Deutscher Forstverein e.V.

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Exkursion zur Holzvermarktungsgesellschaft Westerwald-Sieg GmbH

Foto: Johannes Wagner

Am 2. Oktober 2019 führte der Forstverein Rheinland-Pfalz-Saarland e. V. eine halbtägige Exkursion zur Holzvermarktungsgesellschaft Westerwald-Sieg GmbH (HVG) und in das Forstamt Altenkirchen zum Thema „Neue Holzvermarktung in der Forstkrise“ durch.

Die zwanzigköpfige Exkursionsgruppe wurde von Bürgermeister Wolfgang Schneider im Rathaus der Gemeinde Daaden begrüßt. Schneider zeigte sich besonders erschüttert von der Geschwindigkeit, mit der sich infolge des immensen Borkenkäferbefalls innerhalb von gerade fünf Monaten grüne Fichtenwälder in Kahlflächen verwandeln. Dies sei sowohl für die finanzielle Situation der Waldbesitzer als auch für das Erholungsbedürfnis der Bevölkerung eine riesige Herausforderung.

Der Geschäftsführer der HVG Westerwald-Sieg Alois Hans, der gleichzeitig zweiter stellvertretender Vorsitzender des FV RP-S ist, erläuterte in seiner Präsentation die Entwicklung und die Aufgabenstellung der HVG. Bereits seit 2012 vermarktete die HVG Holz aus dem Privatwald. Mit der Novellierung des rheinland-pfälzischen Landeswaldgesetzes darf Holz aus Kommunal- und Privatwäldern bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr wie bisher möglich über Landesforsten RLP vermarktet werden. Die HVG als privatrechtliche Organisation übernimmt in der Region Westerwald-Sieg neben der kommunalen Holzvermarktungsgesellschaft Westerwald-Rhein-Taunus den regionalen Holzverkauf aus dem Nichtstaatswald seit dem 1.1.2019. Diese Erweiterung des bestehenden Geschäftsfelds fällt in eine Kalamität von bisher nicht gekanntem Ausmaß in Deutschland und Mitteleuropa. Die extrem gefallenen Holzpreise und die damit „gegen null“ gehenden Provisionserlöse der HVG gefährden die wirtschaftliche Existenz des Unternehmens. Die Verkaufsmengen haben sich in kürzester Zeit vervierfacht, während die Erlöse um mehr als 50 % je absetzbarem Festmeter gefallen sind und sich schon bald in den Bereich der Gestehungskosten für das Rohholz bewegen. In dieser Situation wirtschaftlich durchzuhalten, stellt die größte Herausforderung für die HVG dar. Bis Juli des Jahres war kein aufgearbeiteter Erntefestmeter unverkauft geblieben. Nach dem brandbedingten Ausfall eines leistungsfähigen örtlichen Sägewerks und den weiter erheblich steigenden Mengen an Zwangsnutzungen verschlechtert sich die Verkaufssituation dramatisch und wäre ohne den Chinaexport nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Im Anschluss ging es in das Forstrevier Daaden, das von Revierleiter Rainer Gerhar­dus betreut wird. Im Wald der Haubergsgenossenschaft Daaden wurde an verschiedenen Waldbildern die aktuelle Dynamik des Borkenkäferbefalls und der Aufarbeitung besprochen. Im Umgang mit der Krise spielt vor Ort das Forstunternehmen der Familie Pfau eine bedeutende Rolle. Die regionale Firma tritt hier als Selbstwerber auf und arbeitet rasch und effizient mit dem Revier und dem Waldeigentümer zusammen. Aktuell plant die Firma Pfau, wöchentlich bis zu 70 Container Stammholz für den Export nach Asien zu verladen. Die logistische Leistungsfähigkeit der Firma in dieser Krise scheint überlebenswichtig.

Versöhnlich stimmte am Ende des Tages der Blick in die Zukunft mit erfolgreich wiederbewaldeten Schadensflächen aus den orkanartigen Stürmen Vivian und Wiebke des Jahres 1990 und Vorbauten von Buchen unter sich auflösenden oder bereits nicht mehr vorhandenen Fichtenaltbeständen. Die Teilnehmenden der Exkursion sind sich einig, dass die Begründung, Pflege und Entwicklung von klimaresilienteren Wäldern die Hauptaufgabe der kommenden Jahrzehnte sein werden.

Thomas Steinmetz

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