Deutscher Forstverein e.V.

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Wald- und Klimaschutz in aller Munde

Nach elf Jahren mit relativ geringen Trockenheits- und Insektenschäden in den Wäldern Baden-Württembergs war das Kalenderjahr 2018 von großen Schäden gezeichnet, und es zeichnete sich schon im Frühsommer 2019 ab, dass dieses im aktuellen Jahr noch verstärkt werden würde. Bedeutende Schäden treten bei allen Hauptbaumarten auf, und dennoch ist der Südwesten der Republik im Vergleich zur Mitte und zum Norden Deutschlands bis auf Schwerpunktgebiete ganz im Süden und im Nordosten Baden-Württembergs äußerst glimpflich davongekommen.

Die bundesdeutsche Situation sieht wesentlich verheerender aus, und so verwundert es nicht, dass, auch ausgelöst durch andere gesellschaftlich relevante Faktoren wie die Fridays-for-Future-Bewegung für Klimaschutz, die Situation des Waldes und der für ihn Verantwortlichen auch die bundesdeutsche politische Bühne erreichte. Unsere Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel wurde in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wie folgt wie­dergegeben:

Merkel kündigte an, dem Waldschutz und der Aufforstung einen größeren Stellenwert bei der Bekämpfung des Klimawandels einzuräumen. Angesichts „sehr, sehr großer Waldschäden“ könne der Wald seine Rolle als Speicher von Kohlendioxid nicht mehr gut wahrnehmen, sagte sie. Das betreffe auch „Tausende von Waldbauern“. Auch des­halb werde „das Thema Wiederaufforstung eine große Aufgabe sein“. (FAZ online vom 19. Juli 2019)

Sowohl der Bund als auch verschiedene Länder dachten über Waldgipfel und Notfallpläne nach. In Baden-Württemberg lud Forstminister Hauk (MdL) am 2. September zum Waldgipfel ein und stellte sowohl kurzfristig als auch langfristig vom Ministerium geplante Maßnahmen vor. Die darin enthaltenen und zum Teil bereits im Landesforstwirtschaftsrat vom Juli 2019 angeregten konkretisierten Punkte wurden mit großer Einhelligkeit diskutiert.

Inhaltlich geht es kurzfristig um

·     Verstärkung des Krisenmanagements, z. B. durch Einsetzung einer Taskforce „Klimabedingte Waldschäden“ und regionaler runder Tische zur Koordination der Maßnahmen sowie den überregionalen Forstpersonaleinsatz

·     Intensivierung von Beratung und Betreuung, z. B. durch landesweite Ausstattung mit Tabletts mit einer speziellen Borkenkäfer-Monitoring-Software

·     finanzielle Förderung betroffener Waldbesitzenden, z. B. durch Entbürokratisierung

·     Unterstützung der Holzvermarktung auf Landesebene, z. B. durch Verlängerung der 44-Tonnen-Ausnahmeregelung

·     Intensivierung der Forschung zu Baumarteneignungen

·     und damit verbundene Stellen- und Finanzmittelaufstockungen.

Langfristig soll das Konzept „Naturnahe Waldwirtschaft“ überarbeitet, sollen Handlungsempfehlungen als Wissenstransfer aus der Wissenschaft erstellt, Waldbautrainings inten­siviert, regenerationsorientierte Bodenschutzkalkungen fortgeführt, staatliche Pflanzschulen erweitert, Vertragsnaturschutz und naturschutzfachliche Regelungen angepasst, und, wo möglich, Wiederbewaldungen durch Sukzession umgesetzt und Waldflächen gemehrt werden. Außerdem sollen Holzabsatzmöglichkeiten und -verwendungen durch Errichtung eines Laubholztechnikums sowie eine Intensivierung der Holzbauintensive gestärkt wer­den.

Beschlossen ist weder das lang- noch das kurzfristige Maßnahmenpaket, und so diente der Aufruf zur Demonstration am 6. September neben dem Transfer von Botschaften in die Öffentlichkeit auch dazu, den politischen, parlamentarischen, Prozess zu beflügeln.

Prof. Dr. Artur Petkau

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