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Jahrestagung des Nordwestdeutschen Forstvereins am 26. Juni 2014 in Trelde

Sie ist Lieferant für dauerhaftes, vielseitig verwendbares Holz mit hohen Zuwächsen und gilt als Tolerant gegenüber dem Klimawandel: die Douglasie. Von Waldbesitzern geschätzt, von Teilen des Naturschutzes als „Fremdländer“ kritisch betrachtet, steht diese Baumart zurzeit im Focus. Wie sollen Waldbesitzer die Douglasie in den heimischen Wäldern bewirtschaften, um allen Ansprüchen, die an sie heute und in der Zukunft gestellt werden, gerecht zu werden? Damit Erwartungen und Vorbehalte in diesem Konfliktfeld durch wissenschaftliche Fakten und sichtbare Ergebnisse im Wald versachlicht werden, lud der Nordwestdeutsche Forstverein zu seiner Jahrestagung unter dem Thema „Waldbauliche Gestaltungsmöglichkeiten in Zeiten des Klimawandels am Beispiel der Douglasie“ nach Trelde und in das Niedersächsische Forstamt Sellhorn ein.

Mit Blick auf den Weltklimabericht hatte Mark von Busse als Vorsitzender des Nordwestdeutschen Forstverein in das Thema eingeführt: „Ein tief greifender globaler Klimawandel vollzieht sich, und die Nachteile für die Menschen werden überwiegen.“ Der Douglasienanbau biete vor diesem Hintergrund Chancen, es gebe aber auch kritische Stimmen. Aktuell stufte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Douglasie als „invasive Art“ ein.

„Förderrichtlinien müssen fachlich fundiert und nicht ideologisch gefärbt sein.“ Mit diesen Worten in seinem Grußwort forderte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR), Georg Schirmbeck, eine Stärkung der Forstbereiche in den zuständigen Ministerien auf Bundes- und Landesebene. „Die deutschen Förster sind hochqualifizierte Fachleute und können das auch selbstbewusst nach außen zeigen“, lobte Schirmbeck.

Prof. Dr. Peter Lemke, Leiter des Fachbereichs Klimawissenschaften des Alfred-Wegener-Instituts / Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven präsentierte fesselnd aktuelle Forschungsergebnisse, um Ursachen und Wirkungen des Klimawandels für die Tagungsteilnehmer verständlich zu machen. Der studierte Physiker stellte natürliche Ursachen für Klimaschwankungen dar und verdeutlichte mögliche Auswirkungen menschlichen Wirkens auf das komplexe Klimasystem: „Die Sonne treibt das System an und wir spielen mit. Der natürliche Treibhauseffekt macht die Erde für uns überhaupt erst bewohnbar.“ Analysen aus Eiskernen belegen jedoch, dass der CO2-Pegel seit mehreren Millionen Jahren nie so hoch war wie heute. Gleichzeitig habe der Mensch große Flächen der Erde, insbesondere durch die Landwirtschaft, verändert. Das ändere die Reflektivität der Erde, was weitere Auswirkungen im Klimasystem zur Folge habe. Die Herausforderung, so der Klimawissenschaftler, sei die nachhaltige Nutzung eines sich stetig wandelnden Planeten. Zum Vortrag

Prof. Dr. Hermann Spellmann, Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) referierte über die Anbauwürdigkeit der Douglasie. Dabei erläuterte er die Anforderungen an eine nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft. Neben der Sicherung von Rohholzversorgung und Biodiversität gelte es, sich den waldbaulichen Herausforderungen des Klimawandels zu stellen. Der Forstexperte kam nach einer Abschätzung der Trockenstressgefährdung für unsere Hauptbaumarten zu der Risikoeinschätzung: „Fichte und Buche werden in vielen Bereichen Niedersachsens nicht mehr als führende Baumarten möglich sein. Wir sind gut beraten, unsere Baumartenvielfalt vor dem Hintergrund des Klimawandels zu erweitern.“ Die Douglasie habe in Nordamerika ein riesiges Verbreitungsgebiet mit teilweise geringeren Niederschlägen als in Nordwestdeutschland, sie sei daher gut an den Klimawandel angepasst. „Die natürliche Verjüngung von Douglasien ist in Deutschland über drei Generationen belegbar, was die Definition „heimische Art“ nach § 7 BNatSchG rechtfertigt. Der BfN-Studie muss daher widersprochen werden“, so Spellmann. Außerdem liefern 150-jährige Forschungen des forstlichen Versuchswesens zum Verhalten der Douglasie in Deutschland abgesicherte Entscheidungshilfen zur Anbauwürdigkeit und zur ökologischen Zuträglichkeit dieser Baumart. Sie sei gut mischbar und sollte in einem bemessenen Flächenumfang in die Waldbauplanungen einbezogen werden. Die Baumartenwahl sei die wichtigste langfristige Entscheidung im Forstbetrieb, sie erfordere ein hohes Maß an Verantwortung. „Bei allen Herausforderungen des Klimawandels in Norddeutschland: Wo, wenn nicht hier, sollen zukünftig Rohstoffe und Nahrungsmittel produziert werden“, fragte Prof. Dr. Hermann Spellmann am Ende seines Vortrages.

Die Exkursion in die Revierförsterei Rosengarten wurde von Mitarbeitern des Niedersächsischen Forstamtes Sellhorn vorbereitet. Die knapp 100 Tagungsteilnehmer diskutierten an beeindruckenden Waldbildern in den Harburger Bergen über die waldbauliche Behandlung der Douglasie unter Beachtung von Vorgaben der Naturschutzgebietsverordnung. Die Mischung mit anderen Baumarten, Wertnachhaltige Nutzung und die Pflege des Nachwuchses waren weitere Themen. Alle Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der hohen Qualität und dem Pflegezustand der Bestände. Die Tagung endete an der mächtigen „Bismarck-Douglasie“ mit Kaffee, Kuchen und dem Dank an alle Organisatoren dieser gelungenen, erkenntnisreichen Jahrestagung.


Reiner Baumgart

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