Deutscher Forstverein e.V.

Wald in Bayern

Wald im Freistaat Bayern

Bayerische Natur und Landschaft – vielfältige Heimat

Bayern hat für jeden etwas zu bieten: das eindrucksvolle Alpenpanorama mit Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, und die romantische Felskulisse der Fränkischen Schweiz prägen das Gesicht Bayerns ebenso wie der Oberpfälzer und der Bayerische Wald, die ausgedehnten Flusslandschaften um Main und Donau oder die oberbayerischen Seen. Die bayerische Landschaft zeichnet sich durch ein abwechslungsreifes Relief aus. Die Meereshöhe reicht von rund 100 m ü. NN im unteren Maintal bis zur Zugspitze mit 2.962 m ü. NN in den Nördlichen Kalkalpen. Vier geologische Großeinheiten werden unterschieden: die Bayerischen Alpen, das Molassebecken, das Schwäbisch-Fränkische Schichtstufenland und das Grundgebirge in Nord- und Ostbayern. Daraus haben sich unterschiedlichste naturräumliche Stand­orte entwickelt. Klimatisch betrachtet, liegt Bayern innerhalb der warmgemäßigten Klimazone im Übergangsbereich vom maritimen Klima Westeuropas zu einem kontinentalen Klima in Osteuropa. Die Jahresmitteltemperaturen variieren über die Landesfläche sehr stark. Von den Weinbaugebieten in Unterfranken mit knapp 10 °C über 6 °C im Allgäu bis ca. -5 °C auf der Zugspitze. Die Niederschläge nehmen von Nord nach Süd mit der Nähe zu den Alpen stark zu. Dabei regnet oder schneit es in den Alpen etwa 2.000 mm jährlich und damit fast dreimal so viel wie in Teilen Frankens mit circa 500 bis 900 mm. Durch die Diversität des Naturraums konnte sich auch eine Vielfalt an gewachsenen Kulturlandschaften entwickeln. Sie machen Regionen unverwechselbar, sie prägen Heimat und tragen zur lokalen und regionalen Identität bei.

Waldland Bayern

Bayern ist ein Waldland. Mehr als ein Drittel der bayerischen Landesfläche, rund 2,6 Mio. ha, sind bewaldet. Dies entspricht fast einem Viertel der deutschen Waldfläche mit insgesamt 11,4 Mio. ha. Innerhalb von Bayern gibt es regional erhebliche Unterschiede in der Waldverteilung (vgl. Abb. 1). Waldarme Gebiete, wie große Teile von Niederbayern, wechseln sich mit nahezu geschlossenen Waldlandschaften ab, wie dem Spessart oder den ostbayerischen Mittelgebirgen. Eine besondere Bedeutung nimmt der Bergwald mit rund 250.000 ha ein. Er bedeckt knapp die Hälfte des bayerischen Alpenraums. Das heutige Landschaftsbild ist wie in ganz Mitteleuropa in seinen Grundzügen bereits um 1300 entstanden. Im Mittelalter wurde der Wald in mehreren Rodungsperioden zugunsten landwirtschaftlicher Flächen massiv zurückgedrängt. Jahrhundertelang wurden die Wälder durch Kahlschläge, Streunutzung und Beweidung ausgebeutet. Die drohende Holzverknappung führte gezwungenermaßen zu einem Umdenken und schließlich im Falle Bayerns zur Gründung der Bayerischen Staatsforstverwaltung Mitte des 18. Jahrhunderts. Dies war der Beginn einer landesweit pfleglichen und nachhaltigen Forstwirtschaft. Bayern wäre von Natur aus ein Waldland mit überwiegend Buchen- und Buchenmischwäldern. Nur in den höheren Gebirgs- und Mittelgebirgslagen haben Fichtenwälder ihr natürliches Vorkommen. Die ausgeplünderten Wälder und Ödländer wurden aber überwiegend mit Fichte und Kiefer aufgeforstet, da diese Nadelbäume weniger empfindlich gegen Frost, Trockenheit und Wildverbiss waren. Im späten 19. Jahrhundert wurde der Mischwaldgedanke aufgegriffen, und es wurde begonnen, Laubbäume wieder in die nadelholzdominierten Waldbestände einzubringen. Heute orientieren sich Forstleute und Waldbesitzer bei der Waldbewirtschaftung konsequent am Leitbild von stabilen und dem jeweiligen Standort angepassten Mischbeständen aus Nadel- und Laubbaumarten. Dort wird der ökologisch wertvolle Rohstoff Holz auf umweltfreundliche, naturnahe Art erzeugt und finden viele Pflanzen und Tiere einen Lebensraum.

Bayerns Wälder sind überwiegend in privater Hand

Bayerns Wälder befinden sich in den Händen von rund 700.000 Waldbesitzern. Rund 56 % der Waldfläche sind im privaten Eigentum. Im deutschlandweiten Vergleich stellt dies eine kleine Besonderheit dar. Von den 1,4 Mio. ha Privatwald zählen gut zwei Drittel zum sogenannten „Kleinprivatwald“ mit Besitzgrößen unter 20 ha. 30 % des Waldes befinden sich im Eigentum des Freistaats Bayern und umfassen im Wesentlichen Flächen der Bayerischen Staatsforsten sowie der beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Berchtesgaden. 12 % der Waldfläche sind Körperschaftswald und damit im Eigentum von Städten und Gemeinden. 2 % der Waldfläche gehören dem Bund. Die größten Flächen davon bilden die Truppenübungsplätze (vgl. Abb. 2).

Bayerns Wälder sind bunt

Nach der 3. Bundeswaldinventur sind 85 % der Waldflächen Mischwälder, wovon die meisten aus mehreren Baumarten in unterschiedlicher Mischung aufgebaut sind. Es dominieren Nadelhölzer: 64 % der Waldfläche sind damit bestockt. Historisch bedingt ist die Hauptbaumart Fichte, gefolgt von Kiefer. Laubbäume sind mit einem Flächenanteil von 36 % vertreten. Die häufigste Laubbaumart ist Buche, gefolgt von Eiche. Der Laubholzanteil nimmt kontinuierlich zu, in den letzten zehn Jahren um 4 %. Am Flächenanstieg der Laubbäume sind alle Laubbaumarten beteiligt, der Rückgang der Nadelbäume betrifft vor allem Fichte und Kiefer, während Tanne, Douglasie und Lärche in der Tendenz leicht zugenommen haben (vgl. Abb. 3).

Holzland Bayern

Bayern hat insgesamt einen Holzvorrat von nahezu 1 Mrd. Vorratsfestmetern und bundesweit die höchsten Hektarvorräte (396 Vorratsfestmeter/ha). Der Vorratsreichtum ist bemerkenswert: Der Fläche nach liegt jeder vierte Hektar deutscher Wald in Bayern, dem Vorrat nach stockt hier aber fast jeder dritte Festmeter Holz. Die Holzvorräte sind in den letzten zehn Jahren konstant geblieben, die Nadelholzvorräte nehmen jedoch ab. Es hat sich allerdings gezeigt, dass sowohl beim Nadelholz als auch beim Laubholz die Vorräte an starkem Holz zulegen. So werden Bayerns Wälder immer älter, das Durchschnittsalter stieg im Zeitraum von zehn Jahren von 79 auf 83 Jahre. Im Bereich des schwachen und mittelstarken Holzes haben die Laubholzvorräte ebenfalls zugenommen, während die Nadelholzvorräte abgenommen haben. Die Durchschnittsvorräte variieren stark nach Eigentumsarten. Die höchsten Hektarvorräte finden sich im Kleinprivatwald.

In Bayern wachsen jährlich rund 29,5 Mio. Vorratsfestmeter zu. Forstwirtschaftlich genutzt werden im Schnitt 28,1 Mio. Vorratsfestmeter, die Nutzung liegt also unterhalb des Zuwachses. Umgerechnet auf den Zuwachs/ha/Jahr liegt dieser bei 11,9 Vorratsfestmetern und einer Nutzung von 11,3 Vorratsfestmetern. Bayern hat bundesweit die zweithöchsten Zuwächse hinter Baden-Württemberg.

Wald: Grundlage für Arbeitsplätze und Wertschöpfung

Der Cluster Forst und Holz in Bayern ist wirtschaftlich ein Schwergewicht. Der Jahresumsatz des Sektors liegt bei rund 37 Milliarden Euro. 196.000 Beschäftigte arbeiten im Forst- und Holzbereich. Der Cluster Forst und Holz ist auf dem Weg zu einer Spitzenstellung in Europa, wie die Clusterstudie 2015 nachdrücklich belegt. Bei Beschäftigung und Umsatzwachstum liegt der Cluster im deutschlandweiten Vergleich vorne. Dabei ragen die drei Teilbereiche Forstwirtschaft, Bauen mit Holz und Sägeindustrie bei dieser positiven Entwicklung besonders hervor. Deren Wachstum ist umso erfreulicher, weil es zur Zukunftssicherung im ländlichen Raum Bayerns sowie zu Kli­maschutz und Energiewende beiträgt. Nur wenige Branchen sind in der Lage, Wirtschaftswachstum mit Klimaschutz in solch einer nachhaltigen Weise zu kombinieren. Der Wald bietet dafür die Grundlage.

Bayerischer Weg: Schützen und Nutzen

Sämtliche Wälder im Freistaat unterliegen dem allgemeinen Schutz durch das Waldgesetz für Bayern. Darüber hinaus erfahren zwei Drittel der Waldfläche einen besonderen Sicherungsstatus durch Naturschutz-, Wald- oder Wasserrecht. So befinden sich in Bayern zum Beispiel rund 449.000 ha Wald in Natura-2000-Gebieten, rund 945.000 ha Wald in Naturparken und über 7.000 ha Wald in Naturwaldreservaten. Diese kleine Auswahl zeigt bereits eindrucksvoll die vielfältige Bedeutung unserer Wälder für eine Vielzahl unterschiedlicher Ansprüche. Diese wertvollen Wälder gehen ganz wesentlich auf eine aktive Waldbewirtschaftung durch die Waldbesitzer zurück, die die Belange des Naturschutzes in die Bewirtschaftung integrieren. Die Historie zeigt, dass sich eine nachhaltige und naturnahe Nutzung des Waldes und die Erhaltung eines intakten Naturhaushaltes nicht ausschließen, sondern einander bedingen. Die Wälder sind nicht „trotz“ der Bewirtschaftung in einem guten Zustand, sondern genau deswegen. Deshalb verfolgt Bayern einen integrativen Ansatz bei der Waldbewirtschaftung. Der „bayerische Weg“ lässt sich mit folgenden Kernpunkten zusammenfassen:

1.   nachhaltig nutzen und schützen auf grundsätzlich ganzer Fläche,

2.   gezielte ergänzende Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität,

3.   keine pauschalen Stilllegungsquoten,

4.   Vorrang für Freiwilligkeit und Kooperation mit Waldbesitzern.

Eine multifunktionale nachhaltige Waldbewirtschaftung und Forstwirtschaft integriert alle Belange und erzeugt den höchsten Gesamtnutzen. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass die Wälder den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind. Der Freistaat stellt gemeinsam mit den Vertretern der Waldbesitzer und des Clusters Forst und Holz die Leistungen der Waldbewirtschaftung aktiv und transparent dar, um die Forstwirtschaft noch intensiver in der Mitte der Gesellschaft zu verankern.

Mehr zu den Strukturen der Forstlandschaft, der Forstverwaltung und den Bayerischen Staatsforsten

StMELF Bayern

Foto: Ruth Mattheas
Abb. 1: Waldanteile in den Wuchsgebieten. Quelle: BWI 2012
Foto: Ruth Mattheas
Abb. 2: Waldbesitz in Bayern. Quelle: BWI 2012
Foto: Ruth Mattheas
Abb. 3: Baumartenverteilung in Bayern. Quelle: BWI 2012