welche die Ernteverfahren in den Beständen arbeits- und naturschutzfachlich gesehen notwendigerweise, aber zusätzlich einschränken. Da sich die Waldbestände durch das Schadgesehen bestenfalls in instabilem Zustand befinden, haben die Holzerntemaßnahmen in diesen Beständen der Risikostufe 2 seilwindengestützt oder mit Funkfällkeilen zu erfolgen. Bei der Fällung darf zudem nicht in Richtung Totholz oder in die Nähe von Totholz gefällt werden. Der Waldbestand weist bereits stehendes Totholz auf, weshalb diese Vorgehensweise auch einschlägig ist. Nichtsdestoweniger spielt Totholz für den Stoff- und Wasserkreislauf eine Rolle in Waldökosystemen, über welche Hamm (2024) einen kompakten, lesenswerten Überblick gibt. 

Aufgrund der Bedeutung von Biotopbäumen und Totholz im Rahmen einer multifunktionalen Forstwirtschaft hat der Staatsbetrieb Sachsenforst federführend ein Biotopbaum- und Totholzkonzept für den Landeswald entwickelt, um die landeseigenen Liegenschaften aktiv zur Lebensraumgestaltung für Flora und Fauna zu nutzen. Dieses Konzept sieht grundsätzlich neben Flächen für die natürliche Waldentwicklung (NWE10) sowohl sogenannte Biotopbaumgruppen (BBG) als auch Einzelbäume vor. Letztere können dabei als stehendes Totholz bzw. Hochstubben ausgeprägt sein. Das Konzept legt ganz konkret die Absicht dar, dass in den Landeswaldrevieren für gewöhnlich Biotopbaumgruppen ausgewiesen werden. Aus vor allem waldschutzfachlichen Gründen können in nadelholzgeprägten Revieren oder Revierteilen im Ausnahmefall stattdessen Einzelbäume erhalten werden (Anonymus 2024). Innerhalb der Biotopbaumgruppen sollen einerseits Alters- und andererseits Zerfallsphasen (vgl. Scherzinger 1996) ermöglicht werden, weshalb innerhalb dieser Gruppen auch keine waldbaulichen Eingriffe mehr stattfinden. Perspektivisch entwickelt sich aus den idealerweise schon an Mikrohabitaten reichen, aber noch vitalen Bäumen je nach Baumart über die Zeit stehendes Totholz, welches dann auch ein Arbeitsschutzrisiko darstellt. Deshalb müssen diese Biotopbaumgruppen unter anderem auch von drei Seiten nach außen hin markiert werden (Anonymus 2024), damit dies auch ersichtlich ist. Bei einer solch regelmäßigen Vorgehensweise wird demnach das Arbeitssicherheitsrisiko schon berücksichtigt, welches mit dieser Gruppenausweisung räumlich konzentriert und im Umkehrschluss außerhalb dessen gesenkt wird. Hamm (2024) führt zudem aus, dass in den Bereichen zwischen Biotopbaumgruppen anstelle von stehendem, liegendes Totholz verbleiben oder sogar angereichert werden könne, womit das dortige, zuvor vom stehenden Totholz ausgehende, Arbeitsschutzrisiko vermindert würde.

Bezogen auf die Etablierung von stehendem Totholz brachte ein weiterer Teilnehmer die Eingabe in die Diskussion, dass Birken (Betula spec.) nicht langfristig als stehendes Totholz dienen können, weil diese innerhalb weniger Jahre nach dem Absterben faul werden und zusammenbrechen. Trotz der üblichen Zuordnung der Gemeinen Birke (Betula pendula Roth) zu den Weichlaubhölzern zählen Knoche & Ertle (2020) diese Laubholzart zu den Hartlaubhölzern. Tatsächlich weist diese Holzart eine mittlere Darrtrockendichte in Höhe von 0,61 g · cm-3 (Wagenführ & Scheiber 1985) auf und dürfte bezogen auf diese eine physikalische Eigenschaft zum Hartlaubholz gerechnet werden. Allerdings weisen Knoche & Ertle (2020) ebenso darauf hin, dass in waldbaulichen Konzepten zur Behandlung von Birkenbeständen diese Baumart zeitnah nach Erreichen der Zieldurchmesser genutzt werden sollte, ehe diese wegen ihrer nicht ausgeprägten natürlichen Dauerhaftigkeit zum Habitatbaum wird. Tatsächlich wird die Birke gemäß der DIN EN 350-2 der Dauerhaftigkeitsklasse 5 zugeordnet. Diese Zuordnung bezieht sich auf die natürliche Dauerhaftigkeit des Kernholzes gegenüber holzzerstörenden Pilzen im Außenbereich, also unter Witterungsbedingungen (Grosser & Teetz 1998, Lohmann 2000). Nach der vorher gültigen Resistenzklasseneinteilung laut DIN 68364 (1979) galt die Birke als vergänglich. Auch wenn andere Holzarten aufgrund einer gegenüber Birken niedrigeren Zersetzungsgeschwindigkeit länger als Totholz zur Verfügung stehen, werden Birken in der forstlichen Praxis durchaus zur Anreicherung von Totholz genutzt (Hamm 2024). Dies mag insbesondere auch dann der Fall sein, wenn nur wenige Baumarten in den Waldbeständen vorkommen. Auf Standorten geringer Trophie und Wasserversorgung kann die nicht nur forstnutzungstechnisch unterschätzte Baumart mit bis zu 300 an ihr blattfressenden Insekten aufwarten und dient vor allem auch dem Kleinspecht (Dryobates minor L.) als Nahrungshabitat (Knoche & Ertle 2020).

 

Forstkulturabhängigkeit von sekundären Eichenlebensraumtypen

Generell müssen für die in den Anhängen der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (kurz: FFH-Richtlinie) gelisteten und inner- oder außerhalb von FFH-Gebieten kartierten Lebensraumtypen ausgehend von für ein solches durch nationalrechtliche Schutzgebietskategorien abgesichertes, besonderes Schutzgebiet (SAC) festgelegten Erhaltungs- und Entwicklungszielen im Rahmen einer FFH-Managementplanung Maßnahmen vorgeschlagen (Schabel 2015) sowie durch die örtlich Wirtschaftenden geplant und umgesetzt werden, um den günstigen Erhaltungszustand für die Schutzgüter zu halten und zu verbessern (Müller-Kroehling 2016). 

Unter anderem sind in den Flussauen Eichenmischwälder durch die Bewirtschaftung von Betriebsarten wie dem Nieder- und Mittelwald (Thomasius & Schmidt 1996, Rittershofer 2013) sowie dem Hutewald entstanden (Thomasius & Schmidt 1996). Demzufolge gehen diese Ökosystemtypen auf die menschliche Nutzung des Waldes mit unterschiedlicher Zweckbestimmung zurück. Die Energieholz- und Bauholzgewinnung ebenso wie die Ausnutzung der Mast für den Vieheintrieb spielten damit im Laufe der Geschichte eine ganz wesentliche Rolle bei der Förderung der beteiligen Baumarten und deren Waldökosystemtypen. Im Allgemeinen sind die heute vorzufindenden Eichenwälder deshalb überwiegend als Kulturhabitate und -produkte anzusehen, welche genauso einer entsprechenden Aufmerksamkeit bedürfen, wie es die kulturabhängigen Lebensräume im Offenland erfordern (Schabel 2015, Müller-Kroehling 2016). Nach Angaben eines Teilnehmenden der Exkursion im Naunhofer Forst gäbe es im Rahmen der Ausweisung von FFH-Gebieten und den Lebensraumtypen als deren Schutzgüter jede Menge solcher durch den Menschen geschaffenen Lebensraumtypen, welche nicht der potentiell natürlichen Vegetation entsprächen. Diese Lebensraumtypen wären allerdings trotzdem von Schutzinteresse und aus diesem Grund in den Anhang I der FFH-Richtlinie eingeflossen. Gerade deshalb ist aber auch festzustellen, dass diese Schutzgüter in Form der auf der Exkursion vorgefundenen Eichenlebensraumtypen eine zielgerichtete Bewirtschaftung mittels Ernte-, Verjüngungs- und Pflegemaßnahmen benötigen, um einerseits die Flächenanteile der Lebensraumtypen zu halten, andererseits den günstigen Erhaltungszustand auf diesen Flächen beizubehalten bzw. zu erreichen sowie darüber hinaus dem Schutzinteresse Genüge zu tun. Durch schutzzielangepasste, waldbauliche Vorgehensweisen können Eichen demnach in Lebensraumtypen gegenüber Baumarten gehalten werden, welche hinsichtlich einer Beschattung toleranter als die Eiche sind (Müller-Kroehling 2016). 

Getreu dem Charles Darwin zugeschriebenen Motto „Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand“ verursacht die Arbeit gegen die Natur, also im hiesigen, konkreten Fall gegen die Ablösung des Eichenwaldes durch Ahorne und Hainbuchen, stets überproportional mehr Kosten. Beispielsweise offenbaren sich diese Mehrkosten in einem üblichen Arbeitsverfahren in Form des Mulchens und Fräsens als vorgeschaltete Maßnahmen der Flächen- und Bodenvorbereitung vor der Kulturbegründung. Insgesamt können damit durchaus Kosten für Bodenvorbereitung, Pflanzenbeschaffung, Pflanzung und Zaunbau in Höhe von 15.000 bis 20.000 € · ha1 entstehen. Diese Mehrkosten können sich im Falle von sekundären Ausprägungen der Lebensraumtypen mit der sich anschließenden Kulturpflege zur Begleit- und Mischwuchsregulation und späteren Jungbestandspflege ohne nennenswerte Vorerträge noch deutlich erhöhen. Im Vergleich zu den primären Lebensraumtypen der buchengeprägten Laubwälder und Laubmischwälder, bei denen aufgrund der Standortsverhältnisse, der Verjüngungs- und Konkurrenzdynamiken vergleichsweise wenige Einwirkungen durch den Menschen erfolgen müssen, um durch die dort natürlich auflaufende Verjüngung Waldbestände wieder zu begründen, Flächenanteile zu sichern und Erhaltungszustände zu verbessern, bedarf es bei der Erhaltung von sekundären Ausprägungen von Eichenlebensraumtypen eine entsprechende waldbauliche Untersetzung mit diskontinuierlich, aber regelmäßig erfolgenden Pflegemaßnahmen (Müller-Kroehling 2016).

 

Erhaltung von Eichenlebensraumtypen bei Konkurrenz durch Halb-/Schattbaumarten

Im Lebensraumtyp „Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder“ mit dem FFH-Code 9160 muss innerhalb der Hauptbaumarten mit einem Anteil von größer gleich 50 % (Stiel- und Traubeneiche, Hainbuche, Gemeine Esche, Winterlinde) zur Beibehaltung des Erhaltungszustands B (gut) oder C (mittel bis schlecht) ein Mindestanteil an Eichen von größer gleich 10 % gesichert werden (Anonymus 2026). Dies gestaltet sich allerdings auf den zunehmend trockenfallenden, einst als feuchte, mineralische Nassstandorte kartierten Stamm-Standortsformengruppen überaus schwierig. Der Eichenanteil in den eichengeprägten Waldbeständen nimmt somit tendenziell eher ab. Gleichzeitig mangelt es an Waldbeständen jüngerer Wuchsklassen mit hinreichendem Eichenanteil. Zudem ist der Abgang von alten Eichen dem Flächenanteil in den Beständen abträglich (Müller-Kroehling 2013). Der Erhalt dieses Anteils ist auch vom Zeitpunkt von Mastjahren und der sich anschließenden Lichtstellung abhängig (Müller-Kroehling 2016). Zudem stehen die Eichen als Lichtbaumarten in Konkurrenz zu den schattentoleranteren Ahornen, Hainbuchen und Linden. Trotz dieser Konkurrenzbeziehungen zwischen den unterschiedlichen Baumarten schlagen sich um die Eichenwälder im Raum Leipzig sorgende Naturschützende vor, einzelbaumweise Eichenheister zu pflanzen, um den Eichenanteil im FFH-Lebensraumtyp zu sichern. Zudem stellen sich Teile dieses Personenkreises vor, dass sich Eichen auf kleinsten Flächen durch Femel- bzw. Plenterhiebe unter Schirm und mit extensiven Pflanzverbänden in kleinflächigen Lichtschächten verjüngen lassen. Dies wird tatsächlich auch forstpraktisch an einzelnen, aber beeindruckenden Beispielen in Eschen-Hainbuchen-Traubeneichen-Buchenmischwäldern diskutiert (Csépány & Mergner 2023), bei denen das Verhältnis von Lichtbaumart (TEI) zu Schattbaumarten (GES, HBU, RBU) im Oberstand mit 1 zu 3 bemessen ist. Dieses Verjüngungsverfahren unter Anwendung von Femelhieben wird allerdings unter der Annahme, dass der Eichenanteil perspektivisch wenigstens erhalten oder sogar vermehrt werden soll, aus forsteinrichtungstechnischer Sicht mit Blick auf die Notwendigkeit eines dafür zügigen Verjüngungsfortschritts und einer Übertragbarkeit auf größere Flächendimensionen kritisch hinterfragt (Rothe 2024). Daraufhin reagieren Csépány & Mergner (2024) auf die aus forsteinrichtungstechnischer Sicht geübte Kritik und erkennen diese zwar als berechtigt an. Dennoch führen die beiden Autoren die Nachteile der klassischen Verjüngungsverfahren an. Im gleichen Zug unterstreichen diese die Vorteile von Eichenkleingruppen gegenüber der klassischerweise praktizierten Verjüngung von Eichenwäldern aus waldökologischer Sicht. Hierbei verweisen die Autoren auf diese alternative Möglichkeit der Verjüngung der Eiche in Buchenwaldgesellschaften, um damit die gruppenweise Einbringung einer im Vergleich zur Buche als trockenresistenter eingestuften Mischbaumart zu forcieren. Dieses diskutierte Beispiel zeigt, dass sich die Eichenverjüngung unter Schirm, ob künstlich oder natürlich, grundsätzlich waldbaulich realisieren lässt. Dabei kommt es häufig schlicht darauf an, welche anderen Baumarten im Mutterbestand vorkommen, die Eichen somit in ihrer Entwicklung potentiell beeinflussen können und welcher Pflegeaufwand damit verbunden ist, die einmal gesicherten Eichen auch langfristig im Bestand zu halten. Umso beeindruckender ist das zuvor skizzierte Beispiel, auch wenn es im Hinblick auf die größere Flächenskalierung und den damit verbundenen Pflegeaufwendungen hinterfragt werden kann. Weiter ist also die Frage, welche Schattenerträgnis bzw. welchen Lichtbedarf die noch in der Verjüngung aufkommenden Baumarten haben. Das Lichtregime wird also letztlich darüber entscheiden, ob die Eichenverjüngung mittelfristig gesichert werden kann.

Lüpke & Hauskeller-Bullerjahn (1999) zeigen beispielsweise auf, dass ein Eichenvoranbau unter einem geschlossenen, aber dennoch lichtdurchlässigen Kiefernaltholzschirm mit annehmbaren Ergebnissen erfolgen kann. Auch in wohl reinen Eichenbeständen ohne Konkurrenz durch oder nur sehr geringer Präsenz von schattentoleranteren Baumarten können den Angaben nach Eichen in trupp- bis gruppenweiser Mischungsform bei Lichtstellungsflächengrößen von schätzungsweise 200 bis 250 m² erwachsen (Pisoke & Spiecker 1997, zit. nach Lüpke & Hauskeller-Bullerjahn 1999). Hier stellt sich nur die Frage, welche Stabilität und Qualität dabei erzielt wurde und ob der Verjüngungsfortschritt aus forsteinrichtungstechnischer Sicht (s.o.) langfristig zu einer Altersverteilung führt, welche der Habitatkontinuität der Eichenbestände auch gerecht wird.

Zusammenfassend erlauben also geschlossene Waldbestände mit lichtdurchlässigen Kronen (Kiefer, Eiche) die Verjüngung von Eichen in längeren Verjüngungszeiträumen, soweit keine nennenswerte Konkurrenz durch schattentolerantere Baumarten herrscht. Das Vorkommen von halb- oder schattenertragenden Mischbaumarten in den mit Eiche zu verjüngenden Waldbeständen entscheidet also darüber, ob die gepflanzte, gesäte oder bestenfalls natürlich verjüngte Eiche in der Konkurrenzsituation bestehen wird. Denn die verjüngten Eichen sind zwar in der sehr frühen Jugend schattenertragend, werden aber lichtbedürftiger (Martens 2014), weil die Forstpflanzenindividuen schließlich von heterotropher auf autotrophe Ernährung umstellen müssen, weil die Energiereserven der Eichel dann endgültig aufgebraucht sind (Wirth et al. 2021). Retrospektiv erweist sich mittel- bis langfristig der Groß- statt der Gruppenschirm- oder Femelschlag als diejenige Hiebsart, welche ein bei den Eichen gegenüber den Rotbuchen konkurrenzfähiges Höhenzuwachsverhalten der Naturverjüngung in Eichen-Buchenmischbeständen bewirken. Bei den weniger flächengroßen Hiebsverfahren (Gruppenschirm- oder Femelschlag) hat das Lichtregime zur Folge, dass die Buchen die Eichen überwachsen und die Eichen durch Beschattung zum Absterben bringen (Lüpke & Hauskeller-Bullerjahn 1999). Auch die hier auf der Exkursion in Rede stehende Baumart Hainbuche erwies sich gegenüber den Eichen in der Naturverjüngung einer Untersuchung im Pfälzerwald als ebenso konkurrenzstark wie die Buche (Dohrenbusch 1996, zit. nach Lüpke & Hauskeller-Bullerjahn 1999). Ähnliche Dominanz gegenüber der Eichenverjüngung zeigt übrigens auch der Spitzahorn durch das dichte, die Eichen ausdunkelnde Kronendach in der frühen Jugend (Wirth et al. 2021), wodurch die Eichen in ihrer Photosynthese eingeschränkt werden und wegen des Nährstoffmangels eingehen. Gesamtheitlich betrachtet entscheiden die durch das jeweils geführte Ernteverfahren entstandenen Lichtverhältnisse über das Überleben der Lichtbaumart Eiche in Mischbeständen mit Halb-/ Schattbaumarten wie Rotbuche, Hainbuche und Spitzahorn. Die herrschenden Lichtverhältnisse werden demnach über die Größe der Eingriffsfläche bestimmt. So verweist Spellmann (1995) unter Bezugnahme auf Untersuchungen von Schütz (1992) darauf, dass die Mindesteingriffsfläche in den Waldbeständen zur Förderung der Eichenverjüngung mindestens 1.500 m² (0,15 ha) betragen muss, um einerseits die Qualität und andererseits die Stabilität der nachwachsenden Eichen zu gewährleisten. Diese Flächengröße entspricht hinsichtlich der Mischungsform einer horst- bis kleinbestandsweisen Mischung (0,11 bis 0,5 ha bzw. > 0,5 ha). Bei geringerer Eingriffsfläche erhöht sich andernfalls der Anteil derjenigen Eichen, welche schief aufwachsen (Schütz 1992). Im Allgemeinen hält Spellmann (1995) mit nachfolgendem Verweis auf Gayer (1886) die horstweise Mischung für die bedeutendsten Wirtschaftsbaumarten, zu denen die Eichenarten unweigerlich zählen, für angebracht, um den vorgesehenen Mischungsanteil zu erhalten, den Pflegeaufwand praktikabel zu halten und dabei eine den Anforderungen entsprechende Qualität bei der Entwicklung der Waldbestände zu erreichen.

Die Bemühungen des Forstbezirks Leipzig, Eichenwälder zu halten, werden auch in konkreten Vollzugsergebnissen deutlich. Früher waren Eichen auf einem Anteil der Staatswaldflächen von 20 % zu finden. Heute sind es mittlerweile bereits 30 % Flächenanteil, weil die in der jüngeren Vergangenheit abgestorbenen Bestände der sich auf den Anbaustandorten als untauglich erwiesenen Gemeinen Fichten (Picea abies L.) und Lärchen (Larix spec.) im Zuge des Waldumbaus mit Eichenkulturen verjüngt wurden. Eben diese Praxis kann allerdings im Allgemeinen auch den Nachteil haben, dass die eichengeprägten Eichenlebensraumtypen nicht dort wiederverjüngt werden, wo diese bereits zuvor stockten und damit Habitatstrukturen boten, sondern räumlich auf solche Standorte verlagert werden, auf denen zuvor standortsuntaugliche Fichten stockten (Mölder et al. 2016), welche von den bisherigen Habitaten zu weit entfernt liegen können. Je nach Entfernung zu den bereits bestehenden Eichenbeständen ist die Habitatkontinuität demnach langfristig gewährleistet oder beeinträchtigt. Da die Managementpläne für die FFH-Gebietskulisse wiederum vorgeben, wie die bestehenden Eichen-Lebensraumtypen zu bewirtschaften sind, ist grundsätzlich mit einem Flächenverlust nicht, sondern im Zuge des Umbaus von Fichten- zu Eichenbeständen eher mit Flächengewinnen, zu rechnen.    

Bild 1: Eichenstämme im Kreise schattentoleranterer Baumarten

 

Exkursionspunkt 3: Invasive Art oder Wertträger? Leistungsvermögen einer Spätblühenden Traubenkirsche im Altbestand

Für den Leiter Staatsforstbetrieb handelt es sich bei der begutachteten Spätblühenden Traubenkirsche (Prunus serotina Ehrh.) um das sowohl einzig ihm bekannte Exemplar in Sachsen mit diesem baumförmigen Habitus als auch einem gleichzeitig zu messenden Brusthöhendurchmesser von ungefähr 60 cm. Diese Einschätzung des Forstpraktikers spricht schon dafür, dass die Spätblühende Traubenkirsche häufiger als invasive Art statt als Wertträger angesehen wird, weil der baumförmige Wuchs selten auftritt. Auf besseren Standorten scheint die Wahrscheinlichkeit allerdings vergleichsweise höher zu liegen, dass sich diese Bäume zu Wertholz entwickeln lassen (Petersen 2015). Diese Baumart nimmt im Revier Naunhof-Hardtwald eine Fläche von 90 ha ein. Einst soll diese Baumart in Europa eingeführt worden sein, weil diese insbesondere auf armen Standorten oberbodenverbessernd wirkt und Kiefernbestände dadurch in deren Ertragskraft unterstützt (Nyssen et al. 2018). Tatsächlich ist deren Laubstreu zügig zersetzbar, regt durch die schnellere Verfügbarkeit von Stickstoff im Vergleich zu der Kiefernnadelstreu das Bodenleben an und verbessert hierdurch indirekt die Humusform und damit die Keimungsbedingungen für Winterlinde als eine beispielhafte Laubbaumart (Hamm et al. 2015). Diese nicht heimische Baumart der Gattung Prunus etabliert sich vor allem in Waldbeständen von Baumarten mit lichtdurchlassenden Kronen wie Eiche, Kiefer und Lärche (Petersen 2015). Diesem Muster entsprechend ergaben eigene Beobachtungen in der Lüneburger Heide, dass sich die Traubenkirschen flächig unter Kiefernschirm angesamt und entwickelt haben. Eine langfristige Lösung ist die Etablierung eines Voranbaus mit Baumarten, wie insbesondere der Rotbuche, weil diese unter den mit dem Alter lichtdurchlässigeren Kronen der Traubenkirschen genügend Licht erhalten, um über diese Neophyten zu wachsen und diese letztlich auszudunkeln. Relative Beleuchtungsstärken von unter 10 % sind für ein solches Vorhaben notwendig, weil sich die Rotbuchen unter solchen Lichtverhältnissen noch entwickeln können. Das Licht reicht allerdings nicht mehr dafür aus, dass sich die Traubenkirschen weiterverjüngen. Zudem stellt die zumindest auf gering bis mäßig nährstoffversorgten Standorten relativ schlecht zersetzbare Buchenlaubstreu ein weiteres Verjüngungshemmnis für die invasive Baumart dar (Petersen 2015). Rotbuchen sind folglich konkurrenzkräftig genug, um sich gegenüber dieser Traubenkirschenart durchzusetzen. Auch Roteichen (Quercus rubra L.) weisen ähnlich ausdunkelnde und verjüngungshemmende Eigenschaften wie die Buche auf. Die einheimischen Eichenarten hingegen werden nach Angaben von Praktikern innerhalb von etwa 2 Jahren von der Traubenkirsche eingeholt und überwachsen damit die Eichenverjüngung.

Bild 2: Marcus Kühling lehnt an einem Stamm einer Spätblühenden Traubenkirsche

 

Exkursionspunkt 4: Erstaufforstung im Forstbezirk Leipzig – 200 ha neuer Waldfläche aus Kompensation und Ökokonto

Bild 3: Teilnehmende der Exkursion zwischen zwei erstaufgeforsteten Waldflächen

Auf naturräumlicher Ebene bezogen Schwanecke & Kopp (1996) die Position, dass sowohl auf Wuchsgebiets- als auch auf Wuchsbezirksebene der Waldanteil durch Ackererst- bzw. Kippenaufforstungen erhöht werden sollte. Auch wenn sich im Raum Leipzig mittlerweile dahingehend einiges getan hat. Das Bewaldungsprozent im Landkreis Leipzig liegt bei 14,9 %. Im Vergleich dazu liegt der Wert für den gesamten Freistaat Sachsen bei 28,3 % (Anonymus o.J.). Dies zum Anlass nehmend hat der Staatsbetrieb Sachsenforst zum Zwecke der Waldmehrung die Motivation, eigene oder vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement erworbene, bisher nicht bewaldete Liegenschaften außerhalb des Waldes erstaufzuforsten. Die Leipziger Forstleute haben damit ihre Aktivitäten auf einem neuen Geschäftsfeld intensiviert. Denn die Einnahmen zur Finanzierung solcher Erstaufforstungsmaßnahmen werden über Kompensationszahlungen für Eingriffe in die Natur und Landschaft (Naturschutzrecht) und / oder in die Schutz- sowie Erholungsfunktionen des Waldes (Forstrecht) generiert. Denn diese vorgenannten Eingriffe von Vorhabensträgern müssen entweder ausgeglichen oder ersetzt werden.

Eine Fläche von 5,9 ha wurde erstaufgeforstet, welche im Rahmen der Exkursion bereist wurde. Diese wurde baum- und strauchartenreich angelegt. Es finden sich Stieleiche, Hasel (Corylus avellana L.), Hainbuche, Vogelkirsche (Prunus avium L.), sonstige Hartlaubhölzer, Gemeine Birke und ein Streifen mit Douglasie (Pseudotsuga menziesii [Mirb.] Franco) mit im Forsteinrichtungswerkauszug nennenswerten Flächenanteilen in der zweigeteilten Fläche. Darüber hinaus wurden Wildapfel (Malus sylvestris [L.] Mill.), Wildbirne (Pyrus pyraster [L.] Du Roi), Elsbeere (Sorbus torminalis [L.] Crantz), Schlehe (Prunus spinosa L.) und Holunder (Sambucus nigra L.) im Wesentlichen wohl zur Waldrandgestaltung angebaut. Vergleichbare Ackererstaufforstungen hat der Forstbezirk Leipzig bereits auf 200 ha Fläche umgesetzt.

Auf dieser 5,9 ha großen zuvor agrarisch genutzten Fläche liegen 18 unterschiedliche Kompensationsverträge mit Eingriffsträgern. Unter anderem wurde diese Kompensationsmaßnahme umgesetzt, um den Eingriff des Vorhabensträgers für ein Wohngebiet in Großdeuben (Stadt Böhlen, Landkreis Leipzig) umsetzen zu dürfen. Bei den Kompensationsmaßnahmen handelt es sich teils um Waldersatz, teils um Ökopunkte. 

Prinzipiell funktionieren Ökopunktekonten wie folgt: Ein Eingriff erfordert die Kompensation mit einer bestimmten Anzahl an Ökopunkten, welche sich aus dem Lebensraum ergeben, in welchem der Eingriff in Natur und Landschaft geführt wird. Wenn zur Kompensation ein Ackerlebensraum fiktiv mit 5 Ökopunkten bewertet wird und diese Ackerflächen zur Ackererstaufforstung genutzt werden sollen. Dann lässt sich der darauf aufgeforstete Eichen-Hainbuchen-Wald mit fiktiven 21 Ökopunkten bewerten. Die Differenz aus den zuletzt genannten 21 Punkten abzüglich der 5 Ökopunkte für die Ackerflächen ergibt eine Aufwertung des Lebensraums um 16 Ökopunkte, welche dann verkauft werden können. 

Der Forstbezirk Leipzig praktiziert die Kompensation in zwei unterschiedlichen Varianten: Erstens finanziert der Staatsbetrieb eine Maßnahme und hält die Ökopunkte für potentiell nachfragende Eingriffsträger vor, bis diese verkauft sind. Zweitens bietet der Forstbezirk die Reservierung von bereits aufgewerteten Flächen gegen eine Gebühr an, solange die baurechtliche Genehmigung noch aussteht. Damit hat der Eingriffsträger bereits Flächen zur Kompensation seiner Maßnahme für den Zeitpunkt sicher, wenn die Baugenehmigung tatsächlich positiv beschieden wird.

Aktuell liegen die Holzpreise vergleichsweise hoch (Ende Oktober 2025), sodass im forstlichen Kerngeschäft gute Erlöse aus dem Holzverkauf generiert werden können. Die Abhängigkeit von den Erlösen aus dem Holzverkauf (Anteil > 85 % am betrieblichen Ertrag, Bauhus et al. 2021) soll mit alternativen Geschäftsfeldern flankiert werden, indem der Staatsbetrieb als Dienstleister für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in Folge von Eingriffen in Natur und Landschaft auftritt. Dabei zeichnet sich der Staatsbetrieb durch die Kompetenz, das Wissen um rechtliche Vorgaben, Verwaltungsabläufe, vollständige Abwicklung solcher Vorhaben von der Planung bis zur forstpraktischen Umsetzung der Maßnahmen aus. In Vorbereitung auf die Verfügbarmachung von geeigneten Flächen ist insbesondere bei den Transaktionen um den Tausch von Flächen Geduld gefragt, um die Projekte zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen.

Bild 4: Eichen in einer Teilfläche der erstaufgeforsteten Waldfläche

 

Exkursionspunkt 5: Roteiche im Naunhofer Forst - Saatgutbestand und Wertholzträger

Bild 5: Roteichenbestand im Wasserschutzgebiet

Auf einem etwa 1,5 ha großen Teil der aufgesuchten Teilfläche stockt Roteiche. Davon nahm ein bis zum Frühjahr 2025 als Saatguterntebestand ausgewiesener Waldbestand einen maßgeblichen Flächenanteil in Höhe von 1,0 ha ein.

Zentrales Ziel bei der waldbaulichen Behandlung von Roteichenbeständen auf staatseigenen Liegenschaften ist laut Angaben eines Exkursionsteilnehmenden die Produktion von hochwertigem Rohholz, wobei insbesondere langschäftiges Stammholz der Roteiche als Submissionsholz angestrebt wird. Hierfür werden bei entsprechender Qualität gute Erlöse erzielt, auch wenn das allgemeine Holzpreisniveau hinter dem von Stiel- und Traubeneiche zurückbleibt. Das Roteichenholz kann nicht als Fassholzsortiment Verwendung finden. Die Roteiche verthyllt ihre weiten Holzgefäße selbst nach Verkernung zeitlebens nicht, weshalb die für diese Verwendung erforderliche Holzeigenschaft im Vergleich zu den beiden vorgenannten heimischen Arten nicht gewährleistet ist (Aas et al. 2007). Hingegen sind die Zuwächse der Roteiche gegenüber den zwei einheimischen Weißeichen signifikant höher (Leibundgut 1984). ​Die Eigenschaften der Roteiche führen dazu, dass eine Vergesellschaftung mit heimischen Eichenarten aufgrund der interspezifischen Konkurrenzbeziehungen problematisch ist. Die Roteiche weist eine deutlich kräftigere Höhenwuchsleistung auf. Damit können sich die geringfügig lichtbedürftigeren und langsamer wachsenden Stiel- und Traubeneichen bei gleichem Begründungszeitpunkt gegenüber der Roteiche nicht durchsetzen. Eine Mischung aus der Roteiche sowie der Stiel- und Traubeneiche eignet sich daher nicht, weil die Roteiche den zwei Weißeichenarten im Wachstumsgang, insbesondere auf armen Standorten, überlegen ist (Mayer 1977, 1984, 1992). In Moritzburg findet sich nach Aussage einer Exkursionsteilnehmerin ein eindrückliches Beispiel zur Veranschaulichung der Konkurrenzfähigkeit und Dominanz der Roteiche im Bestandsgefüge gegenüber einer sogar deutlich schattentoleranteren Baumart: Ein gleichaltriger Unterstand aus Rotbuchen steht dort lediglich in zweiter Schicht unter einem Roteichenoberstand.

Trotz vergleichsweise langsamer Laubstreuzersetzung führt die Nährstoffzusammensetzung der Laubblätter zu einer Verbesserung des Bodens. Mit Ausnahme von stark karbonatischen, flachgründigen oder Standorten mit Stauwasser, Überflutungen oder hoch anstehendem Grundwasser wächst die Roteiche auf einem breiten Spektrum von Standorten (Mayer 1977, 1984, 1992, Aas et al. 2007, Avila et al. 2021). Allerdings dient sich der Anbau der Roteiche insbesondere auf nährstoffärmeren Standorten an. Dort steht die Roteiche in Bezug auf die Wuchsleistung nicht in Konkurrenz zu den einheimischen Eichenarten. Waldbaulich lassen sich damit die schwächeren Standorte ebenso für den Eichenanbau erschließen.

Im Allgemeinen ist das Wachstum der Roteiche durch ein auf hohe Lichtausnutzung ausgerichtetes Wuchsverhalten (Phototropismus) gekennzeichnet, weshalb die Kronenpflege durch entsprechende waldbauliche Maßnahmen nicht vernachlässigt werden darf. Andernfalls besteht das Risiko, dass einerseits die Krone in Bestandslücken zur Verbuschung neigt und andererseits Wasserreiserbildung intensiv auftritt, wenn die Krone nicht genügend ausgebaut werden kann (Mayer 1977, 1984, 1992). Das phototropische Wachstum und die nur langsam zersetzbare Laubstreu erschweren zudem durch Ausdunkelung bzw. Abdeckung des Waldbodens zum einen die Verjüngung anderer Baumarten und zum anderen die Entwicklung der Bodenvegetation. Letzteres Phänomen wird sich in weitläufigen Kiefernreinbeständen zunutze gemacht, um Waldbrandprävention zu betreiben. Die Anlage von Waldbrandriegeln u.a. mit Roteichen zur Verlangsamung von Bodenfeuern hat sich im Vergleich zu anderen Baumarten wie Birke, Kiefer oder Robinie (Robinia pseudoacacia L.) bewährt (Bentele et al. 2023). Da diese Baumart spätestens ab dem 25. Lebensjahr nahezu in jedem Jahr Eicheln produziert (Mayer 1977, 1984, 1992), kann bei regelmäßiger Lichtstellung eine ausgeprägte Naturverjüngung der Roteiche einsetzen. Andernfalls geht die Naturverjüngung bei zu dichtem Schirm wieder ein.

Die Roteiche ist in Sachsen im Wesentlichen auf das Tief- und Hügelland beschränkt und nimmt im sächsischen Landeswald lediglich rund zwei Prozent der Waldfläche ein. Bezogen auf den Gesamtwald in Sachsen lag der relative Anteil der Roteiche mit einer Waldfläche von 5.080 ha vor einem Jahrzehnt bei 0,8 % (Martens 2015). Beide Angaben unterstreichen ihren Charakter als ergänzende, nicht dominierende Baumart. Allerdings zählt die Roteiche derzeit waldschutzfachlich gesehen zu den wenigen Baumarten, die den sich verschärfenden klimatischen Bedingungen noch in nennenswertem Umfang standhält. Im benachbarten Forstbezirk Taura gemachte Erfahrungen zeigen beispielsweise, dass die Roteiche in den Trockenjahren kaum bis gar nicht gezeichnet und daher diese Zeit am vitalsten überstanden hat. Dies zeigt ihre besondere Rolle, welche diese Baumart insbesondere im zukünftigen Waldaufbau in der nordwestsächsischen Landschaft und speziell auch zur Gewährleistung der Waldfunktionen, hier beispielhaft am Trinkwasserschutzgebiet dargestellt (s. Abb. 5), übernehmen kann.

 

Exkursionspunkt 6: Baumhasel aus Pflanzung – wüchsige Alternativbaumart auf besseren Waldstandorten

Bild 6: Dickung eines Baumhaselbestands

Als letzter Exkursionspunkt erwartete die Teilnehmer aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ein sehr kurzer Exkurs auf eine mit Türkischer Hasel (Corylus colurna L.) bestockten Anteilsfläche, auf der diese eingeführte Baumart auf einer Fläche von 0,3 ha angebaut wurde. Diese Baumart wird in Sachsen unter den sonstigen Hartlaubbaumarten geführt. 

Die Baumhasel gilt im Allgemeinen als tolerant gegenüber Frostereignissen (Aas et al. 2007, Anonymus 2022, Lieven et al. 2025). Avila et al. (2021) stellen auf eine nur geringe Frosttoleranz ab. Allerdings verweisen Lieven et al. (2025) auf Frischbier et al. (2024), welche eine Spätfrostgefährdung für so wahrscheinlich halten, dass der Anbau der Baumhasel in bekannten Spätfrostlagen explizit nicht empfohlen wird. Anonymus (2022) beschränken die Spätfrostempfindlichkeit zeitlich auf die Jugendphase.

Standörtlich gedeiht die nach den Aussagen der zuständigen Forstkollegen des Forstbezirkes Leipzig besonders gut gelungene Kultur auf einem Lindhardter Flachdecklöß-Humusstaugley (Li.LG). Diese Stamm-Standortsform wird in die Stamm-Standortsformengruppe U-VI-NM2 übersetzt. Damit handelt es sich um einen feuchten, mäßig nährstoffhaltigen, mineralischen Nassstandort des sommerdürren bis stark sommertrockenen sowie sommerwarmen bis mäßig warmen Hügellands. Das Vorkommen und Gedeihen dieser Baumart auf einem solchen Standort ist vor dem Hintergrund, dass diese Art laut Avila et al. (2021) mit Verweis auf Šeho et al. (2017) Stauwasserstandorte nur geringgradig toleriert, bemerkenswert. Šeho et al. (2017) sehen die Baumhasel nur auf stark staunassen Standorten als nicht geeignet an, weil diese Baumart solche Standorte nicht besiedele. Dieser scheinbare Widerspruch zwischen der hier im Revier gelungenen Kultur und den Literaturangaben könnte darin begründet sein, dass sich die Standorte im Naunhofer Forst bereits in Veränderungsprozessen befinden, wie bereits im Kapitel dieses Beitrags zum Exkursionspunkt 1 diskutiert wurde.

 

Bild- und Textautor: Philipp Kob

 

Literatur: 

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Bild 1: Eichenstämme im Kreise schattentoleranterer Baumarten Foto: Philipp Kob

Bild 2: Marcus Kühling lehnt an einem Stamm einer Spätblühenden Traubenkirsche Foto: Philipp Kob

Bild 3: Teilnehmende der Exkursion zwischen zwei erstaufgeforsteten Waldflächen Foto: Philipp Kob

Bild 4: Eichen in einer Teilfläche der erstaufgeforsteten Waldfläche Foto: Philipp Kob

Bild 5: Roteichenbestand im Wasserschutzgebiet Foto: Philipp Kob

Bild 6: Dickung eines Baumhaselbestands Foto:Philipp Kob