Deutscher Forstverein e.V.Aktuelles

FV NRW: Gemeinsame Stellungnahme zur Waldstrategie

Gemeinsame Stellungname zur Waldstrategie von: Forstverein NRW, ANW-NRW und SDW NRW

Hier als PDF-Datei

18.08.2025 

Wir bedanken uns für die Möglichkeit zum Entwurf der Waldstrategie Stellung zu

nehmen. Da die Positionen unserer Verbände zur Waldstrategie eine große

Übereinstimmung aufweisen, geben wir eine gemeinsame Stellungnahme ab:

Relevanz und Verbindlichkeit:

Es sollte klarer dargestellt und festgelegt werden, welche Relevanz und Verbindlichkeit

die Strategie hat. Steht die Strategie mit anderen Strategien (z.B. Biodiversitätsstrategie)

im Einklang oder ist die Umsetzung der einen oder anderen Strategie Gegenstand

einzelfallweise politischer Willensbildung zwischen den Ressorts? Nur eine

abgestimmte gemeinsam getragenen Strategie kann den Herausforderungen gerecht

werden. Die breite Unterstützung des Waldpaktes 2.0 macht ein solches abgestimmtes

Vorgehen möglich.

Umfang der Handlungsfelder

Die Anzahl der Handlungsfelder erscheint zu groß. Es gibt dadurch Überschneidungen

und Redundanzen. Wir regen daher an die Anzahl der Handlungsfelder zu reduzieren.

Wald und Klimawandel

Aufgrund der nunmehr unumkehrbaren Veränderung des Klimas bedarf die Erhaltung

von resilienten und klimastabilen Waldökosystemen ein aktives Handeln, was in der

Strategie etwas versteckt, im Abschnitt 4 zwar zugestanden wird, aber aus unserer Sicht

deutlicher zum Ausdruck kommen sollte.

Das Wiederbewaldungsmonitoring aus dem Jahr 2024 zeigt auf, dass etwa 46% der

Schadfläche wiederbewaldet ist, allerdings sind rund 2/3 dieser Flächen aus

Naturverjüngungen entstanden, die etwa jeweils zur Hälfte aus Sukzessions-

Weichlaubhölzern und Fichte bestehen. Diese Zahlen machen deutlich, dass die auf

vielen Kalamitätsflächen durch natürliche Verjüngung entstandenen Wälder in ihrer

Baumartenzusammensetzung und Mischungsform nicht den Vorstellungen über

klimastabile, naturnahe Waldökosysteme entsprechen. Die Schaffung und Erhaltung

von klimastabilen Waldökosystemen, die auch zukünftig alle Ökosystemleistungen

erbringen können, bedarf aktiven Handelns durch z.B. Einbringen von klimastabilen

Baumarten oder Mischwuchsregulierung. Dies sollte nicht nur als ein Spiegelstrich in

der Aufstellung auf Seite 11 auftauchen, sondern bereits im Abschnitt 2 hervorgehoben

werden.

Die Aussagen im Abschnitt 3 über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald

erscheinen tatsächlich noch sehr unvollständig. Wichtig für die abzuleitenden

Handlungsempfehlungen wäre an dieser Stelle die Darstellung von erwarteten

Veränderungen der Waldgesellschaften in den verschiedenen Wuchsgebieten. Diese

Analyse ist für die Ableitung von Handlungsempfehlungen unabdingbar. An dieser Stelle

wäre es wichtig Hinweise für zukünftige Standortsbedingungen konkreter zu

beschreiben und Hinweise auf die geeigneten Baumartenzusammensetzungen, die im

Abschnitt 4 gefordert werden zu geben. Das aktuell bereits verfügbare Wissen dazu

sollte genutzt werden, da jetzt im Rahmen der Wiederbegründung von Wald auf

Kalamitätsflächen, beim Waldumbau oder bei der Durchführung von Pflegemaßnahmen

in Jungbeständen die Entscheidungen für die zukünftige Baumartenzusammensetzung

der Wälder getroffen werden.

Umsetzung der Strategie

Die in der Strategie herausgestellten Handlungsnotwendigkeiten müssen auf der

gesamten Waldfläche umgesetzt werden. In NRW ist es entscheidend für den Erfolg

einer Strategie zur Schaffung zukunftsfähiger Wälder, die Waldbesitzstruktur zu

berücksichtigen. NRW hat mit 63% bundesweit den höchsten Privatwaldanteil, wobei

dessen Struktur sehr heterogen ist: Rund 19% des Privatwaldes sind im Besitz von

Betrieben mit über 1.000 ha, etwa ¼ ist Mittlerer Privatwald (bis 200 ha) und gut 40% der

Privatwaldfläche ist Klein-Privatwald (unter 20 ha). Rund 20 % des Waldes gehört

Waldbesitzenden, die weniger als 2 ha Wald besitzen. Um auch hier notwendige

Maßnahmen umsetzen zu können, braucht es angepasste, niederschwelluge

Beratungs- und Unterstützungsangebote. Dieser Aspekt fehlt bislang in der Strategie.

Forschung:

An vielen, Stellen wird zurecht auf die Notwendigkeit von waldbezogener Forschung und

der Umsetzung der Ergebnisse bei der Waldbehandlung hingewiesen. Waldbezogene

Forschung muss an den muss zum Ziel haben Grundlagen zu ermitteln und

Empfehlungen für den Umgang mit Wald zu geben, damit dieser den zukünftigen

Herausforderungen und Anforderungen gerecht werden kann. Ergebnisse der Forschung

müssen öffentlich verfügbar sein und durch Schulungs- und Beratungsangebote (siehe

oben) verbreitet werden. Angewandte Forschung wie sie in NRW möglich ist, ist also

kein Selbstzweck, sondern muss sich an den Fragestellungen aus der Praxis orientieren.

Bei der Zusammenstellung der konkreten Umsetzungen und Planungen zu den

Handlungsfeldern entsteht eher der Eindruck bestehende Projekte über die

Waldstrategie absichern zu wollen. Ein zentrales Forschungsprojekt, zur Umsetzung der

Waldstrategie scheint das Projekt Wald und Holz 4.0 zu sein, das in 4 Handlungsfeldern

als konkrete Umsetzung genannt ist. Bislang sind wenige Ergebnisse oder

Empfehlungen aus dem Projekt bekannt.

Da es bereits zahlreiche Forschungsergebnisse, insbesondere auch zu

klimawandelbedingten Standortsveränderungen, gibt, auf die zurückgegriffen werden

kann. Ist es wichtiger, diese auch an den Waldbesitz zu vermitteln, da die Weichen für

die zukünftigen Wälder jetzt gestellt werden (siehe oben).

Wald und Wild:

Der Aufbau klimastabiler Wälder setzt angepasste Wildbestände voraus. Im

vorliegenden Entwurf wird der Wildeinfluss nur am Rande und in seiner Bedeutung

unzureichend behandelt. So verweist der Text auf Seite 21 auf die Notwendigkeit die

natürliche Verjüngung der Hauptbaumarten sicherzustellen und rückt auf Seite 25 die

wirtschaftlichen Auswirkungen des Wildverbisses in den Fokus. Das greift zu kurz!

Die vielfach überhöhten Wildbestände auch nicht-heimischer und sogar als invasiv

eingestufter Schalenwildarten verursachen nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch

ökologischen Schaden am Wald. Wildverbiss hat nicht nur Einfluss auf die

Zusammensetzung der Baumarten sondern auf die der Pflanzengesellschaften und das

Waldökosystem insgesamt. Im Grunde sind alle Waldfunktionen von zu hohen

Wildbeständen gefährdet. Somit ist die Regulierung - i.d.R. bedeutet das Reduzierung -

des Wildbestandes unabdingbare Voraussetzung für die Schaffung und Erhaltung von

resilienten Waldökosystemen. Zur Ableitung von Maßnahmen ist es daher wichtig

diesen Zusammenhang in der Waldstrategie deutlicher zu benennen.

Umgang mit Wald in Schutzgebieten

Die naturschutzrechtlichen Vorgaben in Schutzgebieten schließen in der Regel andere

Zielsetzungen als die Entwicklung ursprünglich natürlicher Waldgesellschaften aus. Die

sich aus dem Klimawandel ergebenden Standortveränderungen werden dabei in den

Vorgaben für die Waldbehandlung und Baumartenwahl in den Schutzgebieten häufig

ausgeblendet. Für den Wald in Schutzgebieten (NSG/FFH) sind die Empfehlungen, die

sich aufgrund der Standortdrift ergeben daher häufig nicht anwendbar. Das sollte schon

im ersten Teil in Abschnitt 3 oder 4 thematisiert werden und nicht nur bei den

Handlungsfeldern (z.B. Handlungsfeld 2) auftauchen.

Zu einzelnen Formulierungen

 S. 6: Waldbesitz – folgende Änderungen/Ergänzungen: …, mit einer großen

Bandbreite der Flächengröße des Waldeigentums, wobei etwa 80% der Betriebe

eine Flächengröße von weniger als 2 ha haben. Die Struktur des Privatwaldes ist

insgesamt sehr heterogen: Rund 19% des Privatwaldes sind im Besitz von

Betrieben mit über 1.000 ha, etwa ¼ ist Mittlerer Privatwald (bis 200 ha) und gut

40% der Privatwaldfläche ist Klein-Privatwald (unter 20 ha).

 S. 6: Hier wird zu Recht auf die Bedeutung naturschutzrechtlicher

Rahmenbedingungen für die Waldbewirtschaftung hingewiesen. Dazu sollte

auch die flächenmäßige Bedeutung der Schutzgebietsausweisungen im Wald

dargestellt werden, um die Relevanz der Aussage einzuordnen.

 S. 13: Hier wird auf „fachliche Bezüge zu anderen inhaltlich relevanten

Landesstrategien“ hingewiesen. Was bedeutet das? Es ist notwendig, dass die

Strategien untereinander abgestimmt sind und als gemeinsame

Zukunftsstrategien der Landesregierung umgesetzt werden.

 S. 21: Der Erhalt eines breiten Genpools der heimischen Baumarten sollte bei

den wesentlichen Zielen und Handlungsgrundsätzen noch ergänzt werden.

Als konkrete Maßnahmen ist die kontinuierliche Überarbeitung von Konzepten

genannt. Das ist sicher richtig, darf aber nicht den Eindruck erwecken, dass

jedes Mal komplett neue Konzeptionen vorgelegt werden, was zu einer

geringeren Akzeptanz führen würde.

In den konkreten Umsetzungen und Planungen sollte die „Weiterentwicklung der

naturschutzfachlichen Vorgaben für die Waldbehandlung in Schutzgebieten“

ergänzt werden. (siehe Anmerkungen zu S. 6.

 S. 25: Ist eine verstärkte Waldkalkung wirklich erforderlich, wenn in

Schutzgebieten (NWZ oder WEG) offensichtlich darauf verzichtet werden kann?

Weiterentwicklung von bodenschonenden Holzernteverfahren allein reicht nicht

aus. Bodenschonende Forsttechnik (auch außerhalb der Holzernte) muss auch

Eingang in die Praxis finden. Es sollte also „Weiterentwicklung und

Implementierung bodenschonender Forsttechnik in allen Waldbesitzarten“

heißen.

 S. 30: Die Aussage „Das Spannungsfeld zwischen Waldbewirtschaftung und

Waldnaturschutz verschärft sich durch den Klimawandel deutlich.“ ist nicht

nachvollziehbar. Sie ist auch im Text an keiner Stelle begründet oder abgeleitet.

Sie sollte gestrichen werden.

 S. 32: Zu Handlungsfeld 8 sollte unter den Zielen folgendes Ziel ergänzt werden:

Die Forschung zur verstärkten stofflichen Nutzung bisher wenig genutzter

Baumarten, die jedoch absehbar einen größeren Anteil der Waldfläche

einnehmen werden, sollte vorangetrieben werden, damit das nachhaltige,

regionale Nutzungspotenzials an Holz aller Baumarten ausgeschöpft werden

kann.

 S. 44: Hier fehlt ein Hinweis auf die Notwendigkeit der Mobilisierung von Holz

auch aus dem Kleinstprivatwald.