Deutscher Forstverein e.V.

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Auf forsthistorischen Spuren der Vergangenheit in die Zukunft

Exkursion des Forstvereins Mecklenburg-Vorpommern im Forstamt Billenhagen am 29.5.15

Gedenkstein im Revier Kuhlrade, Forstamt Billenhagen (Foto: Dr. Bernhard von Finckenstein)

Im Rahmen einer Exkursion am 29. Mai 2015 im Forstamt Billenhagen der Landesforst MV wandelten 40 Teilnehmer auf den forsthistorischen Spuren der Vergangenheit. Die Idee war, eine im Jahr 1923 durchgeführte Exkursion des „Vereins Mecklenburger Forstwirte“ zu wiederholen. Diese fand seinerzeit mit 130 Teilnehmern („vornehmlich Waldbesitzer mit ihren Beamten, auch einige Staatsforstbeamte waren dabei“) im Gutsforst Wökendorf unter der Leitung des damaligen Eigentümers Charly Melms statt.
Zu Beginn wurde kurz auf die Zeitgeschichte und die Geschichte des Gutsbetriebs eingegangen und es wurden die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der zwanziger Jahres des letzten Jahrhunderts erläutert. Auf Basis des detaillierten Exkursionsberichtes wurden dann die dort beschriebenen Waldorte wieder aufgesucht, die damaligen forstlichen Überlegungen und Meinungen vorgestellt und unter den heutigen forstlichen Gegebenheiten gewürdigt sowie diskutiert.
So wie vor 92 Jahren erfolgte die Exkursion mit der Kutsche, um mit dieser traditionellen  und zudem aus heutiger Sicht CO2-neutralen Fortbewegungsart den forsthistorischen Spuren zu folgen. Bei der folgenden Beschreibung einiger Exkursionspunkte werden die betreffenden Passagen aus dem alten Exkursionsführer vorangestellt.

Renaturierung des Wöpkendorfer Bauernmoores

„Hier sprach Forstmeister Berlin über Bruchdurchforstung, durch welche große Mengen Holz genutzt werden können, die sonst nutzlos verfaulen; die Stärke des stehengebliebenen Holzes nimmt an Stärke zu, und die gewonnenen Holzmengen können gerade in Gutsorten sehr gut als Schnitterholz verwendet werden (Mai 1923).“
Das rund 10 ha große Wöpkendorfer Bauernmoor wurde ab dem 19. Jahrhundert entwässert und forstlich genutzt, Moorkiefern sowie horstweise Fichten angebaut, in den nässeren Bereichen Weiß- und Roterle, Eichen, später auch Eschen. Zuletzt in den 70er-Jahren wurde ein neuer Entwässerungsgraben angelegt, um die waldbauliche Nutzung weiter zu gewährleisten.
Das Moor wurde im Rahmen des Moorschutzkonzeptes des Landes Mecklenburg-Vorpommern ab 2003 renaturiert. Die heutigen Beweggründe sind die Klimarelevanz der Moore, deren hohe Stellenwert für Arten- und Biotopschutz sowie ihre positiven Auswirkungen auf den Landschaftswasserhaushalt.
So sehr die Renaturierungsmaßnahmen von den Exkursionsteilnehmern angesichts des prognostizierten Klimawandels einhellig begrüßt werden, war der Punkt dennoch Anlass über das Für und Wider statischer, konservierender Artenschutzmaßnahmen, sowie pauschaler Nutzungsverzichtsforderungen ohne Ausgleich zu diskutieren.

Eichenbewirtschaftung
„Nach dem Frühstück kamen wir durch eine ca. 40 Morgen große eingefriedigte Ackeraufforstung, Eiche mit Buche, an den Schattenrändern Fichte, auf einer leichteren Stelle Kiefer, alle horstweise gemischt, die Horste so groß, daß Sie selbständig sind (Mai 1923).“
Heute ist es ein großer, ca. 98-jähriger Eichenbestand mit 73-jähriger Rotbuche unterbaut. Mit einer Wuchskraft der Eiche deutlich über den Ertragstafelwert, guter Qualität und Wüchsigkeit. Ein Teil der Rotbuchen kann langfristig zur Einleitung der Naturverjüngung übernommen werden. Die nächste Waldgeneration scheint somit ohne große neue Investitionen gesichert.
Ehrfurchtsvoll und anerkennend standen die Exkursionsteilnehmer vor der damaligen hohen und riskanten Investition. Schritte der weiteren Bestandespflege, Entnahmestärken je Hektar, Höhe der erntekostenfreien Holzerlöse wurden aufgezeigt und diskutiert. Aufgrund der hohen getätigten Investitionen für die Bestandesbegründung und -pflege sowie angesichts des langen Zeitraums bis zum ersten kostendeckenden Eingriffs werden Nutzungseinschränkungen in alten Laubholzbeständen, wie sie derzeit von Seiten des Naturschutzes gefordert werden, kritisch gesehen.

Verjüngung eines Kiefernaltholzes
„Es folgten 37j. Ackernkiefernbestände, Zapfensaaten, 12,5 ha in einem Kulturjahr gesät.  Herr Melms weist auf die beginnenden Sterbelücken hin, auf das Unansehnliche dieser Bestände und zeigt dann einen Bestand, der 1893 ebenso aussah, aber durch scharfe Durchforstung, namentlich der Ränder der Sterbenlücken mit Fichten und Unterbau des übrigen Bestandes mit Buchen, so gerettet wurde – daß, wie er sagte, „Waldluft und Waldwesen“ ihren Einzug halten konnten. Heute gibt der jetzt 75j. Bestand wohl das schönste Waldbild des ganzen Revieres ab.“
Aus dem Exkursionsberichten wurde deutlich, wie schon vor 100 Jahren Kiefernbestände zur Stabilisierung ökologisch unterbaut wurden. Einige der Kiefern- und Rotbuchenüberhälter des damaligen 37-jährigen Bestandes sind bis heute erhalten geblieben. Anhand eines benachbarten 90-jährigen Kiefernbestandes, unterbaut mit 80-jähriger Rotbuche, wurde die weitere Verjüngung diskutiert, zumal die Rotbuche mit zuvor rein ökologischer Funktion mangels Qualität nicht übernahmewürdig ist. Auf einer Teilfläche wurde unter lockerem Schirm aus Kiefer und Rotbuche der Baumartenwechsel zur Douglasie und Rotbuche-Voranbau mit horstweiser Mischung bereits vollzogen. Kritisch von der Mehrzahl der Exkursionsteilnehmer wird die betriebsinterne Festlegung der Landesforst MV gesehen, dass Kiefer auf den mittleren Standorten grundsätzlich wieder in Kiefer zu verjüngen ist.

Esskastanien Saatgutbestand

„Bei Punkt 38 kurze Frühstückspause auf einem Wege, der Blick auf einen 55-jährigen Baumkiefernort, unterbaut mit Esskastanien, die schon 2 Meter hoch. – Bei soeben erscheinender Sonne ein prächtiges Waldbild!“
Heute kann dort ein 0,22 ha großer 92–jähriger nach Forstvermehrungsgutgesetz zugelassener „ausgewählter“ Esskastaniensaatgutbestand mit Rotbuchennaturverjüngung bestaunt werden. Die Saatguternte erfolgt durch Handsammlung. Insgesamt wurden 580 kg in den Jahren 2008-2013 geerntet. Aufgezeigt wird die Notwendigkeit der besonderen intensiven Kronenpflege zur Optimierung der Saatguternte sowie der ständigen Zäunung der Fläche zum Schutz vor den vier- wie auch zweibeinigen Liebhabern der Esskastanie.   

Während der Exkursion 2015 wurde Waldbau stets als Mittel zum Erreichen der Betriebsziele definiert: Es gilt, naturnahe und risikoarme Wälder zu erziehen, die die Sicherung der ökonomischen Nachhaltigkeit garantieren. Getragen von der Grundüberlegung, dass nur ein finanziell solide wirtschaftender Forstbetrieb seine Leistungen, die seitens der Gesellschaft hinsichtlich Naturschutz und Gemeinwohlorientierung eingefordert werden, auf Dauer erbringen.
Den Tag über wurde zudem deutlich, dass die Rolle der vielen privaten Güter beim Entstehen einer geregelten, nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Land Mecklenburg-Vorpommern sowie deren Leistungen insbesondere bei der Aufforstung aufgegebener, devastierter Ackerstandorte forsthistorisch bisher zu wenig gewürdigt wurde. Dass diese Gutswirtschaften sich ebenfalls zu Ihrer Zeit bereits mit forstpolitischen Forderungen auseinanderzusetzen hatten, soll abschließend folgende Textpassage aus dem Exkursionsbericht von 1923 zur Einweihung des Findlings zur Ehren der Mecklenburger Forstleute wiedergegeben:
„Der Stein soll eine Mahner für alle sein, die berufen sind den Wald zu bewirtschaften. Er soll uns daran erinnern, welche Werte in unsere Hand gelegt sind, es soll uns mahnen sie zu verwalten, das sie der Allgemeinheit zu nutzen kommen, er soll uns die große Verantwortung klarmachen, welche wir nicht nur der Jetztzeit, sondern unseren Kindern und Enkeln gegenüber haben. Er wird uns ein Ansporn sein, die Ertragsfähigkeit unserer Wälder zu heben, die Ernte des Waldes richtig zu verwerten und dabei doch die stehende Masse zu vergrößern, zu wirtschaften nach dem Wort des Oberforstmeisters Möller: Das Holz muss geerntet werden als Frucht des Waldes, der Wald aber muß bleiben. Soll aber die schöne Inschrift wahr werden, so gehört nicht zum Letzten dazu, daß die Schaffensfreudigkeit der Besitzer nicht durch Eingriffe der Gesetzgebung gestört wird. Wohl sind alle Bestimmungen zu begrüßen, welche Waldverwüster ihr Handwerk legen sollen, eine zu weitgehende Beschränkung und Einengung der Privatforstwirtschaft muss aber auf alle Fälle vermieden werden. Weit verderblicher aber wie Spanner und Nonne für den Wald sind die Gesetzentwürfe, welche jetzt in reicher Anzahl von mehr oder weniger vernünftigen Volksvertretern eingebracht werden. Ihr Endziel ist die Sozialisierung des Privatwaldes und damit sein Ruin. Mögen Parlamente und Regierungen sich darüber klar werden, daß nur dann Schaffensfreudigkeit, Anspannung aller Kräfte erreicht werden kann, daß nur dann wirklich zum Segen Aller gewirtschaftet werden kann, wenn die Gewißheit besteht, daß das Privateigentum unverletzlich ist.“

Inschrift des Steines:
Den Wald zu pflegen, bringt allen Segen.
Wöpkendorf, den 14. Mai 1923


Robert Born und Dr. Bernhard von Finckenstein

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