Deutscher Forstverein e.V.Aktuelles

Nachruf Prof. Dr. Hermann Spellmann

In der Nacht vom 16. auf den 17. April ist Prof. Dr. Hermann Spellmann, Direktor a. D. der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt plötzlich und unerwartet verstorben. Er war einer der profiliertesten und angesehensten Vertreter der deutschen Forstwissenschaften und Forstwirtschaft. Er war Gründungsdirektor der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, die im Jahr 2006 von den Ländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen durch Staatsvertrag gegründet wurde. Der Gründung trat später auch Schleswig-Holstein bei.

Hermann Spellmann studierte in Göttingen und promovierte und arbeitete nach dem Studium als Assistent am Institut von Prof. Dr. Horst Kramer. Die Ertragskunde war seine wissenschaftliche Keimzelle und Leidenschaft, so wurde er später Leiter der Abteilung für Ertragskunde an der Niedersächsischen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen und nach dem Ausscheiden von Dr. Müller-Using in Personalunion auch Leiter der FVA Niedersachsen.

Das forstliche Versuchswesen als Ressortforschung der Bundesländer stand zu Anfang des 21. Jahrhunderts am Scheideweg. Die nötigen Ressourcen an Fachpersonal, Sachkosten und Infrastruktur konnten nur noch in Kooperationen mehrerer Länder ermöglicht werden. Dieser Weg wurde von den Bundesländern Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und etwas später auch von Schleswig-Holstein eingeschlagen.

Der Sinnspruch vom richtigen Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort trifft auf Hermann Spellmann als Gründungsdirektor der NWFVA zu. Er konnte seine Eigenschaften als exzellenter Wissenschaftler und als begnadete Führungspersönlichkeit voll in der neuen Rolle entfalten, und seine Begeisterung, sein Elan und seine Überzeugungen wirkten geradezu entfesselnd und mitreißend auf die Arbeit der neuen Anstalt.

Gleichzeitig entwickelte sich die NWFVA genau wie von den Trägerländern gewünscht zu einem unverzichtbaren Dienstleister für die Landespolitiken als Ratgeber und Gutachter, für die Länderforstbetriebe als Ansprechpartner und Begleiter in Fragen des Waldbaus, des Waldschutzes, zur Umweltbeobachtung und Waldmonitoring, zu den Folgen von Grundwasserabsenkungen im Wald, zum Waldnaturschutz, zum Klimawandel, zum Artenschutz, zur Baumartenwahl u. a. m. Aber genauso eng konnte die Zusammenarbeit mit den Betrieben und vor allem den spezifischen Bedürfnissen des Kommunal- und Privatwalds entwickelt werden. Dieser Aufgabe wurde unter der Ägide von Hermann Spellmann gleichgewichtig zu den Landesaufgaben bewältigt.

Das alles in einer Phase, die durch schwerste Waldkalamitäten geprägt wurde. Im Gründungsjahr der Sturm Kyrill, ein Jahrzehnt später der Sturm Friederike und die folgende Dürre und Hitzeperiode. Sie hinterließen in den Trägerländern die schwersten Waldschäden seit Menschengedenken. Unter der Leitung von Hermann Spellmann lieferte das Team der Versuchsanstalt wichtige Beiträge, Empfehlungen, Anleitungen zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Er brachte sich durch unzähligen Fachartikel, Stellungnahmen, Gutachten usw. ein. Enorme Wirkung erzielte er durch unzählige Vorträge und Teilnahme an Veranstaltungen, in denen er sich mit Vehemenz, Fachkunde und Überzeugungskraft einbrachte. Zwischen Flensburg und Lampertheim, Dessau und Rüdesheim war ihm kein Weg zu lang und auch auf der Bundesebene wurde er zu einem gefragten Experten.

Folgerichtig war auch sein Engagement auf der Bundesebene. Das Projekt im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz zur Ermittlung der Naturwaldflächen in Deutschland wurde unter seiner Leitung von der NWFVA durchgeführt. Er wurde zum Leiter des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeslandwirtschaftsministerium berufen.

2020 schied Hermann Spellmann aus dem Dienst der NWFVA aus und trat in den Ruhestand ein. Er blieb bis zu seinem Tod ein aktiver Streiter für das Forstwesen und war mit Rat und Tat weiter präsent. So wurde er 2024 als wissenschaftlicher Experte in den Landesnaturschutzbeirat beim Hessischen Landwirtschaftsministerium berufen, wo er sich rasch Anerkennung und Respekt erwarb.

Aus Anlass der Forstvereinstagung in Dresden 2019 verlieh der Deutsche Forstverein Herrmann Spellmann die Bernhard-Danckelmann-Medaille. Danckelmann war Begründer des preußischen Versuchswesens und 1899 Gründungsvorsitzender des Deutschen Forstvereins.

Hermann Spellmann war ein Kenner des Lebens und Wirkens von Bernhard Danckelmann. Er sah es als Verpflichtung an, in der Niedersächsischen und später der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt das Erbe der Ära Danckelmann und dessen Mitstreiter und Nachfolger zu bewahren und fortzuentwickeln.

Ebenso engagierte er sich für den Forstverein. Er war bei den Tagungen des DFV immer aktiv und bereicherte mit seinen Seminaren, Vorträgen und Ideen die Arbeit des Forstvereins.

Sein so plötzlicher und unerwarteter Tod ist ein unendlicher Verlust. Die Försterfamilie in Deutschland verliert mit ihm eine seiner größten Persönlichkeiten des 21. Jahrhunderts. Wer mit ihm arbeiten durfte, wer ihn kennenlernen durfte kann ermessen, welch wunderbarer Mensch, Kollege, Freund und Familienvater er war. Untadelig in seinem Verhalten, fürsorglich, humorvoll, zugewandt, hilfsbereit, pflichtbewusst. Nie ließ er einen Zweifel an seiner tiefen Verwurzelung in seinem christlichen Glauben und der katholischen Kirche aufkommen.

Es ist unendlich traurig, dass Prof. Dr.  Hermann Spellmann im Alter von 72 Jahren von uns gegangen ist.
Sein Lebenswerk verdient unsere höchste Anerkennung.
Es wird überdauern.

 

Carsten Wilke, Ministerialdirigent
Ehrenmitglied des Deutschen Forstvereins

Prof.Dr. Hermann Spellmann (r.) Foto: Christine Blohm